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Blechpolizist bleibt im Dienst

Der einträglichste Blechpolizist der Schweiz bleibt im Dienst. Statt wie geplant Ende Jahr abgebaut zu werden, erhält der Radarkasten von San Vittore eine Galgenfrist. Bei den einen klingelt weiter die Kasse, bei den anderen steigt der Blutdruck.

Südostschweiz
04.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Der Radar von San Vittore blitzt trotz 20 Jahren Dienst noch eine Weile weiter

Von Pierina Hassler

Er ist 20 Jahre alt, rostig, und die Farbe blättert ab. Der Blitzkasten auf der A13 bei San Vittore im Misox glänzt aber nicht mit Äusserlichkeiten. Es sind seine inneren Werte, die ihn wertvoll machen.

Der Blitzer von San Vittore ist nämlich die Geldmaschine unter den Schweizer Blitzkästen. 2013 spülte er fast sieben Millionen Franken in die Kasse des Kantons Graubünden. Der Betrag für 2014 liegt zwar noch nicht vor, er dürfte sich aber in etwa im gleichen Rahmen bewegen. Die Misoxer Radarfalle brachte übrigens doppelt so viel ein wie alle zwölf stationären Radarfallen der Kantonspolizei Zürich zusammen. Dies ergab eine Befragung durch die «Sonntags-Zeitung» im letzten Frühling.

<strong>Ende Jahr Hätte</strong> der ergiebige Blitzkasten eigentlich abmontiert werden sollen. Grund: die Umfahrung Roveredo. Die Fahrbahn wird erweitert, die Gefahrenquelle fällt somit weg. Im Herbst wurde mit den Bauarbeiten des Zubringers San Vittore begonnen. Dieser bindet die Gemeinde mittels einer 1,5 Kilometer langen Zubringerstrasse über zwei Kreiselbauwerke an die Nationalstrasse an.

<strong>Aber der Radarkasten</strong> steht im Moment noch. «Der Strassenabschnitt mit dem Radar ist von den Bauarbeiten noch nicht betroffen», sagt Thomas Hobi, Mendiensprecher bei der Kantonspolizei Graubünden. «Sobald aber auch dieses Teilstück in die Arbeiten integriert wird, muss der Kasten weg.» Wann es so weit sei, könne er noch nicht genau sagen.

Die vielen Autofahrer, die sich gefreut hatten, dass der lästige Blitzer verschwinde, mögen frustriert sein. Die Kantonspolizei hingegen trauert dem Blitzer jetzt schon nach. Gegenüber der «Sonntags-Zeitung» sagte William Kloter, Regionenchef der Kantonspolizei im Misox, damals: «Dieses Gerät hat uns oft geholfen, schwierige Kriminalfälle zu lösen.»

Letzten August sei zum Beispiel ein Dieb und notorischer Verkehrsrowdy überführt worden. Vor 14 Jahren wurden wegen dieses Radarkastens sogar zwei Mörder überführt: Zwei Rumänen hatten eine damals 31-jährige Tessinerin, die schwanger war mit Zwillingen, ermordet. Überführt wurden die Täter auch dank eines Fahndungsfotos, das entstand, als die Männer vom Radar von San Vittore geblitzt wurden.

<strong>Bis auf Weiteres</strong> werden Autofahrer bei San Vittore also geblitzt. Im Durchschnitt 142-mal im Tag. Dabei könnten sie es gut vermeiden denn der Rekordblitzer ist laut der Bündner Kantonspolizei ausserordentlich gut angeschrieben. Die Autos würden von der Gotthardstrecke mit einer Höchstgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern kommen, sagte William Kloter von der Kantonspolizei Graubünden damals zur «Sonntags-Zeitung.»

Nach der Abzweigung zur A13 würden nicht weniger als drei mannshohe Schilder mit Tempolimit 80 stehen. Komme dazu, dass vier Kilometer vor dem Blitzer noch eine zwei Meter breite Tafel mit «Radar» beschriftet sei. «Man kann wirklich nicht sagen, dass dieses Gerät hinterhältig aufgestellt ist.»

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