×

«Die meisten werden den Aufpreis verkraften»

Der CEO des Informations- und Ausbildungszentrums für Immobilien fordert eine Grundsatzdiskussion.

Südostschweiz
14.02.13 - 01:00 Uhr

Mit Donato Scognamiglio* sprach Marc Fischer

Herr Scognamiglio haben wir in der Schweiz wirklich ein überrissenes Preisniveau für Immobilien?

Donato Scognamiglio: Nein, gesamtschweizerisch kann man nicht von einer Immobilienblase reden. Es gibt aber zwei deutlich ausgeprägte Hotspots: die Region Zürich und die Genfersee-Region.

Sie halten die Massnahme des Bundesrates also für verfehlt?

Die Massnahme kommt eher überraschend. Im Kanton Aargau oder Bern haben wir keine Hotspots, aber auch hier müssen die Immobilienbesitzer künftig mehr bezahlen.

Wie stark werden die Hypotheken ansteigen?

Aufgrund des Hypothekarkreditvolumens, der Kosten der Banken und der Erneuerungsquote kann man grob schätzen, dass sich die Hypotheken im Schnitt um 20 Basispunkte oder um 0,2 Prozent verteuern werden.

Wird sich die Massnahme auch auf die Mietzinsen auswirken?

Kurzfristig werden die Mietzinsen von der Massnahme nicht betroffen sein. Aber in ein bis zwei Jahren wird sich der Hypothekarkredit-Aufschlag auch auf die Mietzinsen auswirken. Mittelfristig rechnen wir mit einer Erhöhung der Mietzinsen. Diese werden sich um rund ein Prozent verteuern.

Reicht ein Prozent Kapitalpuffer, um die Nachfrage so stark zu schwächen, dass sich das auch auf die Preise durchschlagen wird.

Ich glaube nicht. Bei den historisch tiefen Zinsen wird das nur ganz wenige Konsumenten davon abhalten, eine neue Hypothek abzuschliessen und ein Haus zu kaufen. Und auch die meisten bestehenden Hypothekarschuldner dürften bei der Erneuerung ihrer Hypothek den Aufpreis verkraften. Es spielt ja keine grosse Rolle, ob man nun 1,6 oder 1,8 Prozent für eine fünfjährige Hypothek zah-len muss. Man muss aber sehen, dass der Kapitalpuffer in erster Linie das Eigenkapital der Banken stärken soll. So gesehen ist die Massnahme sinnvoll.

Sie glauben also, die Preise werden nun nicht fallen?

Davon gehe ich aus. Sie werden allenfalls weniger stark steigen als in den letzten Monaten.

Sind die hohen Preise denn gerechtfertigt?

Wir haben heute mehr Zuwanderung, und mit acht Millionen Einwohnern ist die Nachfrage nach Immobilien in unserem Land so hoch wie noch nie. Zugleich sorgt unser Land mit der Zuwanderungspolitik für eine steigende Nachfrage nach Immobilien. Mit der geplanten Revision des Raumplangesetzes und der bereits angenommenen Kulturlandinitiative im Kanton Zürich sorgen wir aber zugleich für eine Verknappung des Angebots. Da ist klar, dass die Preise steigen.

Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Könnte euch auch interessieren
Mehr zu MEHR