Das neue Jahr: Vor- oder rückwärts?
Betty Legler
Betty Legler
<strong>Silvesterabend 2014</strong>, 20.15 Uhr. Im Fernsehen beginnt der «Silvesterstadl», pünktlich, ohne Werbepause direkt im Anschluss an die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin. Menschen in folkloristischen Kostümen schwenken bunte Fähnchen, schunkeln und sind unbeschwert fröhlich. Der erste Song ist 30 Jahre alt («Life is live» von Opus), der zweite geht schon stramm auf die 40 zu. Der dritte Titel ist 50, der Komponist James Last hat stolze 85 Jahre auf dem Buckel. ARD, ORF und SRF feiern die Vergangenheit. Ich halte das, mit Verlaub, nicht länger aus.
<strong>2014 war so</strong> ein ereignisreiches Jahr, da gäbe es doch bestimmt aktuellere Musik vorzuzeigen. Aber das würde das Publikum überfordern. Wenn Sie jetzt denken «klar, die sind ja auch alle über 70», dann stimmt das nur zum Teil. Tatsache ist, Menschen mögen am liebsten, was sie schon kennen. Veränderung bedeutet, dass man sich von etwas Altem verabschieden und an etwas Neues gewöhnen muss. Das kann mitunter anstrengend sein. Sehen wir uns gar radikalen Veränderungen ausgesetzt, steht die Chance gut, dass wir in eine Art Schockstarre verfallen. Von den Zukunftsforschern wissen wir: 10 Prozent Innovation verträgt der Durchschnittsbürger. Alles, was radikaler ist, macht Angst. Aber Angst ist und war schon immer ein schlechter Ratgeber bei der Zukunftsplanung.
<strong>Gerade das tun</strong> wir jedoch am Silvesterabend: Wir fassen gute Vorsätze und gestalten damit in Gedanken proaktiv das kommende Jahr. Eine super Sache, denn einiges von dem, was wir uns ausdenken, wünschen und erträumen, können wir auch tatsächlich erreichen. Seien Sie also mutig! Träumen Sie farbig! Denken Sie sich was unverschämt Freudvolles aus. Etwas, das weit über den allgemein verträglichen, homöopathischen zehn Prozent liegt. Machen Sie sich keine Sorgen darüber, ob Sie alle guten Vorsätze auch in die Tat umsetzen werden. Hauptsache, Sie erheben in 365 Tagen Ihr Glas mit einer gesunden Portion Lebensfreude und Glücksgefühlen. Denn darum geht es: Um etwas Mut zum Abenteuer. Nicht darum, alten Kram aufzuwärmen. Denn diesen alten Kram im «Stadl» spielen sie wahrscheinlich auch in zwanzig Jahren noch.
mail@suedostschweiz.ch
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