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Der Wolf verhält sich auf der Glarner Alp Usser Wiggis ruhig

Der Wolf, der auf der Alp Usser Wiggis vermutlich sieben Schafe getötet hat, ist in Deckung gegangen. Seit den Rissen vom Wochenende hat das Raubtier keinen Schaden mehr angerichtet.

Südostschweiz
07.06.14 - 02:00 Uhr

Von Martin Meier

Netstal. – Älpler Robert Seliner hat seit Montag auf seiner Alp Usser Wiggis kein gerissenes Schaf mehr entdeckt. «Trotzdem ist die Herde noch extrem unruhig», sagt Seliner.

Noch immer steht jedoch nicht 100-prozentig fest, ob es sich beim Tier überhaupt um einen Wolf gehandelt hat. «Die genetischen Analysen sind noch ausstehend», sagt Jagdverwalter Christoph Jäggi. «Aufgrund der Rissbilder müssen wir allerdings davon ausgehen.»

Wo steckt das Raubtier jetzt? «Möglich, dass es weitergezogen ist», sagt Jäggi. «Möglich aber auch, dass es noch im Gebiet ist. Wölfe können Schafe reissen und dann ein paar Tage eine Pause einlegen.» Es sei auch möglich, dass sich das Raub- auf Wildtiere umgestellt habe.

Eine erste Auswertung der aufgestellten Fotofallen ergab keinen Hinweis auf einen Wolf – aber auf die Anwesenheit anderer Tiere. «Auf den Bildern sind Steinböcke, Gemsen und Hirsche zu sehen», sagt Jäggi.

War es ein Calanda-Wolf?

Woher der Wolf stammt, ist unklar. Der Bündner Jagdinspektor Georg Brosi hält es durchaus für möglich, dass ein Calanda-Wolf aus dem ersten Schweizer Rudel die Schafe auf der Glarner Alp gerissen hat. Jungwölfe werden von den Eltern nicht mehr gefüttert und müssen im Alter von einem oder zwei Jahren selber schauen, dass sie etwas in den Magen bekommen. Und Wölfe legen bisweilen grosse Distanzen zurück.

Calanda-Wölfe wurden bereits in den Kantonen Wallis und Jura nachgewiesen sowie im Süden an der Landesgrenze zu Italien. Nach Schätzungen Brosis besteht das Rudel derzeit aus maximal zehn Tieren.

Eine Wolfssichtung hat am Dienstag auch die St. Galler Staatskanzlei gemeldet. Danach hat ein Landwirt auf einer Alp im Weisstannental – keine 30 Kilometer Luftlinie von der Glarner Alp entfernt – einen Wolf beobachtet und dessen Spuren im Schnee fotografiert.

Reisst ein Wolf ein Schaf, geht der Besitzer nicht leer aus. Die ausbezahlte Entschädigung pro Schaf beträgt das Eineinhalb- bis Dreifache des Marktpreises. 80 Prozent zahlt der Bund, 20 Prozent der Kanton.

Bis zu 1600 Franken für Jungtier

Für die Entschädigungen ziehen Bund und Kantone die «Einschätztabelle für Zuchtschafe» heran.

Ein über fünfjähriges Schaf schlägt dort mit 200 bis 1200 Franken, ein jüngeres Tier sogar mit bis zu 1600 Franken zu Buche. Auf der anderen Seite bringt ein Schaf bei rund 20 Kilo verwertbarem Fleisch beim Metzger keine 100 Franken.

Jeden Sommer sterben auf der Alp aber wesentlich mehr Schafe an natürlichen Todesursachen wie Krankheiten, Unfällen oder Blitzschlägen als durch den Riss von Grossraubtieren.

Jährlich über 4000 tote Schafe

Die Auswertung von 277 Schafalpen im Alpsommer 2011 hat ergeben, dass rund 2 Prozent der gesömmerten Schafe abgingen. Hochgerechnet auf die total 209 000 gesömmerten Schafe kann auf den Schweizer Alpen von jährlich rund 4200 Abgängen ausgegangen werden.

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