In der Fabrik des Grauens
Tatort: Rote Fabrik in Zürich am Dienstag nach Sonnenuntergang. Die Nacht ist klar und kalt. Der See liegt dunkel da. Rhythmisch klatscht das kalte, schwarze Wasser gegen die Mauer am Ufer.
Tatort: Rote Fabrik in Zürich am Dienstag nach Sonnenuntergang. Die Nacht ist klar und kalt. Der See liegt dunkel da. Rhythmisch klatscht das kalte, schwarze Wasser gegen die Mauer am Ufer.
Hin und wieder fallen verloren Schneeflocken aus dem weiss-nebligen Himmel. Noch ahnt niemand etwas.
Ein paar verlorene Seelen speisen ihr (vielleicht) letztes Abendmahl im Inneren des Schlosses des roten Todes. Krude Gestalten lungern um die kahlen, roten Mauern herum. Mit unheimlicher Regelmässigkeit stielt sich der eine oder andere Gefangene ungesehen hinaus – es ist die letzte Zigarette, sagt er sich. Die Allerletzte.
Punkt acht nimmt der Horror seinen Lauf. «Nehmen Sie eine Karte, begeben Sie sich dorthin, wo der Punkt markiert ist», schreit eine schrille, heisere Stimme mehrmals. Nein, wir befinden uns nicht auf Schatzsuche. Der auf Stoff gedruckte Plan mit verschiedenen Symbolen bietet Orientierung im Schloss des roten Todes und in der Geisterbahn namens «Ost.Küste.Horror» der Zürcher Theatergruppe 400asa inspiriert von Edgar Allan Poe.
Die Zuschauergruppe wird nichts ahnend, brutal auseinandergerissen und folgt bereitwillig zwielichtigen Gestalten, darunter Edgar Allan Poes tuberkulöser Cousine und Ehefrau Virginia. «Nehmen Sie stets Dinge an, die Ihnen von Fremden angeboten werden!» Na dann ...
Geführt von Poes Frau Virginia und Symbolen, die man immer wieder in Form von Münzen bekommt, betritt man verschiedene Räume des Schlosses. So macht jeder und jede ganz individuelle Erfahrungen in der Geisterbahn. In kurzen Szenen und Installationen erfährt man mehr über Poe, sein Leben und die Umstände dieser Zeit, geprägt von Tuberkulose und anderen schrecklichen Krankheiten, die das 19. Jahrhundert plagten.
Die Idee hinter der Geisterbahn zitiert Poes Erzählung «Die Maske des Roten Todes»: Während seine Untertanen an einer schrecklichen Seuche sterben, feiert der wohlhabende Prinz Prospero einen ausgelassenen Maskenball in verschiedenen Räumen seines Schlosses. Doch um Mitternacht sucht die Seuche, der Rote Tod, auch ihn und seine Gäste heim.
In der Geisterbahn von 400asa trifft man auf klassische Grusel- und Horrorelemente aber auch auf den ganz alltäglichen Wahnsinn. Wenn man sich darauf einlässt, taucht man für Augenblicke in eine schaurige und manchmal absurde Welt ein. Doch durch die zahlreichen Ortswechsel wird man leider auch immer wieder aus Poes Welt rausgerissen, sodass die Geisterbahn an Intensität einbüsst.
«Ost.Küste.Horror». 400asa. Bis 1. Februar. Rote Fabrik. Zürich. www.rotefabrik.ch.
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