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Die Frage nach der Rückkehr

Schwyz Wie viele Ex-Jugoslawen haben vor, in ihre Heimat zurückzukehren? Diese Frage stellten sich drei KV-Absolventen und gingen der Frage der Emigration nach.

Südostschweiz
27.12.14 - 01:00 Uhr
Zeitung

Sandrine Hedinger

In den 60er-Jahren kamen die ersten jugoslawischen Gastarbeiter in die Schweiz, die Hälfte davon gestandene Akademiker. «Die Integration in der ersten Fremdarbeitergeneration verlief problemlos», schreiben Nderim Ibrahimaj, Kristian Polic und Can Celebi in ihrer Arbeit der Kaufmännischen Berufsschule Schwyz. Bis Mitte der 80er-Jahre galten Ex-Jugoslawen als voll integrierte «Traumausländer», führen sie weiter aus. Nach dem Tod des ersten Ministerpräsidenten Jugoslawiens, Josip Broz Tito, verdreifachte sich die Anzahl der Ex-Jugoslawen in der Schweiz. «Die Statistik widerspiegelt klar die Eigenschaft der Einwanderungsgeneration der 80er-Jahre», so die drei. Die ökonomische Lage verschlechterte sich, und die Spannungen im Kosovo bewogen immer mehr Menschen – vor allem aus den ärmsten Landesteilen – dazu, im Ausland nach Arbeit zu suchen. «Nun kamen in erster Linie ungelernte Arbeitskräfte aus ländlichen Gebieten in die Schweiz und somit Menschen, die grössere Hürden betreffend Integration überwinden mussten.»

Mit Schweizern aufgewachsen

Heute leben mehr als 306 000 Menschen aus den Nachfolgestaaten Jugoslawiens in der Schweiz. «Die Mehrheit davon ist gut integriert», erklärt Kristian Polic. Auch seine Mutter und sein Vater kamen unabhängig voneinander in die Schweiz, um zu arbeiten. Er selbst ist in der Schweiz geboren und erzählt: «Ich spürte kaum Unterschiede zwischen mir und Schweizer Kindern.» Seine Eltern haben eine feste Arbeitsstelle, und an eine Rückkehr hätten sie alle in den letzten Jahren nicht viele Gedanken verloren. Etwas anders sieht es bei Nderim Ibrahimaj aus. Auch er ist in der Schweiz geboren, «und ich bin von Anfang an mit Schweizer Kindern aufgewachsen. Probleme mit der Integration hatte ich keine.» Doch er kann sich gut vorstellen, in ferner Zukunft sein Leben im Kosovo zu verbringen. «Die Leute dort leben viel friedlicher und stressfreier als Menschen in der Schweiz. Ich möchte mir dort etwas aufbauen.» Can Celebi stammt nicht aus diesem Gebiet, ist jedoch durch Freunde mit der Ortschaft verbunden. «Schweizer denken vorschnell, dass sich Ex-Jugoslawen teure Autos kaufen und jeden Sommer in die Ferien gehen.» Sie wüssten allerdings vielfach nicht, dass diese Personen selten oder fast nie in Restaurants essen oder nicht zu viel für Konsumgüter ausgeben. «Meine Meinung dazu ist, dass man nicht alle in einen Topf werfen soll. Generell: Einige verhalten sich sehr korrekt, andere eben nicht.»

28 Prozent denken an Rückkehr

Die Frage nach der Rückkehr wollten die drei vertiefen und haben dafür 32 Personen aus der Gemeinde Schwyz befragt. Davon geben 32 Prozent an, mit dem Ziel einer sicheren Zukunft in die Schweiz gekommen zu sein, 32 Prozent in Form eines Familiennachzugs, 20 Prozent wegen finanzieller Probleme und 16 Prozent wegen des Kriegs. 28 Prozent der Befragten möchten spätestens nach der Pension in ihre Heimat zurückkehren. Erstaunlich für die drei KV-Lehrlinge: Zu Beginn der Arbeit seien sie fest überzeugt gewesen, «dass 40 Prozent der ex-jugoslawischen Bevölkerung nach der Pensionierung in ihre Heimat zurückkehren möchte. Nun wissen wir, dass sich die Mehrheit hier wohlfühlt und keine Rückkehrpläne hegt.»

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