Die fast unendliche Münzenvielfalt
Schwyz Vor 1848 herrschte in der Eidgenossenschaft?eine fast unendliche Münzenvielfalt. Die Schwierigkeiten im Umgang mit so vielen Münzen lassen sich nur?erahnen.
Schwyz Vor 1848 herrschte in der Eidgenossenschaft?eine fast unendliche Münzenvielfalt. Die Schwierigkeiten im Umgang mit so vielen Münzen lassen sich nur?erahnen.
Erwin Horat
Der 1848 geschaffene Bundesstaat übernahm zahlreiche Aufgaben, die vorher kantonal geregelt waren. Dazu gehörte neben der Post und den Zöllen auch das Münzwesen. 1850 verabschiedeten National- und Ständerat das eidgenössische Münzgesetz. Darin wurde der Frankenfuss als Grundlage bestimmt. Er war einfacher zu handhaben als der süddeutsche Guldenfuss; zudem bot er einen leichteren Anschluss an die Weltwirtschaft.
In der Folge wurden in der Schweiz zwischen dem 1. August 1851 und dem 31. August 1852 die alten Münzen gegen neue umgetauscht. Eingeführt wurden damit Franken und Rappen. Die Vereinheitlichung bei den Banknoten dauerte länger. Die Nationalbank nahm ihre Tätigkeit erst 1907 auf.
Die Schwyzer Münzen
Im Spätmittelalter stand das Recht der Münzprägung dem König zu; er verlieh dieses Privileg an Fürsten und Städte. 1424 erhielt Schwyz von König Sigismund das Recht zugesprochen, das Währungswesen selber zu bestimmen. Daraus leitete Schwyz auch das Münzprivileg ab. Die Urkunde wurde anlässlich eines Reichstags in Ofen (Ungarn) ausgefertigt.
Die ersten Schwyzer Münzen wurden allerdings erst einige Jahrzehnte später geprägt. Zwischen 1503 und 1529 betrieb Schwyz mit Uri und Nidwalden eine gemeinsame Münzstätte in Bellinzona; zwischen 1548 und 1610 war sie in Altdorf domiziliert. 1621 prägte Schwyz erstmals Münzen in alleiniger Verantwortung; die Münzstätte befand sich in der Nähe der Pfarrkirche. Aus den auf den Münzen geprägten Jahrzahlen wird ersichtlich, dass Schwyz nicht in jedem Jahr Münzen geschlagen hat, sondern nur periodisch. Das blieb bis 1846 so; aus diesem Jahr datieren die letzten Schwyzer Münzen.
Eine breite Münzpalette
Die Schwyzer Münzmeister haben im Lauf der Jahrhunderte eine breite Palette von Münzen geprägt. Neben Gulden, Schilling und Angster finden sich auch Kreuzer, Dicken, Rössler, Oertli, Batzen und Rappen. Viele der Münznamen sind sprechend. So war der Dicken eine etwas dickere Münze als die Pfennige oder Kreuzer. Rössler hiessen Münzen verschiedenen Wertes mit Pferd und Reiter als Prägebild. Und beim Kreuzer ist das eine Prägebild ein Kreuz. In Schwyz wurden meistens Silber- und Scheidemünzen – Münzen mit geringem Wert wie Angster – hergestellt; Goldmünzen wurden sehr selten geprägt. Die Tabelle (siehe Abbildung) gibt einen guten Einblick in die in früheren Zeiten herrschende Münzenvielfalt. Dabei waren in Schwyz, wie in den andern eidgenössischen Ständen, nicht nur Schwyzer Münzen im Umlauf, sondern solche aus der ganzen Eidgenossenschaft und teilweise auch aus dem Ausland.
In der alten Eidgenossenschaft gab es zahlreiche Münzstreitigkeiten. Der Hauptvorwurf lautete in der Regel, dass schlechte Münzen geprägt worden seien, das heisst Münzen mit einem zu geringen Edelmetallgehalt. Oft wurden dann die Münzen «verrufen»; damit konnten sie nicht mehr ausserhalb des eigenen Territoriums gebraucht werden.
Der Geldwert der Münzen
Preis- und Lohnangaben vermitteln den besten Einblick in den Geldwert der verschiedenen Münzen. Entsprechende Angaben findet man beispielsweise in den Säckelmeisterrechnungen und in Turmkugeldokumenten.
In der Säckelmeisterrechnung des Jahres 1554 finden sich bei den Ausgaben die Botenentschädigungen. Diese waren abgestimmt auf die zurückzulegende Distanz. Der Bote nach Brunnen («ist gan Brunen glûfen mitt brieffen») erhielt 2 Schilling, der nach Muotathal 5 Schilling, der nach Glarus 7 Batzen und der nach Zürich 2 Pfund. Einer jungen Frau, die einen Brief von Brunnen nach Schwyz brachte, wurden ebenfalls 2 Schilling Entschädigung bezahlt. Der Stand Schwyz hat auch die Spielleute, die an der Kilbi aufspielten, entschädigt. Die Spielleute an der Schwyzer, Steiner und Muotathaler Kilbi erhielten 3 Kronen, die an der Arther und der Klosterkilbi 2 Kronen.
Preis- und Lohnangaben sind auch in Turmkugeldokumenten erhalten geblieben. Traditionellerweise werden nach dem Abschluss des Baus eines Kirchturms oder dessen Restaurierung in der Turmkugel Dokumente deponiert, die über die Lebensumstände Aufschluss geben. Wenn dann im Rahmen der nächsten Restaurierung die Turmkugel geöffnet wurde, staunte die Nachwelt über die aufgefundenen Dokumente. Spannend sind die Entwicklungen über mehrere Jahrhunderte. So kostete ein Saum Wein (zirka 180 l) 1550 6 Gulden, 1622 40, 1627 23/24, 1651 28, 1750 25 und 1773 45. Für einen Stein Anken (5 Pfund) musste man 1550 5 Schilling, 1773 hingegen 1 Gulden 26 Schilling bezahlen.
Problematische Umrechnung
Da taucht die Frage auf, wie viel Wert ein Gulden von beispielsweise 1667 umgerechnet auf die heutige Zeit hat. So einfach diese Frage ist, so schwer fällt die Antwort. Denn im Laufe der Jahrhunderte sind Münzen durch Geldentwertung und Münzverschlechterungen in ihrem Wert tendenziell gesunken. Zudem haben auch die Güter ihren Wert verändert. So war ein Pferd vor 300 Jahren als Arbeitshilfe und Transportmittel viel mehr wert als heute, wo es vorwiegend für Freizeitaktivitäten benutzt wird. Zielführender ist es, wie oben ausgeführt, Preis- und Lohnangaben zu einem bestimmten Zeitpunkt zu vergleichen.
1850/1851 war es nötig, den Wert der Münzen zu bestimmen. Denn mit der Einführung von Franken und Rappen musste der Wechselkurs der bisher verwendeten Geldsorten bestimmt werden, damit sie eingetauscht werden konnten. Ein Schwyzer 1-Guldenstück konnte für einen Franken und 69 Centimes (Rappen) oder ein ? Schwyzer Batzen für 28 Centimes eingetauscht werden. Für diesen genau definierten Zeitpunkt kann man sagen, wie viel ein Gulden oder ein Schilling wert war.
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