Die Winter werden zwei bis drei Wochen kürzer
Der Schnee ist einer von zahlreichen wichtigen Indikatoren zur Erforschung der Auswirkungen der globalen Klimaerwärmung. Entsprechend hat die Universität Innsbruck (Österreich) mit dem Projekt «Snow in Austria during the instrumental period» die Entwicklung der Schneedecke in Österreich während der letzten 120 Jahre nachgezeichnet.
Der Schnee ist einer von zahlreichen wichtigen Indikatoren zur Erforschung der Auswirkungen der globalen Klimaerwärmung. Entsprechend hat die Universität Innsbruck (Österreich) mit dem Projekt «Snow in Austria during the instrumental period» die Entwicklung der Schneedecke in Österreich während der letzten 120 Jahre nachgezeichnet.
Das berichtete die österreichische Tageszeitung «Der Standard» am Montag. Zur Anwendung kam ein neuartiges Modell der Schneedeckendynamik. Als dessen Basis dienten nahezu alle in Österreich zur Verfügung stehenden meteorologischen Messdaten. Eines der wichtigsten Ergebnisse der Studie: Seit dem Jahr 1980 werden bei der Schneedeckenhöhe deutlich häufiger Ausschläge nach unten verzeichnet. Prognose für die Zukunft: Bei einer weiter fortschreitenden Klimaerwämung werden die Winter in Österreich ab 2050 zwei bis drei Wochen kürzer sein.
Beim Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos beurteilt man die von den Wissenschaftlern der Universität Innsbruck vorgelegten Resultate als glaubwürdig. «Wir vom SLF kennen die Studienverfasser persönlich, wir arbeiten ab und zu mit ihnen zusammen», sagt Christoph Marty, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim SLF. Man könne denn auch sicher sein, dass die Ergebnisse der österreichischen Kollegen auf der Basis seriöser wissenschaftlicher Arbeit zustandegekommen seien. «Ich zweifle keinen Moment an der Richtigkeit der Ergebnisse», betont Marty.
Die Universität Innsbruck hat laut Marty erstmals eine Arbeit über die Entwicklung der Schneehöhen in ganz Österreich vorgelegt. Die untersuchte Fläche sei grösser als bei vergleichbaren Schweizer Studien, sagt er. Allerdings bestätigten die Ergebnisse der Innsbrucker Forscher Tendenzen, die das SLF in einem seiner jüngsten Artikel im Rahmen des Berichts «CH2014 – Impacts», an dem mehr als 20 Forschungsgruppen aus der ganzen Schweiz mitgearbeitet hätten, aufgezeigt habe. Neu sei an der Innsbrucker Arbeit aber neben der Grösse der untersuchten Fläche die Aussage, dass die Winter in Österreich selbst bei einer gemässigten Prognose der weiteren Klimaerwärmung «bis 2050 im Durchschnitt zwei bis drei Wochen kürzer sein werden». Überraschend sei diese Erkenntnis zwar nicht, sie sei aber noch nie in dieser Form gewonnen und formuliert worden.
Wie Marty weiter sagt, sind die Ergebnisse der österreichischen Wissenschaftler aber auch bezüglich der untersuchten Zeitperiode neu. «Die Innsbrucker Studie beinhaltet auch Aussagen über die künftige Entwicklung.» Demgegenüber hätten Schweizer Wissenschaftler jeweils eher einzelne Regionen und die Vergangenheit unter die Lupe genommen.
Beim Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos nimmt man die Ergebnisse aus dem Nachbarland denn auch mit Interesse zur Kenntnis. Sie haben laut Marty aber insofern keinen direkten Einfluss auf die Forschungsarbeit des SLF, als man die eigenen Forschungsarbeiten nicht direkt auf der österreichischen Studie aufbaut. «Wenn wir aber einmal in die Lage kämen, eine grössere Fläche – wie etwa die ganze Schweiz – untersuchen zu können, würden wir unsere Resultate sicher mit der österreichischen Studie vergleichen», hält der promovierte Klimatologe fest. Bisher hätten aber die finanziellen Ressourcen gefehlt, um eine solche Studie zu machen, so Marty.
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