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Bevölkerung fordert Tunnel zur Dorfumfahrung von Zizers

Die Bevölkerung von Zizers hat genug vom Durchgangsverkehr und will eine Umfahrung, wie sich an einer Informationsveranstaltung zur Verkehrssituation zeigte. Der Gemeindevorstand will jetzt das Vorgehen besprechen.

Südostschweiz
12.10.10 - 02:00 Uhr
Zeitung

Von Reto Furter

Zizers. – Rund 9000 Fahrzeuge fahren täglich im Durchschnitt durch Zizers – viel zu viel für die Zizerser Einwohner. Sie haben darum an einer Informationsveranstaltung zur Einführung von Tempo-30-Zonen in Zizers am Freitagabend die Gelegenheit genutzt, Tacheles zu reden und eine Umfahrungsstrasse für Zizers gefordert.Infrage käme für eine solche Umfahrungsstrasse am ehesten eine offene Linienführung vom A13-Anschluss Zizers entlang der Bahnlinien von SBB und Rhätischer Bahn (RhB) bis zur Einmündung in die jetzige Kantonsstrasse nördlich der Schlundrüfi in Igis. Denkbar sei auch eine Tunnelvariante, wie sich an der Veranstaltung gezeigt habe, sagt der zuständige Zizerser Gemeindevorstand Edy Biechler.

Tiefbauamt kennt Pläne noch nicht

Beim Tiefbauamt Graubünden reagiert man überrascht auf die Wünsche aus Zizers. Eine Dorfumfahrung sei derzeit «kein Thema», sagt der stellvertretende Amtsleiter Roger Stäubli. Man habe in den letzten Jahren nie über ein solches Projekt diskutiert.Billig wird eine Dorfumfahrung von Zizers nicht werden, so viel ist sicher. Bei einer Tunnelvariante kann man laut Stäubli als groben, durchschnittlichen Schätzwert von rund 50 Millionen Franken je Kilometer ausgehen. Ein Tunnel östlich von Zizers käme demnach auf Kosten von deutlich über 100 Millionen Franken zu stehen. Billiger wäre eine offene Linienführung, allerdings sind dort eine grössere Anzahl Unter- und Überführungen und Kunstbauten nötig, um die Autobahn A13 und die SBB- und RhB-Gleise südlich von Zizers zu queren.Noch nichts gesagt ist damit aber über die Realisierungschancen generell. Für den Kanton habe eine Umfahrungsstrasse Zizers «nicht erste Priorität», so Stäubli. Grund dafür ist die Autobahn A13, auf der man Zizers ja bereits heute umfahren könne.

Planungsstudie schon von 1985

Auch wenn sich das Tiefbauamt Graubünden jetzt überrascht zeigt über die Wünsche der Zizerser Bevölkerung: Neu sind solche Projektideen keineswegs. Bereits 1985 hatte der Churer Verkehrsplaner Peter Hartmann eine unveröffentlichte Studie über eine mögliche Ortsumfahrung verfasst. Hartmann schlug darin drei Streckenvarianten vor, und zwar eine entlang des – heute teils bebauten – Böschungsfusses und zwei Varianten entlang der Bahnlinien: eine westlich der SBB-Gleise, die andere östlich des RhB-Gleises. Auch diese beiden Varianten tangieren heute teilweise überbaute Gebiete.1989 reichte der Kulturingenieur Beat Rihm eine Umweltverträglichkeitsprüfung für die drei Varianten nach. Er kam zum Schluss, dass sich hinsichtlich des Landschaftshaushaltes keine der drei Varianten abhebe. Wichtig sei allerdings, so schrieben Rihm und Hartmann, die Funktion der Autobahn A13 zu überdenken. Wenn sie nicht in der Lage sei, den gesamten Durchgangsverkehr von den Dörfern fernzuhalten, seien Änderungen bei den Anschlüssen nötig.Von solchen Überlegungen ist der Zizerser Gemeindevorstand noch weit entfernt. Man werde das weitere Vorgehen nach der Informationsveranstaltung jetzt im Gremium diskutieren, sagt Biechler. Möglicherweise werde die Zizerser Bevölkerung dann über einen ersten Planungskredit abstimmen können. Vor zwei oder drei Jahren sei das aber wohl noch kein Thema.

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