Die Punktlandung der beiden Oldies in die Bergisel-Arena
Simon Ammann hat gestern in Innsbruck mit Rang 3 seinen zweiten Podestplatz in der laufenden Vierschanzen- tournee geschafft. Der Tages-sieger Richard Freitag und der Tournee-Leader Stefan Kraft lagen aber ausser Reichweite.
Simon Ammann hat gestern in Innsbruck mit Rang 3 seinen zweiten Podestplatz in der laufenden Vierschanzen- tournee geschafft. Der Tages-sieger Richard Freitag und der Tournee-Leader Stefan Kraft lagen aber ausser Reichweite.
Von Simon Steiner
Skispringen. – Simon Ammann war nicht mehr in der Leaderbox zu halten, als sein Podestplatz feststand. Er stürmte hinaus in die Bergisel-Arena und warf sich Noriaki Kasai an den Hals. Die 42-jährige Skisprung-Legende aus Japan war im Final als drittletzter Athlet über die Schanze gegangen – und hatte exakt die gleiche Punktzahl wie Ammann erreicht. «Noriaki ist ein echter Gentleman», witzelte der Schweizer später. «Er weiss genau, wo er hinspringen muss, damit ich auch zufrieden bin.»
Ammanns spontane Freudenreaktion hing auch damit zusammen, dass er sich in diesem Winter mit Kasai schon einmal einen Erfolg geteilt hatte. In Kuusamo hatte er zusammen mit dem unverwüstlichen Japaner einen Ex-aequo-Sieg gefeiert. Im dritten Springen der Vierschanzentournee in Innsbruck reichte es den beiden Altmeistern nun zum gemeinsamen dritten Rang. Dafür erhielten sie bei der Siegerehrung eine gläserne Trophäe erreicht, die sie dann auch zusammen mit Stolz in die Kameras hielten. Darum zu streiten brauchten sie sich nicht: «Wir bekommen beide einen Pokal», sagte Ammann.
Aufwind nicht ausgenutzt
Seinen 16. Podestplatz im Rahmen der Vierschanzentournee musste sich Ammann hart erkämpfen. Die Chancen auf den Tagessieg hatte der vierfache Olympiasieger bereits im ersten Durchgang vergeben, obwohl ihn dieser auf den vierten Rang im Halbzeitklassement brachte. Im Gegensatz zum späteren Sieger Richard Freitag und Tourneeleader Stefan Kraft, die unmittelbar vor beziehungsweise nach ihm an der Reihe waren, nutzte Ammann die günstigen Bedingungen mit Aufwind nicht aus. Sein Sprung gelang technisch nicht optimal. Beim Absprung war er etwas zu früh dran, zudem hatte er in der Luft einen Wackler zu verzeichnen. «Ich bin froh, dass es trotzdem noch aufs Podest gereicht hat.»
Die nächste Möglichkeit zum ersten Weltcupsieg auf österreichischem Boden erhält Ammann morgen in Bischofshofen. Die dortige Schanze, auf der die Flugqualität gegenüber der Sprungkraft stärker gewichtet wird, liegt dem 33-jährigen Toggenburger grundsätzlich besser als jene in Innsbruck. «Ich hoffe, dass ich mich bis dann genügend erholen kann», sagte er. Ammann ist jedoch nicht der Einzige, der am Dreikönigstag gewinnen will. Noriaki Kasai: «Eigentlich wollte ich am 66. Geburtstag meiner verstorbenen Mutter in Innsbruck gewinnen. Jetzt hole ich das halt in Bischofshofen nach.» Um den Gesamtsieg brauchen sich Ammann und Kasai keine Gedanken mehr zu machen. Einen grossen Schritt zum Gewinn der Tournee machte gestern dagegen der Österreicher Stefan Kraft. Der 21-jährige Gesamtleader, dessen Grossmutter und Vater in der Schweiz geboren wurden, setzte sich mit Rang 2 in Innsbruck deutlich von seinen beiden Verfolgern Michael Hayböck und Peter Prevc ab. Kraft stellte im ersten Durchgang bei starkem Aufwind mit 137 Metern einen neuen Schanzenrekord auf und behielt anschliessend auch im Final die Nerven. «Es ist nicht ganz einfach, vor dieser Zuschauerkulisse bei sich zu bleiben», sagte Kraft. «Aber es ist mir gelungen, nochmals voll anzugreifen.»
Freitag beendet deutsche Wartezeit
Den Tagessieg sicherte sich Richard Freitag. Der 23-jährige Deutsche, der sich vor Weihnachten bereits im ersten Springen in Engelberg durchgesetzt hatte, konnte in Insbruck zweimal bei optimalen Bedingungen starten und liess sich diese Chance nicht entgehen. Mit seinem fünften Weltcupsieg beendete Freitag die zwölfjährige Durststrecke des deutschen Teams bei der Vierschanzentour- nee. Als letzter DSV-Vertreter hatte Sven Hannawald im Dezember 2002 in Oberstdorf im Rahmen der tra- ditionsreichen Wettkampfserie ein Springen gewonnen. Freitag sorgte damit stellvertretend für einen Befreiungsschlag der gesamten deutschen Mannschaft.
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