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Billig-Barbiere bedrängen Schweizer Coiffeure

Die Luft im Schweizer Coiffeurmarkt wird dünn. Billiggeschäfte, in denen Friseure ohne Schweizer Lehrabschluss arbeiten, bringen die herkömmlichen Geschäfte in Bedrängnis.

Südostschweiz
17.07.14 - 02:00 Uhr

Von Stefan Sonderegger (sda)

Bern. – «Die Billigsalons schiessen wie Pilze aus dem Boden», sagt Kuno Giger, Präsident des Branchenverbandes Coiffure Suisse. Dabei handelt es sich oft um sogenannte Barbiere, die Männern die Haare mit kleinen Maschinen kürzen. Meist sind es Ausländer. Genaue Zahlen sind nur schwierig erhältlich. Von rund 12 000 Coiffeursalons beschäftigten im Juli weniger als 40 Prozent gelernte Arbeiternehmer, wie Daten der paritätischen Kommission für das Coiffeurgewerbe zeigen. Die Angaben sind aber mit Vorsicht zu geniessen, da beispielsweise nicht klar ist, welche Ausbildung die Salon-Inhaber haben. Hinzu kommen geschätzte 5000 «Badewannen-Coiffeusen». Dabei handelt es sich normalerweise um Frauen, die bei sich zu Hause als Nebenverdienst günstig Haare schneiden.

Haarschnitt ab 25 Franken

Die Billiggeschäfte bringen die traditionellen Coiffeursalons, bei denen ein Herrenschnitt bisweilen über 50 Franken kostet, unter Druck. «Der Preiskampf hat sich verschärft», sagt Giger. In Grenzregionen wie im Tessin sei der Wettbewerb besonders hart. Aber auch in den Städten gibt es immer mehr Billigcoiffeure. In Zürich etwa hat der syrische Kurde Ghamkin Saleh mit fünf Salons ein kleines Billigcoiffeur-Imperium errichtet. Einen Herrenschnitt gebe es bei ihm ab 25 Franken, sagt Saleh. Frauen, die nur rund ein Viertel der Kundschaft ausmachen, bezahlten ohne Waschen 35 Franken.

«Die meisten unserer Kunden waren früher bei einem Schweizer Coiffeur», sagt Saleh, der mehrheitlich Ausländer beschäftigt. «Sie kommen zu uns, weil wir billiger und schneller sind.» Ein Herrenhaarschnitt daure bei ihm eine Viertelstunde. Das sei ein Vorteil bei den häufig gestressten Schweizer Kunden.

Goldmedaille für die Schweiz

Der grosse Unterschied zwischen den Billigsalons und den traditionellen Geschäften ist die Lohnpolitik. Da Barbiere von den Lohnbestimmungen der Branche ausgenommen sind, können sie tiefere Gehälter zahlen. Mit ausgebildetem Schweizer Personal könnten sie die Kosten nicht decken, sagt Coiffure-Suisse-Präsident Giger. Zudem bilden sie keine Lehrlinge aus, was die Kosten weiter senkt. Erst vor einem Jahr hatten sich Gewerkschaften und Arbeitgeber darauf geeinigt, dass der Mindestlohn für Coiffeure mit Schweizer Lehrabschluss auf 3800 Franken angehoben werden soll. Aktuell verdient ein ausgebildeter Coiffeur mindestens 3600 Franken.

Das Berufslehre-System gebe es eben nicht gratis, sagt Giger, der in Kreuzlingen (Thurgau) selbst einen Salon betreibt und Lehrlinge ausbildet. «Qualifizierte Fachkräfte mit einer guten Ausbildung haben Anrecht auf einen anständigen Lohn.» Bei internationalen Wettbewerben zeige sich die hohe Qualität der Profis regelmässig. So habe das Schweizer Seniorenteam an der Weltmeisterschaft im Mai die Goldmedaille geholt.

Billigcoiffeur zahlt gut

Barbier Saleh, der nicht Mitglied bei Coiffure Suisse ist, hat zwar keine Medaille vorzuweisen. Dennoch weist er auf die hohe Qualität seiner Coiffeure hin: «Die Kunden sind sehr zufrieden mit unserer Arbeit», sagt Saleh. Zudem zahle er allen seiner rund 50 Angestellten 3600 Franken im Monat. Hinzu komme eine Umsatzbeteiligung. «Bei uns verdienen grundsätzlich alle gleich viel – egal, ob sie eine Lehre gemacht haben oder nicht.»

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