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Der Blick geht vor allem nach innen

Dass die Schweiz am nationalen Wahltag nach Graubünden blickt, ist eher die Ausnahme. Zu klein ist die siebenköpfige Bündner Delegation in Bern, als dass das ausserhalb des Kantons gross interessieren würde.

Südostschweiz
28.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Vor vier Jahren allerdings war das anders. Männiglich war gespannt, wie sich die Kräfteverhältnisse zwischen BDP und SVP in der ersten Proporzwahl nach der Parteispaltung präsentieren würden.

Der Ausgang war so unerwartet wie aussagekräftig. Vier Jahre zuvor hatte die noch geeinte SVP einen Wähleranteil von gut 34 Prozent erreicht. Nach der Spaltung brachten es die beiden Nachfolgeparteien gemeinsam auf knapp 45 Prozent; die BDP war hinter der neuen SVP zweitstärkste Kraft im Parteiengefüge. Das Resultat zeigte, dass sowohl die BDP wie auch die neue SVP nicht nur bei ihrer bisherigen Wählerschaft punkten konnten. BDP-Nationalrat Hansjörg Hassler schaffte die Wiederwahl eindrücklich.

Den bewährten Bauernvertreter Hass-ler gilt es für die BDP bei den Wahlen im Herbst nun zu ersetzen. Der 61-Jährige hatte schon frühzeitig angekündigt, nicht mehr antreten zu wollen. Ein vorzeitiger Abgang stand für Hassler allerdings nicht zur Debatte – die BDP muss daher ohne Kandidaten mit Bisherigen-Bonus zu den Wahlen antreten.

In Gefahr ist der Sitz der Bürgerlich-Demokraten nichtsdestotrotz wohl kaum. Zu etabliert in der Bündner Polit-Szene sind die Mitglieder der noch jungen Partei. Das liegt auch daran, dass grosse Teile der früheren SVP zur BDP übergetreten sind. Weder auf kommunaler noch auf katonaler Ebene gibt es Wahlresultate, die auf ein Scheitern der Partei bei der Verteidigung von Hasslers Mandat hindeuten würden.

Deutlich interessanter, als die Frage, ob die BDP auch künftig einen der Ihren nach Bern schicken darf, sind die Spekulationen darüber, wen die Partei als Spitzenkandidaten oder Spitzenkandidatin nominiert. Die logische Wahl wäre Andy Kollegger: Vor vier Jahren lag der Churer Grossrat in der Wählergunst auf dem zweiten Platz hinter Hassler – im Falle eines vorzeitigen Rücktritts wäre er automatisch nachgerutscht. Kollegger hat sich zu einer Kandidatur noch nicht geäussert; vieles spricht aber dafür, dass er wollen würde, wenn man ihn denn liesse.

Intern ist Kolleggers Nomination als Spitzenkandidat nämlich noch keineswegs beschlossene Sache. Zum einen wünschen sich nicht wenige Mitglieder der BDP-Agrarfraktion einen der Ihren als Nachfolger von Bauernverbands-präsident Hassler. In diesem Fall böte sich Standespräsident Duri Campell gewissermassen von selber an. Zum anderen haben nicht alle Churer Parteifreunde vergessen, dass Kollegger bei seinem Angriff aufs Stadtpräsidium keine allzu gute Figur gemacht hat.

Der BDP ist locker zuzutrauen, den Sprung in den Nationalrat auch ohne Unterstützung eines Listenpartners zu schaffen – unbesehen der Konstellation im übrigen Bürgerblock. Einen Angriff auf einen der beiden Ständeratssitze dürfte die Partei kaum ins Auge fassen und damit auch weder CVP noch FDP übermässig verärgern. Trotzdem sondiert man auch bei der BDP das Terrain, was allfällige Listenverbindungen angeht. Kaum vorstellbar ist ein Zusammengehen mit den Sozialdemokraten – und den früheren Parteikollegen von der SVP. Zu tief sind die Wunden beiderseits noch, als dass man sich für die Wahlen zusammenraufen könnte.

Im Vordergrund steht damit eine Listenverbindung mit der CVP. Das sieht man auch bei beiden Kantonalparteien als durchaus denkbare Variante (siehe Interview unten). Tatsächlich stehen sich die Parteien laut der Internetplattform Smartvote auch inhaltlich näher als BDP und SVP oder FDP. Sollte es zur Allianz mit der CVP kommen, würde das dann allerdings wohl wieder landesweit Interesse wecken – wie vor vier Jahren.

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