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Diamantene Auszeichnung für Glarner

Für Fridolin Walcher ist ein Kindheitstraum nun Realität geworden: Er ist erfolgreicher DJ, Produzent und Musiker.

Südostschweiz
Samstag, 07. September 2013, 02:00 Uhr

Von Assunta Chiarella

Glarus.– Etwas schüchtern und mit leiser Stimme gewährt Fridolin Walcher der «Südostschweiz» Einlass in sein Produktionsstudio in Glarus. Es ist klein, aber originell.

Mitten drin steht das Schlagzeug eines Kollegen, der dort immer wieder probt. Neben dem Schlagzeug reihen sich zahlreiche Schallplatten im Regal von Walcher, der diese für seine DJ-Auftritte verwendet: «Ich lege meine Platten vorwiegend im Club ‘Holästei’ in Glarus sowie in Zürich im ‘Plaza Klub’ auf.»

Seit drei Jahren nur noch Musik

Der 29-jährige DJ und Produzent ist in Matt geboren und zuerst im Sernftal und dann in Nidfurn aufgewachsen. Nach der Matura tat Fridolin Walcher, was viele Maturanden tun. Jedoch nicht aus Überzeugung. «Ich fing aus Pflichtgefühl an, Geografie zu studieren, weil das Geld für das Musikstudium nicht reichte. Doch nach wenigen Semestern brach ich das Studium ab», erzählt der Musiker.

Danach widmete er sich nur noch der Musik, und dies seit drei Jahren. Künstler würden in der Schweiz zu wenig finanziell unterstützt, bemängelt der Produzent. Die entscheidende Wende traf ein, als Fridolin Walcher 2011 durch die Zusammenarbeit mit dem Rapper Bandit den Produzenten Shuko kennenlernte. Dieser öffnete ihm neue Türen.

Walcher arbeitet als DJ wie auch als Produzent. Auch als Letzteres sei er nur für die Musik verantwortlich: «Die Idee zu einem Song entsteht in meinem Kopf. Inspiriert dazu werde ich durch Sounds oder Melodien, die ich im Alltag höre.»

«80 000 CDs in einer Woche»

In seinem Studio kombiniere er dann das Keyboard mit dem Synthesizer und dem Computer zu einem Ganzen, indem er einen neuen Rhythmus kreiere: «Ich suche Akkorde, die zusammenpassen, und versuche diese mit anderen Instrumenten zu verbinden. Die Herausforderung ist, dass ich einen eigenständigen Sound produziere, der sich von den üblichen abhebt.»

Und das ist dem jungen DJ und Produzenten mit seinem Sound und Groove auch gelungen. Denn er wurde inzwischen mit Gold- und Diamant-Platten ausgezeichnet: «Die Goldene Schallplatte erhielt ich in Deutschland für die Mitarbeit am Album ‘Jung, brutal, gutaussehend 2’ der Band Farid Bang & Kollegah. Für das Album produzierte ich die Songs ‘Drive By’ und ‘Friss oder Stirb’.» Mit 80 000 verkauften CDs innerhalb einer Woche haben wir den Rekord erreicht.»

Diamantene Schallplatte

Kurz darauf, im Dezember 2012, folgte die Diamantauszeichnung für die Band Sexion d’Aussaut für den Song «Laisse moi vivre» des Albums «L’Apogee», dessen Musik ebenfalls von Walcher produziert wurde. «Für mich ist das auch ein Zeichen, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde.» Besonders stolz sei er auf die Diamantene Schallplatte, so Walcher.

Hände anstelle der Fäuste bieten

Für Textaussagen wie «Friss oder stirb», «ich schlag dir deine grosse Schnauze ein», ist der junge Produzent nicht verantwortlich, da er lediglich die Musik dazu liefert. Trotzdem mache er sich auch Gedanken über die Botschaften, die mit seiner Musik verbreitet werden. Denn schliesslich lege er grossen Wert darauf, dass sich die Jugend die Hände anstelle der Fäuste reiche. «Die Texte dürfen nicht ernst genommen werden, da sie lediglich als Entertainment dienen, ähnlich wie Action Filme», präzisiert Walcher und fügt an: «Ich mag lieber Songtexte, die konstruktiv sind und die Jugend in ihren Bedürfnissen wahrnehmen, ohne Wertung und Moralfinger. So, wie die beiden Rapper Bandit und Shpoiz alias ‘Luut&Tüütli’ das tun.»

Derzeit produziert er die Musik für den Song «Für immer» von Bandit und Shpoiz: «Ich bin nicht nur hier in Glarus tätig, sondern auch viel unterwegs. Unter anderem im Studio in Mainz.» Die Musikszene in Deutschland sei um einiges vielfältiger, was auch mit der Grösse des Landes zusammenhänge, beobachtet der DJ.

«Bob Marley hat mich inspiriert»

Zu seinen aktuellen Favoriten zählen Jay-Z und Major Lazer, wie Poster an den Wänden bezeugen. Unter ihnen reiht sich auch ein altbekanntes Gesicht ein, das zu den Ikonen des Reggae zählt: Bob Marley. «Ich bin damals als Teenager durch meinen Vater auf ihn gestossen. Ich mag seine Musik wie auch seine Lebensphilosophie, da sie die Freiheit des Menschen ins Zentrum stellt», sagt Walcher.

Sein Vater, ein bekannter Glarner Fotograf, habe ihn – wie seine Mutter auch – in seinem Vorhaben, Musiker und Produzent zu werden, unterstützt: «Mein Vater hat immer an mich geglaubt, was mich in meinen Entscheidungen bestärkt hat», betont der Glarner DJ und Produzent.

Und: «Auch privat kann ich mich mit meiner Freundin Sehee glücklich schätzen, die für meine beruflich bedingten Abwesenheiten grosses Verständnis aufbringt. Passend zu ihrem Namen, der ‘leuchtender Stern’ bedeutet, erhellt sie mir meinen Weg.»

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