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Der «gläserne» Eishockey-Profi

Der Spengler Cup bietet in jeglicher Beziehung Spielraum für Innovationen zur Entwicklung des Eishockeysports. Der HC Davos und Genf-Servette kooperieren während des Turniers mit österreichischen Bewegungs-Analytikern.

Südostschweiz
29.12.14 - 01:00 Uhr
Zeitung

Von Sven Schoch

Eishockey. – Die Spieler tragen während der Partien und teilweise auch im Training spezielle Westen, die mit Sensoren ausgerüstet sind. Pro Sekunde erhalten die Leistungsdiagnostiker gegen 1000 Daten. Das «Local Positioning Measurement System» (LPMS) funktioniert über Funkfrequenzen und produziert nach Angaben der Experten der Firma Inmotiotec viel präzisere Angaben als die herkömmlichen GPS-Systeme.

«Wir können praktisch alles messen. Die Laufwege, die Beschleunigung, die Erholungsphasen, die Herzfrequenz», erklärt der Projektmanager Stephan Reinsch. Es gehe aber nicht um die Überwachung der Sportler, sondern um die Optimierung ihrer Leistungen, betont er.

Der FC Basel und Bayern München

In der Schweiz setzt der Fussball-Primus Basel bereits auf die ausgeklügelte, aber teure Technologie der Austria-Ingenieure. Bayern München gehört ebenfalls zu den Kunden. Im Eishockey kommt das LPMS bei den beiden Topklubs München und Salzburg aus dem Red-Bull-Konglomerat zum Einsatz.

Vom «gläsernen» Eishockeyspieler halten nicht alle gleich viel. Einige Spieler reagierten skeptisch auf die neuen Westen. Servettes Trainer Chris McSorley hält seine Akteure dazu an, das Angebot zu nützen, zwingt sie aber nicht: «Sie können das selber entscheiden.»

Der kanadische Chefstratege der Genfer Organisation sieht Vor- und Nachteile: «Es ist ein smartes System und kann im Aufbauprogramm eine Option sein. Aber wir müssen aufpassen, in der Flut der Daten nicht die Übersicht zu verlieren. Es ist für mich zurzeit in erster Linie ein Experiment.»

Der Ertrag ist entscheidend

McSorley glaubt aber, dass «das LPMS in fünf Jahren überall etabliert sein wird im Spitzensport.» Und trotzdem sagt der allmächtige Genfer Bandengeneral: «Am Ende entscheide immer noch ich, ob mir ein Spieler auf dem Feld gefällt oder nicht. Wenn er vier Kilometer läuft, aber keinen Ertrag erzielt, machen ihn die vielen Infos nicht besser.»

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