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Eigentor als Tolggen im Reinheft

Dem HC Davos ist der Start ins neue Jahr missglückt. Er verlor gestern beim EV Zug zwar knapp, aber dennoch verdient mit 3:4. Nach schwachem Beginn fand Davos zwar immer besser ins Spiel, für die Wende reichte es aber nicht.

Südostschweiz
04.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Der HC Davos wird in Zug in der Startphase überfahren und verliert trotz Steigerung mit 3:4

Von Kristian Kapp

Am Ende hatte Arno Del Curto sehr vieles versucht. Er stellte seine Linien nach dem Startdrittel um. Er stellte seine Linien auch nach dem Mitteldrittel um. Er nahm rund zehn Minuten vor Schluss sein Time-out, was prompt Wirkung zeigte: Dick Axelsson und Marcus Paulsson profitierten von einem «Bock» der gröberen Sorte, als Zugs Oldie Josh Holden die Scheibe vor dem eigenen Tor vertändelte. Es war der Davoser Anschlusstreffer zum 2:3. Und Del Curto pokerte in der Schlussminute, als er trotz Zuger Überzahl den Goalie vom Eis nahm, aber den Ausgleich auch mit zusätzlichem Feldspieler nicht mehr erzwingen konnte. Das Schlussresultat lautete 4:3 zugunsten Zugs, Dino Wieser mit einem Shorthander hauchte Davos ein weiteres Mal Leben mit dem erneuten Anschlusstreffer ein. Die Steigerung war unverkennbar, der Gesamteindruck blieb dennoch zwiespältig: Der 4:3-Sieg des EV Zug war am Ende zweifellos verdient.

<strong>Es brauchte über 20 Spielminuten, </strong>bis der HC Davos im neuen Jahr angekommen war. Der Spengler Cup durfte eigentlich für einmal nicht als Begründung präsentiert werden, schliesslich hatte Davos bei seinem Turnier «nur» drei Partien bestritten und konnte zudem jeweils von spielfreien Tagen dazwischen profitieren. Und dennoch wirkten die Bündner lange Zeit müde, vor allem mental. Ob es an Trainer Del Curtos Umstellungen nach indiskutablen ersten 20 Minuten lag? Oder generell daran, dass ein Ruck durchs Team ging und der Wille erkennbar war, so nicht weiter «herumwursteln» zu wollen? Oder auch am EV Zug, der sich im Mitteldrittel an der eigenen Leistung von zuvor zu sonnen schien? Auf jeden Fall kam der HC Davos mit jedem Shift besser ins Spiel. Er zeigte endlich Leidenschaft in den Zweikämpfen und schien auch gewillt, das erste Tor im 2015 zu erzwingen. Verteidiger Samuel Guerra war dieses Erfolgserlebnis vergönnt, weil er für einmal den Puck einfach Richtung Tor brachte, statt einen möglichen Pass zu spielen. Es war das 2:1 und hätte der Treffer sein können, der die Partie in neue Bahnen lenkte. Der kleine Zwischenerfolg vom gewonnenen Mitteldrittel blieb Davos aber verwehrt. Leonardo Genoni fabrizierte ein kurioses Eigentor keine Minute vor der Sirene zur zweiten Pause. Lino Martschinis ursprünglicher Schuss war nicht einmal auf Genonis Kasten unterwegs, als der Davoser Torhüter den Puck in gleich drei «Etappen» ins eigene Tor bugsierte.

<strong>Ausgerechnet Genoni. </strong>Im Startdrittel hatte noch nichts auf ein Davoser Aufbäumen gedeutet. 0:2 lag der HCD da zurück, er war nicht schlecht bedient. Und Genoni war der auffälligste Davoser der Startphase und eigentlich des gesamten Spiels – im positiven Sinne. Seine verwirrten Vorderleute sorgten immer wieder für freie Fahrt vor dem HCD-Goalie, der oft in extremis eingreifen musste. Das 2:0 war der Mindestlohn für den EVZ, der gedanklich vifer schien, die meisten Zweikämpfe mit Puckbesitz beendete und eine Zielstrebigkeit zeigte, von der Davos nur träumen konnte. Bei beiden Gegentoren profitierten Zugs Center (Earl, Holden) von Davoser Unordnung. Vor dem 2:0 standen mit Walser und Koistinen gleich zwei aus dem Defensivverbund im «Schilf».

Im HCD-Spiel klappte wenig. Von der ansonsten schnellen Angriffsauslösung war nichts zu sehen, eher gemächlich und umständlich wirkten die Bündner beim Versuch, die Mittelzone zu überbrücken. Und waren sie einmal vor Zugs Goalie Tobias Stephan, wurde die neue und alte Krankheit sichtbar: Kaum ein Davoser, der den Abschluss wirklich suchte. Auch darum war am Ende die Niederlage nicht unverdient. Zusätzliche Hiobsbotschaft für den HCD: Verteidiger Noah Schneeberger fällt verletzt für rund fünf Wochen aus.

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