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Die Mitte Macht Die Macht

Eveline Widmer-Schlumpf ist ein Phänomen. Manche nennen sie eine ehrgeizige Karrieristin, die sich nicht scheut, über Leichen zu gehen. Andere eine Garantin für eine Politik, die den Extremen trotzt.

Südostschweiz
29.12.14 - 01:00 Uhr
Zeitung

Von David Sieber

Eveline Widmer-Schlumpf ist ein Phänomen. Manche nennen sie eine ehrgeizige Karrieristin, die sich nicht scheut, über Leichen zu gehen. Andere eine Garantin für eine Politik, die den Extremen trotzt. Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte. Es braucht schon ein gerüttelt Mass an Durchhaltewillen und Selbstvertrauen, um für einen Bundesratssitz eine Partei zu spalten und sich anschliessend als Vertreterin einer Minifraktion im Amt zu halten. Das liegt nicht nur an ihrer Kompetenz, sondern auch daran, dass die Bündnerin für CVP, SP, Grüne, GLP und zumindest Teile der FDP das kleinere Übel ist. Solange Widmer-Schlumpf im Bundesrat sitzt, muss nicht über ein (arithmetisch legitimiertes) zweites SVP-Mandat diskutiert werden.

Je mehr sich die SVP darum bemüht, die FDP auf ihre Seite zu ziehen, um so bei den Nationalratswahlen im nächsten Herbst eine Mitte-rechts-Mehrheit zu erlangen, desto intensiver hoffen alle anderen Parteien, Widmer-Schlumpf möge sich für eine dritte Amtszeit zur Verfügung stellen. Dass sie das tun wird, sofern ihre Chancen intakt sind, hat sie BDP-intern gemäss der «Sonntags-Zeitung» bereits erklärt.

Überraschend kommt das nicht. Amtsmüdigkeit ist keine auszu-machen. Ihren Job erledigt sie gut. Der Dauerbeschuss aus den Reihen der SVP perlt an ihr ab. Auch Heinz Brand, ihr grosser Bündner Widersacher, der eigene Bundesrats-Ambitionen zumindest nicht dementiert, rechnet mit Widmer-Schlumpfs Wiederwahl. Jene Parteien, die sie 2007 an die Macht gebracht haben, werden sie auch im europapolitisch eminent wich-tigen 2015 stützen.

dsieber@suedostschweiz.ch

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