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Drei Bürgis nach 209 Jahren gefunden

Goldau Das ist wirklich ein sensationeller Fund: 209 Jahre nach dem Goldauer Bergsturz wurden drei Opfer geborgen. Es dürfte ein Teil der Familie Bürgi sein.

Südostschweiz
28.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

«Ich wusste punktgenau, wo das alte Haus Harmettlen liegt.»

Thomas Reichlin, Goldau

Jürg Auf der Maur

Der Goldauer Maurer und Freizeit-Geologe Thomas Reichlin ist viel unterwegs. «Es ist mein Hobby. Wegen der Geologie besichtige ich jede einzelne Baugrube in meinem Dorf», erklärte er gestern dem «Boten». Was er zusammen mit Oswald Bürgi 2012 in der Harmettlen aber fand, darf, ohne zu übertreiben, als echte Sensation bezeichnet werden.

Bei den Arbeiten für die neue Überbauung in der Harmettlen kamen drei Skelette zum Vorschein. Untersuchungen der Uni Zürich machen nun klar: Es sind Opfer des verheerenden Bergsturzes von 1806. Damals donnerten?36 Mio. Kubikmeter Fels zu Tal. Das ganze Dorf Goldau fiel der Katastrophe zum Opfer. 457 Menschen und über 300 Tiere wurden getötet.

Kein Zufalllsfund

Der Fund war kein Zufall, versichert Reichlin: «Ich wusste punktgenau, wo das alte Haus Harmettlen liegt.»

Die Skelette lagen knapp unter der Humusschicht in einer gräulichen, durchnässten Lehmschicht. Neben den Skeletten wurde gleichzeitig eine Ofenkachelscherbe mit der Jahreszahl 1651 sowie die Überreste eines nur wenige Wochen alten Kalbes gefunden.

Schwerste Verletzungen

Die Untersuchungen an der Universität ergaben einen klaren Befund: Es muss sich um Bergsturzopfer handeln. Die Opfer weisen nämlich schlimmste Verletzungen auf. Die Körper hatten mehrfache Brüche, wüsteste Schürfunge. Es waren «komplexe Trümmerbrüche», heisst es dazu in einem Bericht von Sabrina Meyer und Martin Häusler. Sie dokumentierten zusammen mit den Goldauern Thomas Reichlin und Oswald Bürgi den Fund und erstellten einen Bericht.

Die Verletzungen gleichen jenen bei Erdbebenopfern. Ein Indiz mehr, dass es sich tatsächlich um Goldauer handelte, die beim Bergsturz ums Leben kamen. Immerhin: Sie dürften aber nicht gelitten haben. Schon die ersten Verletzungen waren jeweils so gravierend, dass der Tod eintrat.

Zwei Frauen, ein Mann

Weitere Untersuchungen ergeben, dass es sich beim einen Skelett um eine rund 25-jährige Frau handelt. Das zweite Skelett dürfte eine rund 50- bis 70-jährige Frau und das dritte ein 40 bis 80 Jahre alter Mann gewesen sein.

Dank den genauen Beschreibungen, die der Arther Arzt, Schriftsteller und Schwyzer Säckelmeister Carl Zay 1806 in seinem als Schuttbuch bekannten Werk hinterliess, können die drei Skelette sogar noch präziser eingeordnet werden. Es handelt sich um den 56-jährigen Karl Bürgi, Schuster, seine 61-jährige Frau Marianna Schön und deren gemeinsame Tochter Agatha. Sie bewohnten das Haus Harmettlen (Nr. 21, Zay), wobei von den ebenfalls hier lebenden erwachsenen Söhnen Caspar und Martin weiterhin jede Spur fehlt.

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