Berglandwirtschaft ist in ihrer Existenz bedroht
Die zunehmende Grossraubtierproblematik spaltet je länger je mehr unsere Gesellschaft. In einer renommierten stadtzürcherischen Zeitung stand diesbezüglich geschrieben, dass die Akzeptanz wilder Tiere einer «ökologisch-urbanen Bevölkerung» (was immer das ist?
Die zunehmende Grossraubtierproblematik spaltet je länger je mehr unsere Gesellschaft. In einer renommierten stadtzürcherischen Zeitung stand diesbezüglich geschrieben, dass die Akzeptanz wilder Tiere einer «ökologisch-urbanen Bevölkerung» (was immer das ist?
Zum Artikel «‘Letztlich ist der Wolf ein Konkurrent’» in der Ausgabe vom 12. September.
) eine Tatsache sei, die wir akzeptieren müssten.
Was ist mit dem Wunsch der ökologisch ländlichen Bevölkerung – zu der ich mich als Bio-Bauer zähle – unsere Tiere in Sicherheit auf den Alpen weiden zu können? Kann dieser Wunsch einfach ignoriert werden?
Im Gegensatz zur urbanen Bevölkerung, die keine Lebensmittel produziert und sich alles aus dem Laden besorgen kann, hängt unser Leben davon ab, dass wir unsere Tiere in unseren Graslandgebieten sicher weiden können.
Ein Blick ins angrenzende Italien und nach Frankreich, wo es viel mehr Grossraubtiere als in der Schweiz hat, zeigt, dass die Landwirte dort trotz Herdenschutz sehr grosse Verluste durch gerissene Tiere haben. Das Weiden auf den Alpen ist in diesen Gebieten ernsthaft gefährdet. In der Schweiz wird es auch bald so weit sein, da die Wolfspopulation jährlich um etwa 30 Prozent zunimmt. Zusätzlich ist der Bär im Anmarsch.
Wie auch verschiedene Beispiele in Graubünden gezeigt haben, können Grossraubtiere nur beschränkt am Töten gehindert werden, da sie sich den Schutzmassnahmen anpassen.
Ich fühle mich keineswegs verpflichtet, den Wunsch der «ökologisch urbanen Bevölkerung» zu akzeptieren, da meine Lebensrealität eine ganz andere ist. Die Anwesenheit von Grossraubtieren bedroht direkt unsere Existenz. Die kleinräumige dicht besiedelte Schweiz kann nicht mit Verhältnissen wie in Alaska oder anderen grossen Naturreservaten verglichen werden. Die schweizerische Berglandwirtschaft leistet einen immer grösseren, vom Staat in Auftrag gegebenen, Beitrag zum Erhalt der nationalen Biodiversität. Jedenfalls einen grösseren, als der von gewissen Kreisen aus der sicheren Stadt, zur «Öko-Ikone» hochstilisierte Wolf.
Georges Stoffel, Avers
Zum Artikel «‘Letztlich ist der Wolf ein Konkurrent’» in der Ausgabe vom 12. September.
Dass man wegen der Wölfe als Wanderer keinen friedlichen Hirsch mehr bewundern kann, ist wohl ein Witz. Seit Jahren kann der Wanderer wegen des hohen Jagddrucks keine Zufallsbekanntschaften mehr mit Wildtieren machen, ausser er geht in die Nähe der Asyle, was ja nicht gerade wünschenswert ist.
Seit Jahren behauptet die Jägerschaft, dass die Jagd nötig sei, weil es keine natürlichen Feinde mehr gebe und man den zu hohen Hirschbestand regulieren müsse. Ein Wolfsrudel kann erfolgreich Wild jagen und es jagt – im Gegensatz zu unserer Jägerschaft – hauptsächlich die schwächsten Tiere. Das garantiert einen gesunden Genpool und die Sonderjagd erübrigt sich. Die Natur regelt am Besten – und zwar ohne uns. Der Jäger hat keinen Anspruch auf Beute.
Dass wir alle uns an eins der schönsten Wildtiere, den Wolf, gewöhnen müssen, auch in der Nähe von Dörfern, ist ein längerer Prozess. Das Feindbild vom Wolf, das wir Menschen über Jahrhunderte in uns tragen, ist mehr Ausdruck unserer Ängste und Vorstellungen als den Tatsachen entsprechend. Jeder Hundebesitzer ist zudem angehalten, seinen Hund im Wald an der Leine zu lassen. Nur die Jäger glauben, dass sie da auch neben der Jagd andere Privilegien hätten.
Nicht zuletzt ist die Niederjagd ein kontraproduktives Geschehen. Da werden Mäusejäger bezahlt, dabei ist doch der Fuchs und der Marder ein idealer Regulierer der Nager und eine ideale Lösung für die Biodiversität. Wir vernichten auf der Niederjagd wertvolle Ressourcen, die die Natur ganz von alleine bietet.
Dass die Nachsuche mit dem Schweisshund in einem Wolfsgebiet anderes verläuft, nämlich mit Schleppleine, ist auch klar. Obwohl ein Rudel kaum in der Nähe einer Nachsuche bleiben würde, weil der Wolf den Menschen extrem scheut. Viele Nachsuchen bleiben zudem erfolglos, für Wölfe sind jedoch gerade verletzte Tiere eine willkommene Mahlzeit, wenn man sie denn lässt!
Dass Ständerat Stefan Engler als passionierter Jäger die Regulation des Wolfes fordert, überrascht nicht. Der Wolf ist für Herrn Engler ein Fressfeind, obwohl sich dieser auch im Restaurant Fleisch leisten könnte und unsere Gastroszene unterstützen sollte! Kann man da noch als Heger gelten? Bei Herr Engler sind klar persönliche Interessen im Spiel – nicht gerade eine Auszeichnung für einen Politiker.
Jedes Tier hat einen wichtigen und nützlichen Platz im Ökosystem unserer Wälder. Wir müssen uns ein Herz fassen. Diese Probleme sind aus der Sicht des heutigen Kriegsgeschehens auf der ganzen Welt gar keine. Wir sollten alle toleranter werden, dem Menschen und vor allem der Vielfalt unserer Wildtiere gegenüber.
Marion Theus, Präsidentin Wildtierschutz Schweiz, Klosters
Zum Artikel «‘Letztlich ist der Wolf ein Konkurrent’» in der Ausgabe vom 12. September.
Seit jeher wird die Jagd damit begründet, dass in hiesigen Wäldern der natürliche Feind des Wildes fehle und die Bestandesregulation deshalb durch den Menschen geschehen müsse.
Nun ist dem – zumindest im Gebiet des Calandamassivs – nicht mehr so. Der natürliche Feind ist hier, das Wild reagiert adäquat und verhält sich vorsichtiger. Die Jäger könnten sich zurückziehen, die Aufgabe der Bestandesregulation ist wieder in der Hand der Natur.
Doch nun soll der Wolfsbestand reduziert werden, weil die Jäger um ihre Freude am Töten von Tieren gekommen sind? Weil sie das Verhalten des nun vorsichtigeren Wildes nicht mehr vorhersehen können?
Im Gegensatz zum Jäger ist das Jagen für Wölfe nicht Hobby, sondern Lebensgrundlage. Jäger des Wolfsgebietes: seien Sie glaubwürdig und folgen Sie konsequent Ihren bisherigen Aussagen über die Notwendigkeit der Jagd, weil jetzt ein natürlicher Feind des Wildes hier ist, der sich der Regulation annimmt. Suchen Sie sich eine neue Freizeitbeschäftigung.
Silvana Manzanell, Bonaduz
Zum Artikel «Kritik an ‘Scuol Palace’-Renovation» in der Ausgabe vom 12. September.
Wer die Sendung «Schweiz aktuell» des Schweizer Fernsehens vom 11. September verpasst haben sollte, dem sei ein Nachschauen über podcast empfohlen. Man reibt sich die Augen. Da werden Blicke freigegeben auf die seit Wochen traktierten und entsprechend versehrten spätklassizistischen Fassaden eines national bedeutenden Baudenkmals und Akteure gezeigt, die wie selbstverständlich davon ausgehen, dass solch zerstörerisches, ohne ordentliche Baubewilligung erfolgtes Wirken tolerierbar sei.
Was momentan mit dem ehemaligen Kurhaus Tarasp in Nairs passiert, ist schlichtweg skandalös. Der amerikanische Investor Avi Nakash lässt im Fernsehen verlauten, es käme wohl billiger, das alte Gebäude durch einen Neubau zu ersetzen, er aber wolle es renovieren. Nur nebenbei erwähnt: Einen Abbruch des monumentalen Komplexes verunmöglicht allein schon die geltende Nutzungsplanung!
Wunderbar seine Absicht, das Hotel zu revitalisieren und Nairs «den Glanz vergangener Zeiten zurückzubringen». Ob ihm dies mit einer Fassadenkopie aus Styropor gelingt? Nakash ist schlecht beraten, wenn er gerade die Einzigartigkeit der Architektur als Unique Selling Proposition fahrlässig verscherzt.
Gefragt sind hier nachhaltige Konzepte, die auf einer Wertschätzung des Vorhandenen basieren und auf dem Willen, aus dem Bestehenden heraus etwas zu entwickeln. Auf dass möglichst viel der wertvollen historischen Bausubstanz dieser «Old Lady», wie Nakash das Gebäude liebevoll nennt, original erhalten bleibe. Eine sanfte Renovation unter Beachtung denkmalpflegerischer Standards – und die nachkommenden Generationen werden ihm für immer dankbar sein, diesen Pionierbau des Unterengadiner Tourismus gerettet zu haben!
Ludmila Seifert, Geschäftsführerin Bündner Heimatschutz, Chur
Zum Artikel «Halb Europa ist zu Besuch in Vals» in der Ausgabe vom 13. September
Rund 1000 Gäste aus zahlreichen europäischen Ländern sind nach Vals angereist, um den europäischen Dorferneuerungspreis zu feiern. Ein herzliches «Vergälts Gott» der Valser Bevölkerung! Mit viel Herzblut und enormem Arbeitseinsatz haben die Valserinnen und Valser dieses tolle Fest organisiert und durchgeführt. Auch Petrus hatte es mit den Menschen im Peterstal gut gemeint.
Delegationen von Gemeinden und Regionen aus Deutschland, Österreich, Italien, Belgien, Luxemburg, der Niederlande, Polen Tschechien, Slowakei, Ungarn und Slowenien sind mehrheitlich zum 1. Mal nach Vals angereist, um unser wunderschönes Bergdorf in bester Festlaune mit breitem kulinarischem Angebot und musikalischen Darbietungen zu geniessen.
«Enges Tal – Weite Welt» wurde mit diesem Anlass sprichwörtlich umgesetzt. Die Valser Bevölkerung kann stolz sein, diesen Anlass so hervorragend organisiert zu haben.
Alfons Furger-Sciamanna , Chur/Vals
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