«Das Snowboarden ist mein Leben»
Snowboard Jonas Boesiger ist auf dem besten Weg an die Weltspitze: Mit Rang zwei im Big-Air-Weltcup in Istanbul startet der Freestyler in eine aussichtsreiche Saison.
Snowboard Jonas Boesiger ist auf dem besten Weg an die Weltspitze: Mit Rang zwei im Big-Air-Weltcup in Istanbul startet der Freestyler in eine aussichtsreiche Saison.
«Da kommt der Wettkampftyp in ?mir hervor.»
Mit Jonas Boesiger sprach ?Nadine Annen
Sie haben einen phänomenalen Saisonstart hingelegt. Hätten Sie das selber erwartet?
Erwartet schon nicht gerade, aber ich wusste, dass ich gut trainiert habe und gut parat bin und dass ich meine Tricks landen werde. Aber es ist natürlich schon cool, dass es schlussendlich so weit nach vorne gereicht hat.
Haben Sie das dem harten Training zu verdanken oder auch einer Portion Glück?
Ich denke schon dem Training. Ich zeigte vor allem die Tricks, die ich an jedem normalen Trainingstag auf dem Schnee auch gemacht habe. Diese Bilanz zeigt mir einfach, dass es gut war, diese Tricks so viel zu üben, sodass ich sie jedes Mal stehe.
Sie haben also eher auf die Taktik Sicherheit gesetzt und nur vertraute Tricks gezeigt, die Sie hundertprozentig beherrschen?
Ja, eigentlich schon. Ich habe gewusst, dass ich diejenigen Tricks, die ich zeige, auch sicher landen kann.
Ruhen Sie sich jetzt auf Ihrem Erfolg aus und gehen entspannt an die nächsten Contests heran?
Klar, jetzt mache ich Ferien (lacht). Nein jetzt gehts natürlich weiter. Ich weiss jetzt, woran ich noch weiterarbeiten muss, damit es bis ganz nach oben reicht. Ich muss vor allem neue Tricks erarbeiten, bis ich diese auch so gut kann wie die bisherigen und sie jedes Mal stehe. Und im Slopestyle gilt es, alles, auch die Railtricks, sauber hintereinander zu setzen.
Sie fahren auf dem höchsten Niveau und kennen inzwischen Ihre Konkurrenten. Wie stark schätzen Sie diese ein? Haben Sie das Gefühl, dass Sie schon vorne mitmischen können?
Nein, zuvorderst dabei bin ich schon noch nicht. Es hat sicher noch einige, die besser sind. Aber ich mache jetzt die wichtigen Schritte, um immer näher an die Besten ranzukommen.
Wo liegen Ihre Stärken?
An Contests kann ich mich sicher sehr gut fokussieren und wirklich das machen, was ich will. Ich kann überlegt fahren, ohne einfach irgendetwas zu probieren.
Welche Ziele haben Sie sich für diese Saison gesteckt?
Der nächste Wettkampf ist die Weltmeisterschaft in Kreischberg, Österreich, wo ich Slopestyle und Big Air fahre. Da hoffe ich sicher, wieder vorne reinzufahren. Das Wichtigste wäre für mich eigentlich, das gute Resultat, welches ich jetzt gemacht habe, bei allen Wettkämpfen dieser Saison zu bestätigen.
Ihr Fernziel heisst Olympia 2018, mit der aktuellen Saison scheinen Sie auf einem guten Weg dahin zu sein. Was braucht es noch, damit Sie dieses Ziel erreichen?
Es braucht sicher den Willen, so weiterzumachen wie bisher und sich nicht hängen zu lassen oder auf dem Erfolg auszuruhen, sondern weiterzudenken und wie gesagt die neuen Tricks zu lernen.
Sie schliessen nächstes Jahr die Matura an der Sportmittelschule Engelberg ab. Wie bringen Sie Schule und Spitzensport mit der ganzen Herumreiserei unter einen Hut?
Im Moment ist das recht einfach für mich. Weil ich das Maturajahr aufgeteilt habe, habe ich die meisten Fächer schon dieses Jahr abgeschlossen und muss nur noch zwei Schulfächer abschliessen.
Welche beruflichen Pläne haben Sie für danach?
Ich werde nächsten Sommer ein bisschen jobben, um Geld zu verdienen, und den ganzen Winter durch snowboarden. 2016/17 werde ich die Sportler-RS machen und dann mal schauen, ob es im Sport so weiterläuft, wie ich mir das vorstelle.
Das heisst, wenn alles gut läuft, setzen Sie voll auf den Sport?
Logisch.
Das ist ja auch eine Frage der Finanzierung: Spitzensport zu betreiben, ist nicht ganz billig. Wie handhaben Sie das?
Einerseits habe ich meinen Gönnerverein, mit welchem mich viele Leute unterstützen, andererseits die Schweizer Sporthilfe und Sponsoren und natürlich die Preisgelder.
Wird Ihrer Meinung nach genug in den Freestylesport investiert?
Ich denke, im Moment sieht es gut aus. Wir bekommen sicher noch nicht gleich viel wie zum Beispiel die Alpin-Skifahrer, aber wir können mit unserem Budget schon recht viel machen und coole Projekte starten.
Sie haben es gerade angesprochen: Steht der Freestylesport im Schatten der Alpinen?
Ja, ich denke schon. Dabei hatte zum Beispiel an den letzten Olympischen Spielen die Disziplin Snowboard Slopestyle die höchsten Einschaltquoten. Das Interesse scheint also da zu sein, trotzdem wird der Freestylesport manchmal zu wenig wahrgenommen. Ich habe das Gefühl, es wird verhältnismässig zu wenig investiert.
Woran könnte das liegen?
Das ist schwierig zu sagen. Logisch ist es vielleicht in der Schweiz eher eine Randsportart, aber weltweit ist sicher Interesse da. Es ist ja auch zum Zuschauen eine sehr spektakuläre Sportart: Wenn man einschaltet, bleibt man hängen. Jeder einzelne Lauf jedes Athleten ist jedes Mal etwas anderes.
Glauben Sie, dass sich das in Zukunft ändern wird und mehr in den Freestyle investiert wird?
Ja, das ich hoffe natürlich sehr. Man sollte den Freestylesport wirklich mehr pushen, denn wie gesagt, das Interesse ist da.
Was ist für Sie eigentlich der Reiz am Spitzensport?
Snowboarden ist mein Leben. Ich könnte mir im Moment nicht wirklich vorstellen, etwas anderes zu machen. Es hat mein Leben so beeinflusst. Und am Wettkampf reizt mich, dass ich mir dadurch selber beweisen kann, was ich kann. Der Ehrgeiz ist halt einfach da, wenn man an einen Wettkampf geht. Mir zu beweisen, dass ich vorne reinfahren kann, macht es für mich interessant.
Sind Sie also ein Gewinnertyp und bei Niederlagen von sich selber enttäuscht?
Ja, im Snowboarden eigentlich schon. Sonst, zum Beispiel in einem Spiel, macht es mir überhaupt nichts aus zu verlieren. Nur beim Snowboarden, da kommt der Wettkampftyp in mir hervor.
Mit dem Erfolg kommt die Berühmtheit: Verschiedene Zeitungen, Magazine oder das Fernsehen berichten über Sie. Wie ist das für Sie?
Natürlich cool. Es fühlt sich gut an, wenn Aufmerksamkeit für einen da ist und über einen geredet wird.
Werden Sie denn auch schon auf der Strasse erkannt und angesprochen?
Das ist auch schon vorgekommen, aber eher selten. Ich kann jedenfalls noch normal auf die Strasse, so schlimm ist es also noch nicht (lacht).
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