Churs Prostituierte könnten bald in ein Haus umziehen
Ein Laufhaus mit Bewilligung statt Wildwuchs auf der Strasse: Die Stadt Chur prüft, wie sie die Prostitution in geordnete Bahnen lenken kann. Vor allem in deutschen Städten hat sich das Modell der Laufhäuser in der Vergangenheit bewährt.
Ein Laufhaus mit Bewilligung statt Wildwuchs auf der Strasse: Die Stadt Chur prüft, wie sie die Prostitution in geordnete Bahnen lenken kann. Vor allem in deutschen Städten hat sich das Modell der Laufhäuser in der Vergangenheit bewährt.
Von Olivier Berger
Chur/Berlin/Köln. – Im Januar wird sich der Churer Gemeinderat mit einem delikaten Thema zu befassen haben. Dann nämlich wird laut Stadtpräsident Urs Marti der gemeinsame Auftrag von BDP und SVP zur Strassenprostitution in Chur behandelt werden (Ausgabe vom Montag). Eine Behandlung bereits in der Dezembersitzung des Stadtparlaments schloss Marti gestern auf Anfrage aus.
Das liegt wohl mit daran, dass die Stadt derzeit verschiedene Möglichkeiten prüft, wie künftig mit der käuflichen Liebe verfahren werden soll. Die bisherigen Abklärungen hätten ergeben, «dass man die Prostitution im öffentlichen Raum wohl nicht einfach so verbieten kann», sagte Marti. Allerdings seien auch zu dieser Forderung von BDP und SVP noch weitere Prüfungen im Gang. Marti versicherte aber, es sei «auch im Sinn der Stadt, die Prostituierten von der Strasse wegzubringen».
Von der Stadt konzessioniert
Eine der Möglichkeiten, welche die Stadt als Alternative zum heutigen Zustand mit mehreren Dutzend Frauen entlang der Strassen des Industriequartiers prüft, ist ein sogenanntes Laufhaus. Dieses würde von der Stadt konzessioniert und regelmässig kontrolliert. In einem Laufhaus werden den Damen des horizontalen Gewerbes Zimmer zur Verfügung gestellt, wo sie auf eigene Rechnung ihren Geschäften nachgehen können. Betrieben werden soll das Haus nicht von der Stadt, wie Marti versichert.
Ein Laufhaus, so Martis Überlegung, wäre nicht zuletzt im Sinne der betroffenen Frauen selber. «Sie wären dann nicht mehr jedem Wetter ausgesetzt, und auch ihre Sicherheit würde erhöht.» Abgeklärt werden müsse, ob sich Laufhäuser in anderen Städten bewährt und ob diese wirklich zu einer Entlastung des Strassenstrichs geführt hätten. «Vermutlich», sagte Marti, «wird der Erfolg davon abhängen, zu welchen Preisen die Zimmer vermietet werden.»
«Der Staat kann mitgestalten»
Aus Sicherheitsüberlegungen sei ein Laufhaus eine gute Sache, sagte Armin Lobscheid, Geschäftsführer des Kölner «Pascha», des wohl grössten Laufhauses in Europa, gestern auf Anfrage. «In einem Laufhaus können die Behörden die Bedingungen mitgestalten, zu welchen dort gearbeitet wird.» Das «Pascha» verlange von allen Frauen einen Pass; die Dokumente würden kopiert und an die Polizei weitergereicht. «Wir liefern den Behörden auch wöchentliche Statusmeldungen, wer bei uns gearbeitet hat.»
Dazu komme, dass die Behörden mit dem Betreiber des Laufhauses einen direkten, ihnen namentlich bekannten Verantwortlichen hätten. «Das ist auf dem Strassenstrich nicht so», erklärte Lobscheid. Gleichzeitig könnten die Frauen im Haus in Sicherheit ihrem Gewerbe nachgehen, weil stets andere Menschen vor Ort seien. Das «Pascha» hat inzwischen Filialen in München, Salzburg und Linz.
Elke Winkelmann, Mitgründerin und Mitbetreiberin des ältesten Berliner Laufhauses «Freudenhaus Hase», glaubt dagegen nicht, dass Laufhäuser die Frauen von der Strasse holen. «Es gibt Frauen, die lieber in einem Haus arbeiten, andere tun das lieber auf der Strasse», erklärte sie auf Anfrage. «Das ist eine ganz persönliche Entscheidung.» «Pascha»-Chef Lobscheid dagegen glaubt, dass gerade bei den Strassenstrichen angesetzt werden muss, um Menschenhandel zu verhindern.
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