Das Atelier Alpina belebt das Dorf Tartar mit Kultur
In Tartar hat das neu gegründete Atelier Alpina das ehemalige Lädeli-Haus zum temporären Ausstellungsort gemacht. In der Schau «Frisco» setzen sechs junge Künstlerinnen das Haus und den Ort in Bezug zu ihren Werken.
In Tartar hat das neu gegründete Atelier Alpina das ehemalige Lädeli-Haus zum temporären Ausstellungsort gemacht. In der Schau «Frisco» setzen sechs junge Künstlerinnen das Haus und den Ort in Bezug zu ihren Werken.
Von Maya Höneisen (Text) und Yanik Bürkli (Bilder)
Tartar. – Nicht umsonst trägt das alte Haus im Dorfkern von Tartar seinen Namen. Bis vor rund 20 Jahren hatte darin der Dorfladen seinen Platz. In der am Sonntag eröffneten Ausstellung «Frisco» kommt das Lädeli-Haus nun zu neuen Ehren. Die letzten Gegenstände der Ladenbesitzer werden in einer Installation präsentiert. Bereits beim Eintritt in das ehemalige Ladenlokal wird der Besucher um Jahrzehnte in der Zeit zurückversetzt. Auf den Regalen reihen sich Dinge, die heute belustigen. Vom Hasenfell über Tonkassetten bis zu Fäden, Haarnadeln und allerlei Tinkturen und Salben im Arzneischränkchen ist vorhanden, was damals im dörflichen Alltag gebraucht wurde.
Auf einem Tisch steht eine alte, klapprige Schreibmaschine. Auch sie ist Teil der Installation. Die Besucher dürfen Dinge aus dem Laden gegen Erinnerungen und Assoziationen tauschen, die von den ausstellenden Künstlerinnen eingetippt und auf Endlospapier gedruckt werden.
Einen Kulturort geplant
Gleich nebenan in der Küche prasselt ein Feuer im Ofen. Den Wänden entlang sind Postkarten aufgereiht. Sie sind alle mit «Rosi» unterzeichnet und Antworten auf einen Brief aus Tartar an alle Rosis in der Schweiz. Rosi Senteler war die ehemalige Ladenbesitzerin und wohnte zusammen mit ihrem Mann Ernst in diesem Haus.
Die beiden sind die Urgrosseltern der jungen Künstlerin Julia Barandun, die zusammen mit Manuela Zeiter das Atelier Alpina in Tartar gründete und nun das Haus als Ausstellungsort zwischennutzt. Die zwei Künstlerinnen studierten zusammen an der Hochschule Luzern und entschieden sich im September dazu, drei- bis vier- mal pro Jahr das kleine Dorf am Heinzenberg mit Kultur zu beleben. Geplant sind Lesungen, Theateraufführungen, kleine Konzerte, Filmvorführungen und weitere Ausstellungen im ehemaligen Restaurant «Alpina», das Barandun seit rund zwei Jahren als eigenes Atelier nutzt. Erstes Projekt ist nun die aktuelle Ausstellung «Frisco», zu der sie befreundete Künstler eingeladen haben.
Das Haus als Thema
Im Wohnzimmer und in den drei Schlafzimmern des Hauses begegnet man weiteren künstlerischen Auseinandersetzungen mit den ehemaligen Bewohnern des Hauses. Nomi Villiger hat ihre eigenen Familienmitglieder dazu aufgefordert, eine Raumecke der Wohnstube ihrer Grossmutter aus der Erinnerung zu zeichnen und zeigt einen Stock höher eine kinetische Installation aus Küchengeräten, Holz und diversen Materialien. Die Apparatur imitiert die Benutzung des Raumes und die Spuren, die hinterlassen werden.
Marina Lutz porträtiert anhand von Fotografien das Leben der Sentelers auf Leinwand im Spiel zwischen Surrealismus, abstrakten und konkreten Formen. Ramona Proyer widmet sich in ihren Malereien Landschafts- und Architekturdarstellungen aus der persönlichen Erinnerung. Manuela Zeiter verarbeitete die Bettwäsche, die noch im Haus vorhanden war, zu Collagen und setzt sie so in umgewandelter Funktion neu in Szene. In zwei Videoinstallationen setzt sich Julia Barandun mit ihrer persönlichen Herkunft und dem Thema des Erinnerns und Vergessens auseinander. Von ihr stammt, in Zusammenarbeit mit Marina Woodtli, auch die Installation im ehemaligen Ladenlokal. Von Woodtli ist weiter eine Videoinstallation zu Ernst Senteler zu sehen, der auch als «Der Sprenger» bekannt war. Sie war es auch, welche in ihrer Arbeit alle Rosis in der Schweiz gesucht, angeschrieben und 247 Antworten erhalten hat.
Und um nun den Namen dieses ersten Projekts des Kulturortes Atelier Alpina noch zu erklären: Urgrossmutter Rosi verkaufte nebst allem anderen auch Frisco-Glace. Zeuge davon sind der Frisco-Firmen-Kleber am Schaufenster des ehemaligen Ladenlokals und eine alte Tafel, welche die Urenkelin in ihre Videoinstallation «Frisco Stillleben» miteinbezogen hat.
«Frisco». Bis 4. Januar. Kulturort Atelier Alpina, Tartar. Von 16 bis 18 Uhr geöffnet. Führungen täglich um 17 Uhr. Weitere Infos unter www.atelieralpina.ch.
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Bereits Abonnent? Dann schnell einloggen.