×

Brüderliche Solidarität mit Rom

Die Franziskaner in Näfels werden im Notfall ihren Brüdern in Rom helfen. Zwar sind sie an den ausgeuferten Finanzgeschäften nicht beteiligt – die bittere Situation betrifft sie aber trotzdem.

Südostschweiz
28.12.14 - 01:00 Uhr
Zeitung

Die Näfelser Franziskaner zeigen Herz für die in finanziellen Schwierigkeiten steckenden Mitbrüder in Italiens Hauptstadt

Von Delia Landolt

Die unangenehme Botschaft ist am 19. Dezember in Näfels eingetroffen. Ein Brief des Generalministers der Franziskaner, Michael Perry, informiert seine Mitbrüder über die Finanzmisere in Rom. Italienische Medien haben von Waffen- und Drogenhandel sowie Investitionen in ein Hotel in der Nähe des Petersdoms gesprochen.

<strong>«Wie weit diese Meldungen</strong> zutreffen, wissen wir nicht», sagt Bruder Gottfried Egger vom Kloster Mariaburg in Näfels. «Wenn es wirklich nötig wird, werden wir helfen. Das ist Solidarität zwischen Mitbrüdern.» Die Situation in Rom löse eine gewisse Betroffenheit im Glarner Kloster aus, so Egger: «Im Brief wurden wir indirekt nach Unterstützung gefragt.» So sollen die Franziskaner nebst den Jahresbeiträgen Rom zusätzlich finanziell unterstützen.

«Der Chef des Ordens in Rom kann die Franziskaner in der Schweiz nicht wie Marionetten steuern. Wir sind rechtlich eine selbstständige Einheit», erklärt Gottfried Egger. Die Nachricht über die unangenehmen Finanzgeschäfte prallt dennoch nicht einfach an den Näfelser Klostermauern ab. «Wir waren perplex», berichtet der Priester Gottfried Egger von der Reaktion in der Mariaburg. Fachleute untersuchen die Anschuldigungen in Rom. So ist bis jetzt noch nicht sicher, was alles wahr ist und was nicht.

Verantwortlich gemacht für den Skandal wird der ehemalige Schatzmeister der Franziskaner, Pater Giancarlo Lati. «Er war nicht der Richtige für die Aufgabe als Generalökonom. Wahrscheinlich wurde Lati in Geschäfte hineinmanövriert, die er nicht wollte», so die Meinung Eggers. Drittpersonen haben möglicherweise zu viel Einfluss auf den Bruder genommen. Aufgeflogen sind die Geldspielereien durch die Renovation des Hotels in Rom.

Dazu kann Bruder Gottfried nur Vermutungen wiedergeben, die er gehört hat: «Das Hotel müsse im Besitz des zentralen Verwaltungssitzes gewesen sein.» Es sei früher ein Waisenhaus gewesen, das von Franziskanern geführt wurde. Seit 20 Jahren stehe das aber leer und könnte von der öffentlichen Hand enteignet werden. Wahrscheinlich wollte man das verhindern. Gleichzeitig erhoffte man sich möglicherweise aus dem renovierten Hotel Erträge für andere franziskanische Institutionen. Ob das der Wahrheit entspreche, kann Bruder Gottfried nicht sagen, denn er selbst sehe da zu wenig durch.

Ob wirklich Gelder aus den Finanzen für den Waffenhandel eingesetzt wurden, wie Medien berichteten, ist für Bruder Gottfried eher unwahrscheinlich. Franziskaner fühlen sich doch verpflichtet, sich für Frieden einzusetzen – da passen Waffen nicht ins Bild. Das Gleiche kann von den angeblichen Drogen- geschäften gesagt werden. Franziskaner haben humanitäre Werke aufgebaut, in denen Drogenabhängige betreut werden. «Den Süchtigen wird natürlich geholfen. Dadurch, dass auch Laien mitarbeiten, könnte der Ökonom Giancarlo Lati negativ beeinflusst worden sein.»

<strong>Für die Brüder </strong>aus Näfels ist die Franziskanergeneralkurie in Rom ein «Familienmitglied», das in Schulden geraten ist. Aber es hat auch Auswirkungen auf die weltweite Bruderschaft: «Das schadet dem Image des Ordens. So geht eben auch das Vertrauen in uns verloren», besagt Bruder Gottfried. Eines steht aber fest: «Die Spendengelder aus der Kasse des Schweizerischen Missionsvereins der Franziskaner werden nicht nach Rom fliessen. Damit unterstützen wir weiterhin Brüder in Syrien oder Palästina und überall auf der Welt, wo Not herrscht.»

Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Könnte euch auch interessieren
Mehr zu Zeitung MEHR