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Constant Könz: «Ich male,

Am 10. Februar ist Constant Könz 85 Jahre alt geworden. Noch dieses Jahr erscheint eine dreisprachige Biografie über den Engadiner Künstler. Die «Südostschweiz» hat ihn zu Hause und im Atelier besucht.

Südostschweiz
25.02.14 - 01:00 Uhr

Von Fadrina Hofmann

Scuol. – Wer vor einem Felsen steht und hochklettern muss, fragt sich zuerst: Wie fange ich am besten an? Er sucht den einfachsten Weg, gerät an Hindernisse und überwindet diese. Irgendwann steht er ganz oben und hats geschafft. Für Constant Könz sind der Kletterer und sein Fels eine Metapher für sein eigenes Wirken als Künstler. Sein Ziel sei es, ein Bild zu schaffen, das im Betrachter etwas zum Klingen bringt. «Der Betrachter soll das Bild nicht nur verstehen, sondern auch fühlen», meint Könz. An diesem Freitagnachmittag sitzt er in seiner Stube im gelben Haus in Zuoz und trinkt Apfelsaft aus Schweden – ein Mitbringsel seiner Tochter. Seit 52 Jahren wohnt er wieder in seinem Elternhaus. Im roten Häuschen neben der «chesa melna» befinden sich Atelier und Aufbewahrungsraum für fertige Bilder. Es sind grosse abstrakte Ölbilder, gemalt im Tachisme-Stil. «Eu fetsch maclöz», sagt Könz. Fleckenwerk. Er zeichnet aber auch kleine Bilder mit Farbstiften.

Wankelmütig und anpassungsfähig

Mit dem Namen Könz verbindet so manch einer zuerst den Namen Steivan Liun Könz. Dass Constant nicht so berühmt ist wie sein verstorbener Halbbruder liegt wohl an seinem schüchternen, bescheidenen Wesen. Könz sucht die Öffentlichkeit nicht. Es hat auch lange gedauert, bis Könz sich selbstbewusst «Maler» nennen konnte. Dabei schrieb er seinem Vater schon als todunglücklicher 14-jähriger Gymnasiast, er wolle nach Hause kommen und Maler werden. Doch der Vater – ein im Engadin sehr bekannter Architekt – befand, ein bisschen Allgemeinwissen täte dem Sohn gut. Also fügte sich Könz. «Ich war immer ein Typ, der sich stossen liess und sich angepasst hat», erzählt der Künstler. Er sei sein Leben lang wankelmütig und unsicher gewesen. Nur mit Brüdern wuchs Könz in Zuoz und Guarda auf, ohne Mutter, dafür mit vielen, ständig wechselnden Gouvernanten. Seine Stiefmutter wurde später die für das Schellenursli-Buch berühmte Selina Chönz. «Die Beziehung zu den Frauen in meinem Leben war immer interessant, abwechslungsreich und ungestüm», sagt Könz mit einem warmen Lächeln. Heute ist er von seiner Frau getrennt, hat eine Freundin, lebt aber allein.

Als Gymnasiast durfte Könz einmal eine Woche mit dem Unterengadiner Künstler Edgar Vital verbringen. «Das war eine der schönsten Wochen meines Lebens», erinnert sich Könz. Er erzählt vom grossen Atelier, von Malerausflügen, und davon, wie bitterarm der von ihm verehrte Künstler gewesen war. «Ich hatte nicht den Mut, den Weg eines Künstlers einzuschlagen», sagt der heute mehrfach ausgezeichnete Künstler. So wurde er zuerst Architekt und später Kunstlehrer. Er heiratete, wurde zweifacher Vater und liess sich in Zuoz nieder, weil sein Vater im Engadin Arbeit für ihn hatte. Könz machte fortan Restaurationen an Hauswänden, malte Wandbilder, machte Sgrafitti. Inzwischen zieren die Sgrafitti von Constant Könz die Wände zahlreicher Häuser im ganzen Engadin. Oftmals stammt auch der Spruch an der Hauswand von ihm. Über 3500 eigene romanische Sprüche bewahrt er zu Hause auf. «Für mich waren die Sgrafitti nie Kunst, sondern Arbeit», sagt Könz.

«Meiner inneren Stimme folgen»

Szenenwechsel. Besuch im Atelier in der «chesa cotschna», in dem es nach Farbe und Terpentin riecht, ein kreatives Chaos herrscht und ein fast fertiges Bild auf einer Staffelei vom späten Nachmittagslicht beleuchtet wird. Das Bild zeigt viel Farbe, was typisch ist für die Werke von Constant Könz. «Mit Farbe kann man Harmonien schaffen», sagt der Künstler. Sämtliche Bilder seien Improvisationen. «Ich muss meiner inneren Stimme folgen», erläutert er. Die Bilder seien stets ein Spiegelbild seines Gemütszustandes. Oftmals gefallen ihm seine Werke deswegen am nächsten Tag nicht mehr. Dann wird übermalt, meistens mehrmals. Und immer wieder fragt Könz die Leinwand: Was willst du? «Ein gutes Bild ist lebendig und hat Seele», meint Könz. «Incharnar spiert aint illa materia», nennt er sein Wirken in seiner Muttersprache. Ein Maler sei ein Schöpfer.

Dass Constant Könz doch noch Künstler geworden ist, verdankt er einem Autounfall. «Der Unfall hat mich wach gerüttelt», erinnert er sich. Ihm sei erst durch den Tod vor Augen bewusst geworden, wie wichtig es sei, sich selbst zu sein. In die abstrakte Kunst sei er dann hineingeschlittert. Die Kunst der 1960er Jahre hätte ihn fasziniert. «Sie hatte einen geistigen Ausdruck, ohne figurativ sein zu müssen», erklärt er. Das abstrakte Malen gebe ihm eine enorme Freiheit. Täglich malt Könz rund zwei Stunden und das nur bei Tageslicht. «Bevor ich sterbe, möchte ich noch fünf Bilder malen können, die so gut wie möglich sind», verrät er. Vor dem Tod hat der an Krebs erkrankte Künstler aber keine Angst. «Der Tod ist das grösste Abenteuer», meint er abschliessend.

Die Biografie «Constant Könz – Wurzeln und Flügeln» der Autorin Marcella Pult erscheint noch in diesem Jahr.

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