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Die Benzinpreise

Kanton Der starke Franken stellt Exporteure vor schwere Aufgaben. Im Detailhandel hingegen wurden die Preise gesenkt – was teils zu einem florierenden Absatz führt.

Südostschweiz
28.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Schweizsee. Der Kostenanteil für Einkauf und Transport von Benzin in die Schweiz beträgt rund 38 Prozent des Tankstellenpreises. Diese Kosten werden durch den Spotmarktpreis, den Wechselkurs zwischen Schweizer Franken und US-Dollar und die Rheinfrachtkosten bestimmt – tiefe Pegelstände erhöhen beispielsweise die Frachtpreise. Knapp die Hälfte der Kosten werden durch staatliche Abgaben verursacht. Insgesamt machen die aus dem Verkauf von Benzin und Diesel resultierenden Steuereinnahmen rund 6 Mrd. Franken oder 10 Prozent der Fiskaleinnahmen des Bundes aus.

Andreas Seeholzer

Die Konsumentenpreise sind vielerorts am Purzeln. Ob Wein, Eisenwaren, Autos oder Gemüse – seit der Schweizer Franken von der Nationalbank nicht mehr gestützt wird, bröckelt die Hochpreisinsel Schweiz. Zwar sind nicht alle Güter gleich stark von Preisreduktionen betroffen, dennoch stehen die Zeichen günstig.

Wein und Stahl mit Verzögerung

Wie Jakob Schuler von der St. JakobsKellerei Schuler & Cie. AG in Seewen sagt, «kommen die Preisanpassungen bei uns mit einer gewissen Verzögerung». Der Weinhändler kauft den grössten Teil seiner Ware «sehr weit voraus ein», teils drei Jahre im Voraus. Damit ist es auch nicht möglich, sofort auf Devisenkurse zu reagieren. Dennoch bietet auch Schuler bereits zwei Weine zu neuen Preisen an, «die haben wir noch nicht bezahlt, sie sind auf dem Weg in die Schweiz».

Laut Christoph Weber von der Arthur Weber AG sind in seiner Firma «sämtliche Produkte betroffen – 100 000 Artikel. Wir haben in der Beschaffung noch wenig Vorteile erzielt, erste Preisnachlässe werden aber demnächst erfolgen.» Der Umschlag des Lagers der Firma Arthur Weber AG dauert zwei bis drei Monate. Auch die Stahlpreise sinken, sagt Weber, «aber nicht unmittelbar. Wir beziehen den Stahl grösstenteils in Schweizer Franken aus der Schweiz. Es braucht somit seine Zeit, um auch beim Stahl die Preise senken zu können.»

Preise 18 Prozent gesenkt

Thomas Küttel, VRP und Geschäftsführer der Autocenter Benno Müller AG, sagt, dass Mercedes-Benz für alle Neufahrzeuge, deren Verträge nach dem 14. Januar unterschrieben wurden, einen Preisnachlass von 18 Prozent gewährt. «Vom Preisnachlass betroffen sind auch alle neuen Lagerfahrzeuge, die wir noch zum alten Preis eingekauft haben.» Bei diesen Fahrzeugen stützt Mercedes-Benz die Verluste. Mit den Occasionen und Vorführwagen eingerechnet, muss die Autocenter Benno Müller AG dennoch «einen Nettoverlust von rund 250 000 Franken verkraften», sagt Küttel. Im Gegenzug dafür läuft dank der tiefen Preise der Neuwagenhandel zurzeit «sehr erfreulich». Dass es auch einmal zu Verlusten kommen kann, ist für Küttel als Unternehmer leider immer möglich. «Darum ist es jetzt umso wichtiger, dass der Inlandkonsum nicht abbricht.»

Senkungen bei Migros und Coop

Die Migros und die Coop geben die Vorteile, die sich aufgrund des starken Frankens ergeben, an ihre Kunden weiter. So werden alle Früchte und Gemüse aus dem Euroraum zwischen 10 und 30 Prozent günstiger. Auch bei gewissen Food- und Nonfood-Artikeln führen die besseren Einkaufskonditionen bereits zu tieferen Preisen. Bei Coop sind so insgesamt über 1000 Artikel betroffen. So werden beispielsweise Poulets, Milchprodukte, Fische, Backwaren und Blumen günstiger. Migros und Coop haben alle ihre Lieferanten aufgefordert, die Euro-Vorteile rasch weiterzugeben.

Benzin ist günstig

Vor Jahresende war der Dollar noch hoch, so hat sich die Überversorgung beim Benzin noch nicht so stark auf die Preise ausgewirkt. Mit dem Kursrutsch sind die Preise schliesslich aber deutlich gesunken. So ist der Benzinpreis von 1,80 Franken im letzten Sommer auf nun 1,30 Franken gefallen. Gut möglich, dass er noch weiter fällt.

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