Bunte Klebestreifen gegen verschiedenste Schmerzen
Kinesiotapes oder einfach Tapes heissen die Streifen aus Baumwolle und Elasthan, die bei Sportlern oft zu sehen sind. Sie helfen bei Schmerzen von Muskeln und Gelenken, fördern die Durchblutung und schützen vor Verletzungen und Ermüdungen.
Kinesiotapes oder einfach Tapes heissen die Streifen aus Baumwolle und Elasthan, die bei Sportlern oft zu sehen sind. Sie helfen bei Schmerzen von Muskeln und Gelenken, fördern die Durchblutung und schützen vor Verletzungen und Ermüdungen.
Von Alexandra Bülow (sda)
Viele Profisportler tragen Tapes. Aber auch bei Menschen auf der Joggingstrecke oder im Fitnessstudio ziehen sie sich über Rücken, Arm oder Bein. «Es sind mehrere Meter lange dehnbare Baumwollstreifen mit einer Elastin-Beimischung und hautfreund- lichem Klebstoff, der bei Wärme aktiviert wird», erklärt Sportphysiotherapeut John Langendoen. Sie kommen bei Schmerzen oder Schwellungen an Muskeln und Gelenken aufgrund von Verletzungen und Verschleiss zum Einsatz.
«Tapes werden oft eingesetzt bei Einschränkungen in der Beweglichkeit und bei Kraftlosigkeit der Muskeln», ergänzt Sascha Seifert von der International Taping Association. Helfen sollen sie auch bei Spannungskopfschmerzen oder Menstruationsbeschwerden.
Wie die Tapes wirken, ist noch nicht genau erforscht. Möglicherweise hemmen sie die Schmerzrezeptoren in der Haut. «Das ist vergleichbar mit dem Prinzip, dass man auf den Punkt drückt, an dem man sich gestossen hat – der Druck lindert den Schmerz», erklärt Seifert. Belegt ist laut Langendoen, dass das Lymphsystem aktiviert und die Durchblutung gefördert wird.
Soll ein Muskel oder Gelenk entlastet oder unterstützt werden, wird mit Zug gearbeitet: Das Band wird gedehnt auf die Haut geklebt, beispielsweise auf den Verlauf eines Muskels. «Das setzt die Haut unter Spannung, wodurch ein Reiz an den Muskel gegeben wird», erläutert Physiotherapeutin Ulrike Stocks-Sanio. Soll das Tape lymphatisch wirken, wird es ohne Zug angelegt. «Die Lymphgefässe liegen in der Haut, das Tape wirkt wie eine Bandage nach der Lymphdrainage», erklärt Seifert.
Vor dem Tapen muss jedoch die Ursache der Beschwerden gefunden werden. Sascha Seifert testet dafür die Beweglichkeit, etwa ob der Patient bei Problemen mit der Halswirbelsäule den Kopf in den Nacken legen kann. Und er prüftdie Muskelkraft, um dann festzulegen, wo und wie er das Tape anlegt. Die Wirkung ist in der Regel schnell zu spüren: Der Schmerz lässt nach, die Muskeln entspannen, die Beweglichkeit nimmt zu. «Doch es ist kein Ersatz für eine Therapie», sagt Langendoen. Aber die Behandlung mit Tapes kann kombiniert werden mit manueller Therapie, Akupressur oder Physiotherapie. «Sind die Muskeln durch Tapes entspannter und werden gestützt, erleichtert es dies, Übungen für die Muskeln zu machen», so Langendoen.
Keine Nebenwirkungen
Die Tapes lösen sich nicht durch Duschen oder Schwitzen, doch nach einigen Tagen sollten sie entfernt und neue angelegt werden. Fünf- bis sechsmal sollten die Tapes erneuert werden, die Behandlung dauert also etwa sechs Wochen.
Laut Langendoen sind keine Nebenwirkungen bekannt, abgesehen von möglichen Reaktionen bei empfindlicher Haut. «Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass es nicht wirkt», sagt der Physiotherapeut. Das kann passieren, wenn die Tapes nicht richtig angelegt sind.
Richtiger Sitz ist entscheidend
Stellt sich Brennen oder unangenehmes Ziehen im Muskel ein, sollten die Tapes entfernt werden. Die Beschwerden lassen dann nach dem Entfernen nach. Richtig sitzt alles, wenn der Betroffene die Tapes nicht spürt, dafür aber merkt, dass Schmerzen oder Steifheit sich bessern.
Nicht geeignet ist die Behandlungbei offenen Wunden, Neurodermitis, bei Ödemen aufgrund von Herzproblemen oder Krampfadern. Eine Wohltat sind die Tapes oft für Schwangere, die unter Rückenschmerzen leiden. Osteopathen tapen laut Seifert ausserdem auch bei Symptomen abseits von Muskeln und Gelenken, etwa bei Darmproblemen.
Sinnvoll ist das Anlegen der bunten Bänder auch zur Vorbeugung: Sportler setzen auf den Effekt, dass die Muskulatur nicht so rasch ermüdet und vor Überlastung oder Verletzungen geschützt sein soll. «Wenn ich Ski fahre, meldet sich mein linkes Knie», erzählt die Physiotherapeutin Stocks-Sanio. «Dann klebe ich ein Tape innen und aussen, so wird das Knie entlastet und stabilisiert.»
Tatsächlich sollen nicht nur Kenner des Fachs, sondern auch Laien sich selbst tapen können. Ein bisschen Geschick und Übung braucht es allerdings. Achten sollten Betroffene darauf, keine schlechte Ware zu kaufen, etwa Billigtapes aus Fernost, die laut Seifert Giftstoffe enthalten können. Ob das Band dann schwarz oder pink ist, hat allein mit dem eigenen Geschmack zu tun.
Am besten lässt man sich das Tapen von einem Fachmann erklären. Und kann dann im Idealfall bald schon etwas erleben, was man in Nacken oder Knie schon lange nicht mehr fühlte: wohltuende Ruhe.
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