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Der Petersplatz soll wieder in altem Glanz erstrahlen

Dank einer Komplett-Restaurierung soll der Petersplatz in Rom in 30 Monaten wieder so aussehen, wie er im 17. Jahrhundert geplant und gebaut worden war. Die Arbeiten sind bereits in vollem Gang.

Südostschweiz
13.09.11 - 02:00 Uhr

Von Dominik Straub

Rom. – Die Römerinnen und Römer, die in diesen Tagen nach den langen Sommerferien zu Hunderttausenden in die Ewige Stadt zurückgekehrt sind, erhalten bereits einen Vorgeschmack auf den «neuen» Petersplatz, wie er sich in zweieinhalb Jahren präsentieren wird. Vor einigen Tagen wurden beim Eingang in den (vom Tiber aus gesehen) linken Säulengang die Gerüste entfernt. Der nun wieder sichtbare Portikus erstrahlt in seinem originalen, leicht marmorierten Eierschalenweiss, der charakteristischen Tönung des hellen Travertin. Aus diesem Kalkstein bestehen nicht nur die berühmten Bernini-Kolonnaden, sondern auch grosse Teile der Fassade des Petersdoms.

Wind und Wetter, aber vor allem auch Abgase und Feinstaubpartikel hatten dem porösen und damit empfindlichen Travertin in den letzten Jahrzehnten zugesetzt; im Rahmen einer Komplett-Restaurierung soll sich nun der gesamte Petersplatz auf eine Art Zeitreise begeben und wieder in jenen Zustand zurückversetzt werden, wie ihn der Barock-Künstler Gianlorenzo Bernini im Auftrag von Papst Alexander VII. entworfen und in den Jahren 1656 bis 1667 errichtet hatte.

Auch Heiligenhimmel wird geputzt

Das Ganze ist eine Mammutaufgabe: Allein die beiden Kolonnaden bestehen aus 284 vierreihig angeordneten, 15 Meter hohen Säulen – hinzu kommen 92 Stützpfeiler. Auf der Dachbalustrade der Säulengänge stehen die Statuen von 140 Heiligen, jede 3,6 Meter hoch. Dieser sogenannte Heiligenhimmel soll ebenfalls gereinigt und allenfalls repariert werden, genauso wie die insgesamt 1200 Meter langen Balkone und Brüstungen sowie 3400 Quadratmeter Kassettendecken. Ebenfalls überholt werden die beiden 14 Meter hohen Brunnen Clementina und Gregoriana sowie der 38 Meter hohe und 360 Tonnen schwere Obelisk in der Mitte des Platzes. Dieser stand einst im ägyptischen Heliopolis und war im Jahr 40 nach Christus von Kaiser Caligula nach Rom gebracht worden. Papst Sixtus V. liess ihn 1586 mit der Hilfe von 900 Arbeitern und 75 Pferden vor der Peterskirche aufstellen.

Bedeutendes Barock-Bauwerk

«In 30 Monaten werden wir Rom und der Welt das immense Travertin-Denkmal der Kolonnaden in seinen originalen Farben und seinem originalen Zustand zurückgeben», erklärte der Chef des technischen Dienstes des Vatikans, Pier Carlo Cuscianna, unlängst in der Vatikan-Zeitung «Osservatore Romano». Beim Petersplatz handle es sich um eines der bedeutendsten Zeugnisse des Barock, das nicht nur städtebaulich und architektonisch herausrage, sondern als Raum für öffentliche religiöse Zeremonien auch eine grosse allegorische Bedeutung habe: Das Halbrund der beiden Kolonnaden symbolisiere die Arme der Kirche, welche die Menschen und die Welt umfange, betonte Cuscianna. Insgesamt misst der Petersplatz gut 35 000 Quadratmeter (was fünf Fussballfeldern entspricht) und bietet rund 80 000 Menschen Platz.

Zu den Kosten der Maxi-Baustelle machte Cuscianna keine Angaben. Er erklärte lediglich, dass die Bauarbeiten «von grosszügigen Spendern» finanziert würden. Die künstlerische und historisch-wissenschaftliche Leitung der Renovierung liegt bei den Vatikanischen Museen. Ausgeführt werden die Arbeiten von zwei italienischen Baufirmen.

Beeinträchtigungen gering halten

Der Petersdom selber war schon in den Neunzigerjahren komplett renoviert worden. Mehr als zwei Jahre lang hatte ein riesiges Baugerüst den Touristen den Blick auf die Fassade verstellt. Bei der Restaurierung des Petersplatzes werden die optischen Beeinträchtigungen kleiner ausfallen: Es werden nämlich immer nur einzelne Abschnitte der Kolonnaden in einem Gerüst versteckt; die gereinigten und restaurierten Bauteile werden danach umgehend wieder zugänglich gemacht. Auch die päpstlichen Zeremonien, insbesondere die jeden Mittwoch stattfindende Generalaudienz, werden nicht beeinträchtigt.

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