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Die Engadiner Berge aus der Sicht junger Fotografen

Auf Einladung des Hotels «Nira Alpina» in Surlej setzten sich fünf international tätige Fotokünstler mit dem Oberengadin auseinander. Das Ergebnis ihrer Eindrücke wird zurzeit im St. Moritzer Château Papillon des Arts präsentiert.

Südostschweiz
23.11.13 - 01:00 Uhr

Von Marina U. Fuchs

St. Moritz. – Seit jeher hat das Engadin Künstler inspiriert, die das besondere Licht, die Stimmung, die Natur in Texten, Bildern und Fotografien festgehalten haben. In dieser Tradition rief das Hotel «Nira Alpina» in Surlej das Projekt «Eye Of The Valley» ins Leben. Ziel des Artists-in-Residence-Projekts ist es, junge Künstler ins Tal zu holen, die das Oberengadin fern jeder Postkartenidylle dokumentieren.

Nach einer Ausstellung in Basel machen die Fotoarbeiten von Gian Paul Lozza, Christian Ammann, Scanderbeg & Sauer und Comenius Roethlisberger für vier Tage im St. Moritzer Château Papillon des Arts Station, bevor sie in der Wintersaison im Hotel «Nira Alpina» und dann noch in London gezeigt werden. Die Fotografen verbrachten jeweils eine Woche im Oberengadin.

Spontane Impressionen im Fokus

Der 1976 in Chur geborene und in London lebende Lozza ist Teil des Online-Portals Fotoszene GR des Bündner Kunstmuseums und arbeitet weltweit. Seine Bilder sind in thematischen Reihen inszeniert. Für «The Eye of the Valley» komponierte er Arbeiten, in denen die Stimmung im Vordergrund steht. In St. Moritz ist das fotografisch aufwendige grossformatige Werk «Morteratsch» zu sehen. «Mein Ziel war es, den ruhigen Teil des Tales, die Landschaft einzufangen», wird Lozza von den Ausstellern zitiert.

Roethlisberger wurde mit einer Fotoserie über Wände, die sich im Umfeld bekannter Persönlichkeiten finden, bekannt. So zeigte er Björks Schlafzimmer, das Aufnahmestudio der Rockband Metallica und das Atelier von Roman Signer. In St. Moritz überzeugt er mit einer Installation. Diese umfasst einen Arbeitstisch mit Lampe, Wasserkaraffe, Kaffeetasse und wie zufällig hingeworfenen Schwarz-Weiss-Abzügen seiner Impressionen des Engadins, von denen noch viele mehr in einer herausgezogenen Schublade liegen. Roethlisberger hielt seine Eindrücke mit dem Mobiltelefon fest. Die Arbeit wirkt, als habe sich der Künstler nur kurz zurückgezogen und sei ansonsten gerade dabei zu ordnen, auszuwählen.

Alexander Sauer und Andreana Scanderbeg leben in Zürich und arbeiten in der Corporate-, People- und Industriefotografie. Sie setzten sich eindrucksvoll mit dem Tschierva-Gletscher auseinander, wobei für sie der Reiz war, «eine neue Position in der alpinen Fotografie zu suchen und zu entdecken».

Eine mystische Geschichte

Ammann, Schweizer mit irischen Wurzeln, ist auf der ganzen Welt zu Hause und arbeitet als Mode- und Beautyfotograf. «Ich inszeniere gerne», erklärte er bei der Vernissage, «und will die Landschaft als Bühne.» Seine Arbeiten wirken sehr organisch, fügen sich in die ruhige Umgebung ein. Mit der Zürcher Schauspielerin Anja Schärer als Protagonistin hat er eine mystische Bildgeschichte geschaffen. Die junge Frau trägt ein Kleid, das aus einem Fallschirm geschneidert wurde und Leichtigkeit symbolisieren soll. «Es erinnert für mich ein wenig an die Struktur von Schnee», meinte Ammann, der seine Shootings akribisch plant. Auf vielen Aufnahmen verschmilzt die Frau fast mit der Landschaft, wirkt wie eine Feengestalt im Schneetreiben und führt so zu einem reizvollen Wechselspiel.

Die Fotos, auf denen sich vieles erst auf den zweiten Blick entdecken lässt, sind in zwei verschiedenen Formaten in Kleinauflage erhältlich. Besonders eindrücklich ist eine Szene, die eine scheinbar aus sich selbst heraus leuchtende Frauengestalt bei Sonnenuntergang vor der Seenlandschaft zeigt und das letzte Leuchten der Sonne über dem Bergell in der Komposition aufnimmt.

«Eye of the Valley»: Bis Sonntag, 24. November, im Château Papillon des Arts, St. Moritz.

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