Brand im Hintertreffen, Parolini auf Überholspur
SVP-Nationalrat Heinz Brand verliert Stimmen, alle übrigen Regierungsratskandidaten legen zu: Das zeigt das Resultat der zweiten gross angelegten Umfrage zu den Regierungsratswahlen.
SVP-Nationalrat Heinz Brand verliert Stimmen, alle übrigen Regierungsratskandidaten legen zu: Das zeigt das Resultat der zweiten gross angelegten Umfrage zu den Regierungsratswahlen.
Von Dario Morandi
Chur. – In der Zentrale der Bündner SVP sollten eigentlich die Alarm- glocken schrillen: Nationalrat Heinz Brand, zu Jahresbeginn von Polit- auguren noch als Favorit für den frei werdenden Sitz von BDP-Regierungsrat Hansjörg Trachsel gehandelt, ist plötzlich ins Hintertreffen geraten. Auf der «Rangliste» der zweiten Umfrage für die Regierungsratswahlen vom 18. Mai muss Brand mit dem zweitletzten Platz vorliebnehmen. Er positioniert sich aktuell vor dem «Schlusslicht». Dieses ist der Grünliberale Jürg Kappeler, der seinen Stimmenanteil aber immerhin von 16 auf 18 Prozent steigern konnte.
Ein schlechtes Omen
Ende Februar, nach dem ersten grossen Stimmungstest des Meinungsforschungsinstituts Demoscope, sicherten noch 35 Prozent der über 1000 befragten Bündnerinnen und Bündner dem SVP-Nationalrat ihre Gefolgschaft an der Urne zu. Inzwischen haben sich zwei Prozent anders entschieden. Kein grosser Einbruch zwar, aber dennoch ein schlechtes Omen für Brand und ein gutes für seinen direkten Konkurrenten von der BDP. Grossrat Jon Domenig Parolini konnte sich bei der zweiten, ebenfalls von der Radio e Televisiun Rumantscha (RTR) und der «Südostschweiz» in Auftrag gegebenen Umfrage gleich um fünf Punkte von 31 auf 36 Prozent verbessern.
Parolini könnte es knapp schaffen
Der BDP-Präsident sitzt nun vor Brand auf Platz 5. Würde heute gewählt, könnte der Scuoler Gemeindepräsident den Einzug ins Graue Haus knapp schaffen. Zulegen konnte Parolini übrigens auch parteiintern: Dort sprachen sich bei der ersten Befragung noch eher magere 58 Prozent der BDPler für ihn aus. Jetzt scharen sich 74 Prozent um ihn.
Brands Rückhalt in der eigenen Partei beträgt unverändert satte 84 Prozent. Verloren hat er jedoch in den Reihen der CVP und der BDP, wo elf beziehungsweise fünf Prozent weniger für ihn stimmen werden. Dafür scheint Brand bei der FDP viele Schwestern und Brüder im politischen Geiste zu haben. Dort stieg Brands Popularitätsgrad von 24 auf 42 Prozent. Erstaunlich ist hingegen sein «Taucher» im Stammland Prättigau: Ein Minus von sieben Prozent müsste ihm da ebenso zu denken geben wie der zehnprozentige Einbruch im Misox, im Puschlav und im unteren Bergell.
Parolini scheint in den Regionen ohnehin besser anzukommen als sein Konkurrent von der SVP: Mit Aus-nahme der Regionen Misox, Puschlav und unteres Bergell, wo für ihn ein 4-Prozent-Minus zu Buche schlägt, konnte sich Parolini im Vergleich mit der ersten Umfrage in allen übrigen Regionen zwischen vier und neun Prozentpunkte verbessern.
Für die bisherigen Regierungsmitglieder sieht es bestens aus. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird da niemand abgewählt. Das Quartett konnte zwischen vier und neun Prozent an Stimmenpotenzial zulegen. Angeführt wird die «Hitparade» nach wie vor von Regierungsrätin Barbara Janom Steiner (BDP). Für sie sprechen sich 61 Prozent der Befragten aus, fünf Prozent mehr als bei der ersten Befragung. Dicht auf den Fersen ist ihr CVP-Kollege Mario Cavigelli mit einem Stimmenzuwachs von 54 auf 59 Prozent. Bei ihm fällt auf, dass er ausgerechnet im Einzugs- gebiet der «lavina nera», in der Surselva, einen Aderlass von drei Prozent erlitten hat.
Frauen lieben Rathgeb nun doch
Der Dritte im Bunde ist Justizdirektor Christian Rathgeb (FDP) mit 46 Prozent (plus fünf Prozent). Dieser ist übrigens in der Gunst der holden Weiblichkeit gestiegen. Statt nur 35 Prozent wie bei der ersten Umfrage würden jetzt 44 Prozent der befragten Frauen den Gesundheitsminister wiederwählen. Den letzten Platz belegt SP-Regierungsrat Martin Jäger mit einer 44-Prozent-Zustimmung, das sind vier Prozent mehr. Sein Rückhalt in der Partei, der zunächst bei 89 Prozent lag, scheint mit einem Minus von sieben Prozent leicht schwindsüchtig zu sein, dafür haben ihn SVPler mehr lieb: Dort stieg sein Wähleranteil von 15 auf 25 Prozent.
Für die repräsentative Umfrage befragte das Meinungsforschungsinstitut Demoscope in der zweiten Aprilhälfte 1001 wahlberechtigte Personen. Die Antworten wurden anschliessend gewichtet, der Messfehler beträgt laut Demoscope maximal +/- 3.1 Prozent. Sämtliche Resultate sind auf www.suedostschweiz.ch/3106603 einzusehen.
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