Die Kroaten suchen nach Orientierung
Eigentlich ist es eine gute Nachricht, wenn die Wähler des krisengeschüttelten Kroatien sich von ihrer Misere an die Urnen treiben lassen. Wenigstens widerlegen sie damit die Unkenrufe, die Demokratie sei mittlerweile überall in Osteuropa in Verruf geraten.
Eigentlich ist es eine gute Nachricht, wenn die Wähler des krisengeschüttelten Kroatien sich von ihrer Misere an die Urnen treiben lassen. Wenigstens widerlegen sie damit die Unkenrufe, die Demokratie sei mittlerweile überall in Osteuropa in Verruf geraten.
Von Norbert Mappes-Niediek
Eigentlich ist es eine gute Nachricht, wenn die Wähler des krisengeschüttelten Kroatien sich von ihrer Misere an die Urnen treiben lassen. Wenigstens widerlegen sie damit die Unkenrufe, die Demokratie sei mittlerweile überall in Osteuropa in Verruf geraten.
Die schlechte Nachricht ist, dass die Misere sich bei einer Präsidentenwahl kaum wird abwählen lassen. Das kroatische Staatsoberhaupt hat in Wirtschaftsdingen keine Kompetenzen, und selbst wenn es sie hätte, so würde auch ihm der Kompass fehlen. Amtsinhaber Ivo Josipovic hatte gehofft, sich mit seinem vorsichtigen Lavieren zwischen dem linken, säkularen und dem rechten, katholisch-nationalen Lager politisch über Wasser halten zu können. Der 57-jährige Jurist, Komponist und Pianist verkannte dabei, dass seine Mitbürger mit beiden Lagern nicht glücklich sind. Sie suchen nach Orientierung, und die hatte ihnen der Staatschef nicht zu bieten.
Die anderen Kandidaten haben auch nicht mehr im Köcher. Die Diplomatin Kolinda Grabar Kitarovic, die jetzt als Favoritin für die Stichwahl gelten muss, hält sich eher noch weiter zurück als Josipovic, wenn es um klare Aussagen geht. Ihr einziger Vorteil war ihre Parteianbindung. Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, wird das Land im kommenden Jahr wieder eine konservative Regierung bekommen.
Dass es auch schlimmer kommen kann, belegt das Abschneiden des drittplatzierten Ivan Sincic, der seine Wahlkampagne mit finsteren Verschwörungstheorien bestritt. Wenn ein missgelaunter Student im Alter von 24 Jahren 15 Prozent der Stimmen bekommt, dann muss die Verzweiflung schon sehr gross sein.
zentralredaktion@suedostschweiz.ch
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