Der Weisse Block
Am Stammtisch. Peter zieht den dicken Mantel aus und setzt sich. «Das hat ja prächtig geschneit letzte Woche.» Koni lacht. «Jetzt hatten die in Zürich an Silvester auch mal Schnee auf der Mütze – und nicht nur in der Nase.
Am Stammtisch. Peter zieht den dicken Mantel aus und setzt sich. «Das hat ja prächtig geschneit letzte Woche.» Koni lacht. «Jetzt hatten die in Zürich an Silvester auch mal Schnee auf der Mütze – und nicht nur in der Nase.
Von marc schwitter
» Peter: «Stell dir vor, in Dietikon konnten sie sogar Skifahren. Das ist immerhin der tiefst gelegene Skilift der Schweiz.» Koni: «Das nennt man wohl Unglück im Glück. Da schreien die Berggebiete wochenlang nach Schnee, und als endlich welcher kommt, können die Unterländer zu Hause Skifahren.» Peter: «Ich mag das den Zürchern gönnen. Nun können sie ihre grosskalibrigen Porsches für einen Moment in der Garage lassen und ihre Weihnachtsgeschenke mit Schlitten und Skiern umtauschen.»
Koni nimmt noch einen Schluck von seinem heissen Punsch. «Wie macht das eigentlich der Schwarze Block? Bei dieser Witterung sind die Chaoten ja gar nicht mehr anonym. Nennen die sich nun Weisser Block?» Peter winkt ab. «Bei diesem Wetter bleiben die eh in ihren besetzten Häusern. Für Graffiti ist es zu kalt und mit Schneebällen werfen sie nicht halb so gerne wie mit Pflastersteinen.» Koni: «Tut denen auch gut, so eine kleine Pause vor dem WEF. Sonst überarbeiten die sich noch.» Peter: «Stell dir diese Ironie des Schicksals vor: im Kampf gegen den Grosskapitalismus an Überarbeitung gestorben.» Koni nickt. «In einem gefährlichen Job ohne feste Arbeitszeiten, ohne Sozialversicherung, ohne Verträge – ohne nichts!» Peter bestellt einen Kaffee. «Ich bin froh, hat es so viel Schnee. Er kühlt die Hitzköpfe und hilft beim Entschleunigen. Nehmen wir dieses angenehme Tempo mit ins neue Jahr!» Koni hebt die Punschtasse: «Auf ein gemütliches 2015!»
Marc Schwitter arbeitet unter anderem als Pointenschreiber für Giacobbo/Müller. www.textpingpong.ch.
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