Der Unterschied von Bauch und Weisheit
Als Hausarzt ist man tagtäglich mit vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt. Viele davon sind langjährige Patienten und man kennt sich. Als Arzt kennt man die Gewohnheiten und teilweise auch die charakterlichen Eigenschaften seines Gegenübers.
Als Hausarzt ist man tagtäglich mit vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt. Viele davon sind langjährige Patienten und man kennt sich. Als Arzt kennt man die Gewohnheiten und teilweise auch die charakterlichen Eigenschaften seines Gegenübers.
Oftmals ist es auch so, dass man die Schwächen seiner Patienten kennt, und weiss welchen – manchmal auch unkomfortablen Weg – man bei der Therapie einschlagen kann und welche Ansätze der Patient kaum durchhalten wird. Da ist das Gespür und Feingefühl von mir als Allgemeinmediziner besonders gefordert. Um dies noch ein wenig deutlicher zu machen, möchte ich ein Beispiel aus meinem Alltag erzählen.
Kommt ein 50-jähriger Mann zu mir in die Praxis und wünscht eine Check up-Untersuchung. Schliesslich bringe man das Auto auch regelmässig in den Service. Den Anfang macht stets ein Gespräch, indem ich nach Beschwerden, Gewohnheiten, Allergien, bisherigen Krankheiten, Unfällen und Operationen und Medikamenten frage.
Dabei fällt mir schon auf den ersten Blick auf, dass der Mann mindestens 40 Kilo zu schwer ist. Er erzählt, dass er täglich ein Päckchen Zigaretten raucht. Natürlich weiss er, dass Teer auf die Strasse gehört, nicht in die Lunge. Aber so sei es halt mit den Gewohnheiten, versucht er zu relativieren. Ein Laster hat schliesslich jeder. Alkohol würde er wenig trinken, das heisst höchstens zwei bis drei Bierchen am Feierabend, wenn er sich von den Strapazen des Tages noch etwas erholen, müsse dazu nehme er auch immer etwas aus dem Kühlschrank, ein bisschen Wurst, Käse und Brot. Nein, essen würde er sehr wenig. Davon könne sein Übergewicht sicher nicht herrühren. Bewegung habe er auch genug, schliesslich nehme er im Büro nie den Lift, sondern steige die eine Treppe zu Fuss hoch. Nach dem Gespräch mache ich ein paar Untersuchungen. Der Blutdruck ist zu hoch. Ein Laboruntersuch zeigt grenzwertige Blutzuckerwerte, leicht erhöhte Leberwerte und deutlich erhöhte Fettwerte.
Jetzt bin ich als Arzt gefragt. Wie kann ich den Patienten motivieren abzunehmen, den Alkoholkonsum zu reduzieren und auf das Nikotin zu verzichten? Gleichzeitig sollte er sich auch noch ein bisschen mehr bewegen. Soll ich ihm ein Blutdruckmittel verschreiben oder einen Cholesterinsenker? Natürlich wird er nicht alles ändern können. Kann ich überhaupt etwas ändern an seinem Lebensstil? Genügt es, wenn ich ihn über die Gesundheitsrisiken informiere? Braucht es nicht mehr als das Wissen von Fakten? Letzten Endes bin ich mir sicher: Ich kann ihn nur auf den Weg führen. Denn im Allgemeinen ist im Leben eine Weisheit gefragt: Das in die Tat umzusetzen, was man verstanden hat.
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