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Der Prinz, der Disentis wachküssen will

Seit Anfang Monat ist er der neue Hauptaktionär der Bergbahnen Disentis: der in Singapur ansässige Schweizer «Multiunternehmer» Marcus Weber. Er möchte Disentis «aus dem Dornröschenschlaf wecken».

Südostschweiz
05.07.14 - 02:00 Uhr

Von Jano Felice Pajarola

Disentis. – Zu seiner Person möchte er «nicht viel sagen». Auf die Frage nach einer Porträtaufnahme von ihm meint er: «Nehmen Sie ein schönes Foto von den Bergbahnen.» Bleibt man hartnäckig, antwortet er, es gebe leider nicht viele Bilder von ihm; wenn er eins finde, maile er es. Natürlich kommt keines. Er bleibt offensichtlich lieber hinter den Kulissen: Marcus Weber. Der neue Mehrheitsaktionär der Bergbahnen Disentis gibt über sich selbst nur preis, er sei Unternehmer, und durch seine Beratungsfirmen habe er sich an verschiedenen Firmen im In- und Ausland beteiligt. Den Wohnsitz habe er in Singapur, er pendle zwischen Asien und Europa hin und her.

Der Blick ins Handelsregister zeigt: Weber ist tatsächlich «Multiunternehmer» – so wurde er schon in der letzte Woche veröffentlichten Medienmitteilung zur Mehrheitsübernahme genannt (Ausgabe vom 27. Juni). Nicht weniger als 36 Verwaltungsratsmandate vereint er derzeit auf sich, 29 davon als Präsident. Die Liste mit jetzigen und früheren Zeichnungsberechtigungen umfasst 147 Firmen. Die Tätigkeitsbereiche seiner aktuellen Unternehmen sind dabei vielfältig: Das Portfolio reicht von der Uhrenmanufaktur über den Papier-, Keramik- und Textilhandel bis hin zur Immobilienverwaltung und Flugzeugvermietung. Aber auch in Disentis war Weber früher schon aktiv: Er war unter anderem 1988 Mitbegründer der Informatikfirma ISM.

«Immer sehr erfolgreich»

Disentis, sagt Weber, kenne er seit seiner Zeit als Jugend-und-Sport-Skilehrer in den Siebzigerjahren. Später habe er eine Ferienwohnung dort erworben; kürzlich hat er in Acletta sogar ein Haus gebaut. Und in Disentis gibt es denn auch so einige, die den «Multiunternehmer» bestens kennen. Zum Beispiel Urs Häfliger, ehemaliger Direktor der Bergbahnen.

Als Vertreter einer Leasingfirma habe Weber 1980 den Bau der Tennishalle in Disentis ermöglicht, erinnert sich Häfliger zurück – sein erster Kontakt mit dem damals 25-Jährigen, der bald Karriere machen sollte. Weber sei der «Praktiker» gewesen, sein Geschäftspartner Urs Wehinger der Jurist – und «was sie auch in die Hand nahmen, es war immer sehr erfolgreich.» Aufgeforstete Wälder in Brasilien, Uhrenfirmen im Tessin, die Sanierung der Porzellanfirma Rössler – Häfliger könnte noch mehr Beispiele aufzählen.

In den Golfferien überzeugt

Eine Leidenschaft mindestens teilen Häfliger und Weber: das Golfspiel. «In den Golfferien habe ich versucht, ihm ein Engagement bei unseren Bergbahnen schmackhaft zu machen», erzählt Häfliger. Mit Erfolg.

Weber bestätigt Häfliger als Mittelsmann. Und auch Heinz Schumacher kenne er seit Jahren, den Verwaltungsratspräsidenten der Bahnen und Vertreter der bisherigen Hauptaktionärin aus Düsseldorf, der Arenberg Beteiligungs GmbH. Durch den Kontakt mit Häfliger sei der Wunsch nach einer Beteiligung oder Mehrheitsübernahme seinerseits aufgekommen – was dann nach verschiedenen Gesprächen realisiert worden sei. Am 30. Juni hat Webers und Wehingers Bergbahnen Disentis Management Holding AG das Düsseldorfer Aktienpaket übernommen. Mit Eigenmitteln, wie Weber betont. Die Arenberger, Mitbegründer der AG, haben sich nach 45 Jahren aus Disentis zurückgezogen. Wobei Schumacher als Verwaltungsratspräsident im Amt bleibt. Weber will Delegierter des Verwaltungsrats werden. Schumacher meint: «Arenberg kann sich besten Gewissens aus Disentis zurückziehen.» Weber habe ihn als Persönlichkeit und konzeptionell überzeugt. Er werde das Unternehmen mit frischen Ideen und Investoren weiterbringen. Häfliger sieht es ähnlich: «Ich hoffe auf neue Impulse. Bis jetzt», findet er, «wurde die Firma gut verwaltet. Nun wird sie sicher innovativer.»

«Eine langfristige Investition»

Und was sagt Weber selbst zu seinem Engagement? «Eine Bergbahn ist immer eine langfristige Investition. Ich glaube kaum, dass es sich als ‘Spekulation’ anbieten würde.» Was in Zukunft in Disentis laufen solle, werde «seriös und intensiv» besprochen, vor allem mit Direktor Rudolf Büchi. Danach werde man sicher auch die Öffentlichkeit informieren, kaum aber vor Ende der kommenden Wintersaison. Jedenfalls: Disentis, so Weber, befinde sich seiner Meinung nach in einem «Dornröschenschlaf», und daraus wolle er den Ort wecken. Was allerdings nur möglich sei, wenn «die Behörden, die Mitarbeiter und die Bevölkerung aktiv interessiert sind und mithelfen.»

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