Die Logistik-Drehscheibe von Würth
Sie ist soeben 50 Jahre alt geworden, und in dieser Zeit ist die Würth International AG in Chur stark gewachsen. Heute beschäftigt die Tochterfirma des Würth-Konzerns 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Sie ist soeben 50 Jahre alt geworden, und in dieser Zeit ist die Würth International AG in Chur stark gewachsen. Heute beschäftigt die Tochterfirma des Würth-Konzerns 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Von Dario Morandi
Chur. – Als sich Konzernchef Reinhold Würth und seine Gattin Carmen Würth 1964 entschlossen, eine Niederlassung in Chur zu gründen, ahnte wohl noch kaum jemand, dass dies der Beginn einer Erfolgsgeschichte sein würde. Aus der damaligen Reca Union GmbH ist längst die Würth International AG geworden. Und heute managen dort 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Zentraleinkauf sowie die Logistik für die Tochterfirmen der deutschen Würth-Gruppe. Sie wurde von Reinhold Würth aufgebaut und gilt inzwischen weltweit als grösster, auf Montage- und Befestigungstechnik spezialisierter Handelskonzern mit 63 000 Angestellten.
Zigarettenqualm im Raum
Einer, der in Chur zu den «Würth- lern» der ersten Stunde gehört, ist Michel Kern. Der gebürtige Basler steht seit vielen Jahren auf der Kommandobrücke der Würth International AG, die kürzlich zusammen mit dem Patron ihr 50-Jahr-Jubiläum gefeiert hat. Kern, der dem erweiterten Führungsgremium der Würth-Gruppe angehört, erinnert sich denn auch gerne an die alten Zeiten zurück, als die Churer Niederlassung noch in den Kinderschuhen steckte. «Damals waren wir ein kleines Team und alle arbeiteten im selben Raum. Und der war dann meistens voller Zigarettenqualm», erzählt er und lacht. Tempi passati. Heute residieren Kern und seine Mitarbeiter sowie 70 weitere Beschäftigte von anderen Konzerntöchtern in rauchfreien Grossraumbüros eines ebenso stylischen wie modernen Geschäftshauses an der Churer Aspermontstrasse 1.
Im selben Gebäude befindet sich seit der Einweihung im Jahr 2002 ausserdem das Würth-Forum, in dem Reinhold Würth Kunstwerke aus seiner privaten Sammlung ausstellt. Nach Angaben des Unternehmens wurden die bisher 25 Ausstellungen inzwischen von über 200 000 Menschen besucht.
100 000 Produkte eingekauft
Doch zurück zum Geschäft: Würth International AG dient der Würth-Gruppe als Holdinggesellschaft, welche die Beteiligungen des Konzerns verwaltet. Nach Kerns Angaben versorgt das Unternehmen ausserdem von Chur aus sowie über seine Niederlassungen in Amerika und China die Konzerntöchter von Würth weltweit (ausser Deutschland) mit über 100 000 Produkten aus der Montage- und Befestigungstechnik. Einen Teil der Zentraleinkäufe wickelt die Würth International AG seit einigen Jahren über ein computergesteuertes Hochregallager im Industriegebiet Tardis bei Landquart ab.
Bremsspuren in der Autoindustrie
Kern geht davon aus, dass sich das Wachstum des Unternehmens weiter fortsetzen wird. Noch seien die wirtschaftlichen Perspektiven auf den Absatzmärkten in der Industrie sowie in holz- und metallverarbeitenden Gewerbebetrieben gut, «auch wenn beispielsweise in der Automobilbranche erste Bremsspuren sichtbar werden», erklärt er.
Obwohl das Unternehmen im sankt-gallischen Rorschach Fuss gefasst hat, scheint der Standort Chur nicht gefährdet. Es gebe keinen Anlass, die Zelte abzubrechen, versichert Firmenchef Kern. «Wir sind hier gut aufgehoben. Man nimmt uns wahr und wir arbeiten ausgezeichnet mit den Behörden der Stadt und des Kantons zusammen.»
Ein unglücklicher Entscheid
Sorgen hat er aber trotzdem: Und zwar weil die Steuerprivilegien für Holdinggesellschaften bald abgeschafft werden. Kern sieht dem aber gelassen entgegen: Da werde man noch eine Lösung finden, glaubt er. Probleme hat das Unternehmen – wie viele andere in Graubünden – ausserdem bei der Suche nach hoch qualifiziertem Personal wie etwa Software-Ingenieuren. Der Entscheid des Grossen Rates, keine Mittelschule für Informatiker ins Leben zu rufen, bezeichnet Kern deshalb als «schlecht und unglücklich». Es sei schade, dass man nicht in eine zukunftsorientierten Berufsgattung investieren wolle.
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