Caminada zelebriert Kultur in der Küche
Die Beziehung des Kulturpreisträgers Andreas Caminada zu Kunst und Kultur ist eine eigenständige: Als Koch richtet er sie auf dem Teller an. Im Gespräch im Schloss Schauenstein in Fürstenau erzählt er wie.
Die Beziehung des Kulturpreisträgers Andreas Caminada zu Kunst und Kultur ist eine eigenständige: Als Koch richtet er sie auf dem Teller an. Im Gespräch im Schloss Schauenstein in Fürstenau erzählt er wie.
Für einige seiner Gerichte lässt sich Spitzenkoch Andreas Caminada von Bündner Kulturschaffenden inspirieren
Von maya Höneisen
Im November 2012 wurde Andreas Caminada mit einem Kulturpreis des Kantons Graubünden ausgezeichnet. Manch einer mochte sich damals gefragt haben, ob denn Kochen Kunst und eines Kulturpreises würdig sei. Bei einem Besuch im Schloss Schauenstein in Fürstenau sagt Caminada dazu erst einmal klar und deutlich: «Ich bin ein Handwerker». So weit so gut. Aber was denn nun wirklich? Kulturschaffender oder Handwerker?
<strong>Vor zehn Jahren – solange</strong> steht Caminada schon im Schloss Schauenstein in der Küche – dachte er beim Entwickeln von Gerichten noch nicht im Entferntesten an Kunst. Seine Affinität zur Kultur sei erst langsam und im Laufe der Jahre gewachsen, erzählt Caminada. Die Basis dazu gaben vielfach Gespräche mit Gästen, die oft gleichzeitig auch Künstler waren. Aus diesen Inspirationen heraus begann Caminada neue Verbindungen zu schaffen. «Aus dem normalen Kochstil ausbrechen, nochmals mehr abrunden, dem Essen mehr Tiefe geben», nennt er dies im Gespräch. «Ein Rüebli bleibt immer ein Rüebli», verdeutlicht er, «aber man kann es mit Neuem zusammenfügen».
Caminada legt einen Stoss zusammengefaltete Schächtelchen auf den Tisch. «Ich hörte von einem Bergvolk erzählen, wo die Leute gegen Herzbrand Bergbrand tranken» steht auf einem solchen aufgedruckt. Im Jahr 2007 entwickelte Caminada Produkte mit Spoken Words von Gion Mathias Cavelty und Arno Camenisch. Zu Camenischs Bergbrand gehören 200 Gramm Peperoniconfit. Eine witzige erste Verbindung zur Sprache der Schriftsteller. Die Reihe «Kulinarisch-kulturelle Begegnungen» in der Remise – jeweils vier Mal pro Jahr – in Fürstenau folgte. Dieses Jahr waren unter anderen Daniel Gantenbein, Robert Grossmann, Domenic Janett, Gion A. Caminada, Arno Camenisch und Gion Mathias Cavelty bei ihm zu Gast. Am Herd stand Caminada.
<strong>Der Gedanke an ein Kochbuch</strong> habe längere Zeit im Raum gestanden, erzählt Caminada. Gefallen habe sie ihm aber nie richtig. Näher lag ihm die Idee eines Magazins, um stets aktuell bleiben zu können und eigene Wege zu finden. Der Rahmen eines solchen war für ihn klar. Es sollte ein Magazin mit einem starken Bezug zum Bündner Kulturschaffen und zur Region sein, aber auch über die geografischen Grenzen hinaus interessant bleiben. Für die erste Ausgabe der neu geschaffenen Publikation wählte er aus dem hiesigen Kulturschaffen unter anderen Conrad Jon Godly aus: Inspiration Schnee. Die zweite Ausgabe war Peter Zumthors Bruder-Klaus-Kapelle in der deutschen Eifel sowie Not Vitals Zunge gewidmet.
Um seine eigenen Kreationen zu entwickeln, setzt sich Caminada erst einmal intensiv mit dem Künstler, dessen Gedanken und Werken auseinander. Es brauche Gespür und Intuition für die Tiefgründigkeit eines Werkes und für den Künstler, erzählt er, und anschliessend eine Übersetzung in die eigene Sprache. Manchmal passiere diese spontan, oft aber sei es eine Suche. «Ich beginne, verwerfe wieder, fange erneut von vorne an. Dies solange, bis ich das gefunden habe, was zusammenpasst und für mich stimmt», erklärt er. Vitals Zunge sei übrigens sehr beliebt, ein Super-Gericht, schmunzelt er.
<strong>Caminada beschränkt sich</strong> aber keineswegs nur auf Bildende Kunst oder Architektur. Er sei für alles offen, meint er und beweist dies auch gleich. Begeistert erzählt er von einer der Inspirationsquellen für die nächste Ausgabe seines Magazins, vom Multimediakünstler Peter Diem aus Pratval. Auf dem Teller laufende Lichtinstallationen sollen die passenden Kreationen aus seiner Küche unterlegen. Auch Musik, Theater und erneut Architektur kommen zum Zug. Die Songs von Roman Flepp und seinen Liricas Analas, die Architektur Gion A. Caminadas und Giovanni Netzers Staudamm-Geschichte sollen kulinarisch umgesetzt werden. Wie, das will Caminada noch nicht preisgeben. Nur soviel verrät er: Netzers Arche Noah sei ein anspruchsvolles Ding gewesen. Diese Kreation habe einige Anläufe gebraucht.
<strong>Und an dieser Stelle</strong> nun nochmals die Frage: Kulturschaffender oder Handwerker? Caminada bleibt sich treu: «Ich sehe mich nicht als Kulturschaffender, ich sehe mich als Koch. Aber man darf sich überlegen, ob denn der Kanton Graubünden mit seinen Tälern nicht schon seit jeher eine vielseitige Esskultur pflegte. In diesem Sinne haben wir uns alle im Schloss über den Kulturpreis gefreut.»
Das neue Magazin «Caminada» mit den Rezepten zu den jeweiligen Kulturschaffenden und einer Rezeptsammlung zum 10-Jahr-Jubiläum erscheint Mitte Dezember. Weitere Infos: www.andreascaminada.com.
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