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Demokratie?im Alltag. Wie funktioniert das?

Alexandra Kälin,?Redaktorin

Südostschweiz
24.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Demokratie ist gemäss Definition die Herrschaft des Volkes, der Allgemeinheit. In der Schweiz ist man stolz auf die direkte Demokratie – wir alle können wählen und abstimmen und so direkt Einfluss auf die Politik in unserem Land nehmen.

Doch wie wird Demokratie im Alltag gelebt? Gelten die demokratischen Grundregeln auch in den eigenen vier Wänden? Wer entscheidet, was am TV geschaut wird, und wer kontrolliert die Fernbedienung? Wer entscheidet zu Hause, was auf den Tisch kommt? Und wer steht dafür in der Küche? Wer putzt, wäscht oder bedient den Staubsauger, und wie kommen diese Entscheidungen zustande? Leben wir auch in der kleinsten Einheit die so hochgelobte Demokratie oder funktioniert das Zusammenleben auch auf andere Weise?

Es ist wohl vielerorts so, dass gerade Familiengemeinschaften nicht demokratisch reguliert werden. Vieles hat sich wortlos eingespielt, weil man sich kennt, versteht oder Rücksicht nimmt und zwar ohne dass jemand übergangen oder sogar unterdrückt wird. Dabei handelt es sich wohl vielfach um den oft gewählten gut schweizerischen Kompromiss.

So kocht beispielsweise derjenige, der es besser kann – was schliesslich der ganzen Familie zugutekommt. Am Dienstag oder am Mittwoch läuft das Champions-League-Spiel am TV – dafür steht am Samstag Rosamunde Pilcher auf dem Programm. Es versteht sich von selbst, dass die Fernbedienung selbstverständlich derjenigen gehört, die weniger gut hört.

So weit, so gut. Leider musste ich jedoch feststellen, dass mir in den eigenen vier Wänden auch andere Staatsformen aufgezwungen werden. Oder wie nennt man das, wenn man an Feiertagen ab 06.00 Uhr aus dem Schlaf gerissen und richtiggehend tyrannisiert wird, sodass ein Ausschlafen nicht möglich ist? Es wird mit einer unglaublichen Ausdauer gekratzt und geschrien – auch von körperlicher Gewalt wird nicht selten zurückgeschreckt. Das Ganze geht so lange, bis ich weichgeklopft bin, mich ergebe, nicht mehr anders kann und gehorche. Also stehe ich auf und serviere den miauenden, mittlerweile schnurrenden Vierbeinern das Morgenessen mit Kaltgetränk …

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