Der Zorn der Bestsellerautorin
Mit ihrem Debüt «Das Blütenstaubzimmer» über Erlebnisse als Scheidungskind erlangte sie Berühmtheit. Nun bläst Zoë Jenny zum ausserliterarischen Kampf gegen Sozialbehörden.
Mit ihrem Debüt «Das Blütenstaubzimmer» über Erlebnisse als Scheidungskind erlangte sie Berühmtheit. Nun bläst Zoë Jenny zum ausserliterarischen Kampf gegen Sozialbehörden.
Von Daniel Fuchs
Bern. – Wer mit Zoë Jenny über den Kindsdoppelmord von Flaach spricht, hört ihr den Zorn und die Trauer an. Für die Basler Schriftstellerin («Das Blütenstaubzimmer») und 40-jährige Mutter eines Mädchens ist klar, wer die Schuld an der Tragödie vom Neujahrstag trägt: die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb). «Hätte man diese Mutter mit ihren Kindern in Ruhe gelassen, sie würden jetzt noch leben», sagte sie zur «Schweiz am Sonntag». Die Machenschaften der Kesb hätten die Mutter so weit ins Elend stürzen lassen, dass diese keinen anderen Ausweg mehr sah, als den Leben ihrer Kinder und sich selber ein Ende zu setzen, ist Jenny überzeugt. Denn: «Kinder nimmt man nicht einfach so einer Mutter weg. Sie sind etwas Existenzielles», sagt sie zur «Südostschweiz».
Der Streit um die eigene Tochter
Jennys Kampf gegen die Kesb währt schon länger und hat nun einen Höhepunkt erreicht. In zwei Artikeln, die sie zuerst unter Pseudonym verfasste, teilte sie ihre Erlebnisse diesen Herbst mit den Lesern der «Weltwoche». Ihre Botschaft: Mit der Professionalisierung der Vormundschaftsbehörden vor zwei Jahren wurde längst nicht alles besser. Im Gegenteil: Jenny selber fühlt sich als Opfer der Kesb, wurde sie doch zu einem Gespräch aufgeboten. Für ihr Empfinden glich dieses jedoch mehr einem Kreuzverhör, bei dem ihr die Sozialarbeiter kaugummikauend die Tochter für Wochenendbesuche streitig machte – auf Initiative ihres Ex-Mannes hin. Ihr Eindruck: Die Behörde kümmerte sich um ein Luxusproblem, eingefädelt von einem Vater, der in der Südsee das Leben genoss, während sie das «reale soziale Elend» aus Bequemlichkeit ruhen liess.
An vergangene literarische Erfolge konnte Zoë Jenny bislang nicht anknüpfen. Aus der Schriftstellerin wurde eine engagierte Verfechterin des Kindswohls. «Die Kesb hat viel zu viel Spielraum, sich ins Leben der Menschen einzumischen», sagt sie. «Das gibt es sonst nur in totalitären Staaten. Das ist eine Schande für die Schweiz.»
In Flaach durften die Kinder über Weihnachten zu ihrer Mutter nach Hause. Für Zoë Jenny der Gipfel der Ignoranz: «Wären die Kinder wirklich gefährdet gewesen, so hätten sie über die Festtage nicht zu ihrer Mutter zurückgehen dürfen», sagt sie. Für Jenny ist klar: Erst das Eingreifen der Kesb hat überhaupt zur Tragödie geführt.
«Befürchte weitere Tragödien»
Befindet sich Zoë Jenny auf einem Kreuzzug gegen die Kesb? Eine angekündigte Volksinitiative liegt auf Eis. Die Politiker sollen handeln. Laut eigenen Angaben hat Jenny über ihre eigens für den Kampf gegen die Kesb eingerichtete Website 800 Zuschriften Betroffener erhalten. Alle fühlten sie sich von der Kesb schikaniert und verfolgt. «Was in Flaach geschehen ist, hat mich nicht erstaunt. Bei all den Zuschriften befürchte ich weitere Tragödien», sagt sie.
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