Die Wetter-App schlägt das Pisten-Game
Die Digitalisierung hat den Bergtourismus längst erfasst. So gibt es heute nicht nur WLAN auf den Liften, sondern auch die Wander-App und das Pisten-Game. Jedoch wird nicht alles, was angeboten wird, auch tatsächlich genutzt.
Die Digitalisierung hat den Bergtourismus längst erfasst. So gibt es heute nicht nur WLAN auf den Liften, sondern auch die Wander-App und das Pisten-Game. Jedoch wird nicht alles, was angeboten wird, auch tatsächlich genutzt.
Chur.– PR-Fachleute sind moderne Leute. Entsprechend begeistert zeigen sie sich über neue Trends. Einer davon heisst Gamification: Mit spielerischen Smartphone-Apps wird versucht, Kunden anzulocken. Zumindest bei einer Mehrheit der Feriengästen in den Bergen funktioniert dies jedoch nicht. Das zeigt eine neue Studie des Instituts für Tourismus und Freizeit ITF der HTW Chur.
Nur kleine Nachfrage
Bei der im Auftrag des Amtes für Wirtschaft und Tourismus Graubünden in Sommer dieses Jahres durchgeführten Umfrage bei insgesamt 1500 Gästen gaben nämlich rund 64 Prozent aller Befragten an, solche Apps selten bis gar nie zu verwenden. Auch Anwendungen für Wanderer und Biker sind nicht mehrheitsfähig. Solche Angebote sprechen ebenfalls nur eine geringe Zahl der Feriengäste an.
Ganz anders sieht es hingegen bei Anwendungen aus, die zum Beispiel über das Wetter informieren. Da schrumpft die Anzahl der Nichtnutzer auf lediglich 13 Prozent. 54 Prozent gaben dagegen an, solche Wetter-Apps häufig zu nutzen.
«Für Feriengäste sind vor allem praktische Informationen über Wetter, Verkehr oder Öffnungszeiten wichtig. Alles andere ist zwar ‘nice to have’, spricht aber keine Mehrheit an», fasst Studienmitverfasserin Annika Aebli die wichtigste Erkenntnis zusammen.
Generation Internet reicht bis 65
Die Befragung liefert auch Hinweise darauf, warum dies so ist. Anders als bislang vermutet, endet die Generation Internet nämlich nicht schon bei den über 50-Jährigen. Sie reicht bis zu den gerade noch nicht Pensionierten, wie die Studie zeigt.
Erst ab 65 sinkt das Interesse an elektronischer Kommunikation und Information markant. Rund die Hälfte der über 65-Jährigen gab an, dass für sie die Nutzung von online-fähigen Geräten in den Ferien «unwichtig» ist. Bei den 50- bis 65-Jährigen waren dies lediglich 20 Prozent, bei den 30- bis 49-Jährigen noch zehn Prozent der Befragten.
«Wer im Beruf steht, ist sich offenbar gewohnt, oft online zu sein und pflegt diese Gewohnheit in der Regel auch in den Ferien», folgert Studienmitverfasser Paul Ruschetti. Bergbahnen und Skigebiete tun demnach gut daran, ein umfassendes und auf alle Generationen ausgerichtetes Informationsangebot auf dem Internet zu haben.
Internetzugang immer wichtiger
Roger Walser vom ITF betont zudem die Verfügbarkeit. «WLAN wird immer wichtiger», erklärt er. Entscheidend für die Skistationen sei in Zukunft, dass die Feriengäste in den Skigebieten und in den Ferienwohnungen einen Zugang zum Internet haben.
«Heute wollen die Feriengäste aus dem Restaurant ihre Schnappschüsse auf Facebook hochladen können», sagt er. Das bestätigt auch Melanie Keller, von der Weisse Arena-Gruppe, die das Skigebiet Flims, Laax, Falera betreibt.
«Der Zugang zum Internet über ein drahtloses Netzwerk ist ein grosses Bedürfnis bei unseren Feriengästen», sagt sie. Das Skigebiet habe deshalb auf die letzte Wintersaison das Angebot stark ausgebaut und werde dies auch künftig tun. «Vor allem die Jungen wollen, wenn sie am Lift anstehen oder auf jemanden warten müssen, Videos und Fotos hochladen.»
Ein Nischenprodukt
Den Trend Gamification hat auch die Weisse Arena mitgemacht. Mit der App MAPtoSNOW kann man sich mit Kollegen messen und Kaffeegutscheine gewinnen. «Wir mussten feststellen, dass diese App ein Nischenprodukt ist, welches wir aktuell nicht mehr anbieten», sagt Keller. Viel mehr Gewicht lege das Skigebiet dagegen auf die Webapp LAAX Inside, die den Feriengästen Wetterberichte, Webcam-Aufnahmen und Pisten- und Fahrpläne liefere.
Von dieser App gibt es auch eine Bezahlversion, mit der sich Ski- und Snowboardfahrer zusätzlich über die Frequenzen im Skigebiet und über die Wartezeiten an den einzelnen Liftanlagen informieren können. Damit hat die Weisse Arena bereits die Erkenntnisse aus der ITF-Studie umgesetzt. (sda)
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