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Die Platzspitz-Generation lebt heute unauffällig und meist gut

Das Glarner Drogenopfer vom Dezember 2014 weckt Erinnerungen an die offene Szene der neunziger Jahre. Und damit die Frage, wo sie sind, die Drögeler vom Volksgarten.

Südostschweiz
05.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Von Brigitte Tiefenauer

Glarus. – Auch wenn die «Gasse» in Glarus in den 90er-Jahren nicht mit Zürich vergleichbar war, Abhängige von harten Drogen gab es auch im Glarnerland. Und es gibt sie auch noch heute. Weitgehend dieselben. «Die ‘Platzspitz-Generation’ ist jetzt 45 bis 65 Jahre alt», sagt Kantonsarzt Martin Mani. Ihr Stoff ist mehrheitlich Methadon, erhältlich als Ersatzdroge auf ärztliche Verordnung.

Die Platzspitz-Situation sei nicht lässig gewesen, sagt Mani. Das Methadonprogramm bringe die Abhängigen weg von der Beschaffungskriminalität und ermögliche ihnen, sich gesellschaftlich und beruflich wieder einzugliedern. Viele beziehen Methadon seit vielen Jahren und leben gut damit.

Clean wird kaum ein Therapierter

Vielen Betroffenen merke man ihre Sucht kaum an, so Mani. Die rund 70 Personen, die im Glarnerland Methadon beziehen, erhalten den Stoff im Spital, beim Hausarzt oder in der Apotheke. Lebenslang clean würden damit allerdings die wenigsten. Diese Hoffnung sei vom Tisch.

«Die Drogenabhängigkeit ist eine schwere chronische Krankheit, die sich nicht einfach abstellen lässt. Es macht einfach keinen Sinn, die alten Abhängigen noch ändern zu wollen», so Mani. «Nachwuchs» gibt es laut dem Kantonsarzt aber kaum in der Glarner Drogenszene.

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