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Der spröde Charme einer Berghalle

Die Architektur soll bei der von Reto Gurtner angekündigten «kulturellen Intervention am Berg» eine wichtige Rolle spielen. Diese Aussicht lockt sogar die ETH Zürich auf den Laaxer Crap Sogn Gion.

Südostschweiz
20.02.14 - 01:00 Uhr

norbert waser

Vor 45 Jahren lockte der Bau des Panoramarestaurants Architekturinteressierte aus aller Welt auf den Crap Sogn Gion. Der Flimser Architekt Rudolf Hitz verwendete dabei sogar Teile der Schwebebahn «Télécanapé» der Landesausstellung 1964 in Lausanne. Bergbahnpionier Walter Gurtner, Vater des heutigen CEO Reto Gurtner, hatte damit eine kreative und kostensenkende Weiterverwendung von Teilen der Expo-Bahn gefunden. Solche Episoden entlockten den Architektur-Masterstudenten der ETH Zürich gestern ein Schmunzeln. Ebenso die blumige Schilderung des Abstiegs vom 4-Stern-Hotel zum «Hostel» mit Mehrbettzimmer. «Es ist aber weiter eine Cash-Maschine», betonte Reto Gurtner – ganz der Ökonom. Mit diesem «Downgrade» soll nun aber Schluss sein. Für einen Hotelneubau schielt Reto Gurnter auch nach Japan – auch hier nicht bloss der Architektur wegen. «Japaner kosten die Hälfte», sagte Reto Gurtner gestern vor versammelter ETH-Architekturprominenz unverblümt. «Auch da bin ich Ökonom.»

Umgang mit Realitäten

Auf dem Crap Sogn Gion gibt es aber nicht nur ökonomische Realitäten, sondern auch Tausende Tonnen Beton. Die teilweise Um- und Weiternutzung dieser Gebäudeteile, kombiniert mit einer neuen «Berghalle», gehören zur Aufgabenstellung des Frühjahrssemesters der Architekturstudenten der ETH Zürich. «Touristiker brechen nach 30 Jahren alles wieder ab, da müssen wir etwas dagegen unternehmen», sagte Gion A. Caminada an die Studenten gerichtet. Der vor allem für seine Holzbauten bekannte Bündner Architekt aus Vrin, sieht dieses «Weiterbauen» auf dem Crap Sogn Gion aber in einem grösseren Zusammenhang. So begleiteten ihn auch Soziologie-Professor Christian Schmid, Philipp Ursprung, Professor für Architektur- und Kunstgeschichte, und Professor Sacha Menz, Professor für Architektur und Bauprozesse sowie die Dozenten für Bautechnologie und Konstruktion, Daniel Mettler und Daniel Steiner, auf den Berg.

Das Zusammenfügen von Teilen

Der Blick vom Crap Sogn Gion auf das Weltnaturerbe Tektonikarena Sardona blieb den Studenten gestern im Schneetreiben verwehrt. Ihre Professoren schienen durch die «alpine, urbane Kulturlandschaft» dennoch inspiriert. Soziologe Christian Schmid forderte die Studenten auf, «breit zu denken», aber immer auch den praktischen Nutzen vor Augen zu halten. Sacha Menz spannten den Bogen vom Begriff der Tektonik, der für den Aufbau und das Zusammenfügen von Einzelteilen zu einem Ganzen steht, zur Aufgabenstellung. Ob aus den Entwürfen ein Objekt mit der Beständigkeit eines Klosters oder eine Lösung mit temporären Elementen entsteht, werden die Diplomarbeiten zeigen.

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