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Der Wetterfrosch und die Ameisen

Mit viel Humor, Charme und Ameisenwissen überzeugt Martin Horat, der bekannteste Muotathaler Wetterschmöcker. Die Gäste am Neujahrsapéro in Niederurnen sind begeistert.

Südostschweiz
05.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Von Martin Meier

Niederurnen. – Die Szene hat Kultstatus: Martin Horat sitzt auf einem «Hampeissihuufe» und liest daraus das Wetter. «Waldameisi» seien dies, im Volksmund «Waldhändschä» genannt, erklärt er. Und die seien sehr gesund. Wenn man Atembeschwerden habe, müsse man nur daran «schmöcken». Die «Waldhändschä» hätten es gerne, wenn man sie streichle. «Sie sind sehr anhängliche «Tierli». Wenn sie nicht aggressiv seien, werde das Wetter schön, weiss Horat.

«Zur Belohnung gibt es zehn Franken»

Das Küchenstudio Schlittler in Niederurnen, indem sich zum Neujahrsapéro über hundert Wetterfans eingefunden haben, betritt das knorrige Schwyzer Unikat schon fast wie ein Star. Horat gilt als erfolgreichster Moutathaler Wetterprophet. Sechs von ihnen gibt es. In seiner 27-jährigen Karriere wird Horat über zehnmal Wetterkönig. «Zur Belohnung bekommt man jeweils zehn Franken», sagt Horat. Das sei nicht übertrieben viel, aber man müsse es dafür auch nicht versteuern. Horat gibt zu, dass er als Wetterschmöcker auch schon «danäbäghauä» hat. «Auf Ameisen ist halt auch nicht immer Verlass.» Nur er würde auf die winzigen Tierchen schauen. Ein anderer Kollege schaue beispielsweise auf «Hüslischnecken». «Der ist nicht so gut zu Fuss. Den Schnecken kann er aber noch nachlaufen», sagt der Wetterschmöcker.

Martin Horat ist ein hemdsärmliger Typ, eigenwillig und heimatverbunden. Mit Schalk in den Augen und treffenden Sprüchen auf Lager. Er wohnt im schwyzerischen Rothenthurm, ist Sensenhändler und Zahnarzt für die Kühe. «Wenn jemand spitze Zähne hat», sagt er zum Publikum, «kann ich sie schon herausraspeln.» Das komme billiger, als beim Zahnarzt in Ungarn.

Ob der «Schmöcker» auch ein herkömmliches Thermometer besitze, fragt ein Zuschauer. Horat lacht. «Ab und zu schaue ich drauf. Heute nicht. Heute weiss ich, dass es warm ist.» Und ein weiterer Witz folgt: Geboren sei er 1844, um nachzuschieben, dass dies nicht stimmen könne, dass er sich wohl um 100 Jahre verrechnet habe.

Horat erzählt neben seinen Humoreinlagen auch über die Anfänge der weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Wetterfrösche.

1947 sei der Verein gegründet worden. 60 Rappen schlug man als Jahresbeitrag vor, was aber einige der 89 Gründungsmitglieder als zu viel angesehen hätten. «Also einigte man sich darauf», so Horat, «dass die Frauen nur 30 Rappen bezahlen mussten.» Heute zähle der Verein 4300 Mitglieder. «Der Jahresbetrag beträgt 10 Franken.» Willkommen im Verein seien alle, auch diejenigen hinter Gittern. «Sie müssen einfach den Mitgliederbeitrag bezahlen können», sagt er grinsend.

«Kachelmann aus Verein ausgeschlossen»

In der 68-jährigen Vereinsgeschichte sei nur einmal ein Mitglied ausgeschlossen worden. «Jörg Kachelmann, will er ä dummi Schnurrä gha hät», sagt Horat. Dieser Ausschluss sei Kachelmann peinlich gewesen.

«Anfang Januar läuft der Wintersport gut», prophezeite Horat schon im Oktober. Dann gebe es eine Regenphase. «Nachher wird es so kalt, dass es fast nicht möglich ist, ohne Handschuhe im freien Wasser zu lösen.» Weiter prophezeit Horat für Februar grimmige Kälte und nicht übermässig viel Schnee. «Dieser kommt dann um den 10. Februar.» Der Aschermittwoch sei zum Ausschlafen, da die Sonne zu stark blende, weiss Horat. «Und der Winter wird uns noch bis Ende März erhalten bleiben.» Mal sehen, ob er recht behält.

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