Den ganzen Tag lang Cornflakes essen
Eine Schüssel Müesli oder Cornflakes mit Milch – Kindheitserinnerungen inklusive. Das ist alles, was Alan und Gary Keery in ihrem Londoner «Cereal Killer Café» verkaufen.
Eine Schüssel Müesli oder Cornflakes mit Milch – Kindheitserinnerungen inklusive. Das ist alles, was Alan und Gary Keery in ihrem Londoner «Cereal Killer Café» verkaufen.
Von Marc Schäfer (sda)
London. – Erdbeer-Pops aus Südafrika, knusprige Nuss-Ringe aus den USA oder Oreo-Flakes aus Südkorea: Im «Cereal Killer Café» wird geknuspert, geschlürft und geschmatzt wie sonst bloss morgens am Küchentisch. Auf der Londoner Szene-Meile Brick Lane im Stadtteil Shoreditch hat ein Café eröffnet, das seinen Kunden nichts anderes bietet als Frühstücksflocken aus der ganzen Welt. Die Zwillingsbrüder Alan und Gary Keery aus Belfast glauben, damit eine Marktlücke gefunden zu haben. Ausserdem lassen sie in ihrem Laden ihre Kindheit aufleben.
Kritik an den Preisen
120 verschiedene Cerealien haben die beiden 32 Jahre alten Nordiren zusammengesucht – grösstenteils in Grossbritannien und den USA. Klassiker wie Rice Krispies, Frosties und Special K. dürfen natürlich nicht fehlen, doch auch exotische und seltene Produkte aus Frankreich oder Australien stehen auf der Karte. Kombiniert werden die zuckersüssen Ringe, karamellisierten Flocken oder mit Frucht gefüllten Gebäckkissen mit 13 verschiedenen Milchsorten und 20 unterschiedlichen Toppings. Ab 2.50 Pfund (3.80 Franken) gibt es eine kleine Schüssel voll, und reichlich Milch dazu. Im Supermarkt um die Ecke kostet eine 750-Gramm-Packung Frosties allerdings gerade mal zwei Pfund. Der englische Sender Channel 4 äusserte bereits Kritik an den Preisen. Vor allem, da sich das Café im Bezirk Tower Hamlet befindet. Laut «Daily Mail» lebt beinahe die Hälfte aller Kinder dort in Armut.
«Da ging uns ein Licht auf»
Die Geschäftsidee der Zwillinge war eine Schnapsidee. «Nach einer Partynacht sind wir am nächsten Tag mit einem Kater durch die Stadt spaziert und hatten Heisshunger. Es gab Burger, Pizza, Pasta. Aber das war nicht, was wir wollten. Wir wollten Cerealien», sagt Gary Keery. «Wir haben uns gefragt, warum es etwas, das so viele Menschen täglich zu Hause essen, nicht ausserhalb deren vier Wände gibt. Und da ging uns ein Licht auf.» Ihre Recherche ergab, dass wohl bloss in den USA ein ähnliches Café existierte: Dort gehen aber einzig Sorten aus dem eigenen Land über den Tresen. Neben den Cerealien bieten die Nordiren Cocktails und Torten an – doch auch die bestehen hauptsächlich aus dem Frühstücksschmaus.
2014 gaben die Briten laut einer Auflistung des Büros für Nationale Statistiken wöchentlich 63 Millionen Pfund für Müesli, Cornflakes und Co. aus. Da wittern die geschäftstüchtigen Keery-Brüder ihre Chance. Zudem sind in London Lokale im Trend, die sich auf ein oder höchstens zwei Produkte spezialisiert haben, wie «Burger & Lobster» zum Beispiel.
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