Bergbähnler klagen, Hoteliers zufrieden
Der Schneemangel in der Vorsaison hat den Bündner Bergbahnen arg zugesetzt. Viele Wintersportler blieben zu Hause und kamen erst zur Jahreswende nach Graubünden.
Der Schneemangel in der Vorsaison hat den Bündner Bergbahnen arg zugesetzt. Viele Wintersportler blieben zu Hause und kamen erst zur Jahreswende nach Graubünden.
Von Dario Morandi
Chur. – Im Branchenverband Bergbahnen Graubünden herrscht momentan so etwas wie Alarmstufe Rot. Ausrechnet an den sonst umsatzstärksten Festtagen zwischen dem 27. und 30. Dezember herrschte auf den Pisten tote Hose. Wie aus dem Tourismusmonitoring des Verbandes hervorgeht, müssen die Bahnen einen Umsatzverlust von rund 20 Prozent hinnehmen. Grund dafür ist der Schneemangel in der Vorsaison. Und als es endlich geschneit habe, hätten viele Gäste ihre Skigebietsbesuche reduziert oder seien von misslichen Strassenverhältnissen abgeschreckt worden, hält der Verband in einer Medienmitteilung fest.
Nur schwer aufzuholen
Der verpasste Feiertagsumsatz lasse sich bis zum frühen Ostertermin 2015 nur noch schwer aufholen, glaubt Verbandspräsident Silvio Schmid. Dies gilt seiner Meinung nach insbesondere für die kleineren und tiefer gelegenen Gebiete, die wegen der warmen Temperaturen in der Vorsaison die künstliche Beschneiung nur bedingt einsetzen konnten oder gar nicht über Schneeanlagen verfügen.
Bis zu 35 Prozent weniger
Während das Oberengadin die Gästefrequenzen auf dem Vorjahresniveau halten konnte, traf es Mittelbünden mit Arosa knüppelhart: Dort fehlen nach den Erhebungen des Verbandes bis zu 35 Prozent Umsatz, in den Regionen Surselva sowie Davos-Klosers sind es knapp 21 und im Unterengadin elf Prozent.
Den Kopf hängen lassen wollen die Bergbähnler aber trotz des Fehlstarts nicht. «Die winterliche Stimmung auch in tiefen Lagen werte ich als sehr positiv, denn unsere Gäste haben einen Nachholbedarf nach Sonnenschein und Schneevergnügen, den wir befriedigen möchten», erklärt Schmid. Ausserdem seien die Frequenzen am Neujahrstag und gestern «hervorragend gewesen».
Weit weniger Stornierungen
In der Hotellerie wurde zunächst mit dem Schlimmsten gerechnet: kein Schnee, keine Gäste. Doch es kam anders. «Bis jetzt habe ich nur positive Rückmeldungen erhalten», sagt Ernst Wyrsch. Wegen des Schneemangels habe es weit weniger Stornierungen gegeben als ursprünglich befürchtet, weiss der Präsident des Dachverbandes Hotelleriesuisse Graubünden. Das hat seiner Meinung nach aber nur bedingt mit den Schneefällen zwischen Weihnachten und Neujahr zu tun. Die Hotellerie könne auf viele treue Stammgäste zählen. Wyrsch: «Die kommen auch zu uns, wenn es keinen oder nur wenig Schnee hat.»
Ein leichter Zuwachs in Sicht
Trotz des starken Frankens und der stagnierenden Volkswirtschaften im Ausland hätten die Gäste erstaun- licherweise viel Geld ausgegeben. Wyrsch weiss weshalb: Die Löhne seien nach wie vor üppig und an der Börse sei das Geschäft gut gelaufen. Und das wirkt sich wiederum positiv auf die Geschäfte der Hotellerie aus. «Wir gehen davon aus, dass die Zahl der Logiernächte in dieser Wintersaison leicht über dem Vorjahr liegen dürfte», prognostiziert er.
Hotels von Rubelkrise betroffen
In welchem Umfang die Bündner Hotellerie die Rubelkrise in Russland zu spüren bekommen wird, lässt sich laut Wyrsch momentan kaum abschätzen. Er geht davon aus, dass in Graubünden etwa zehn Luxusherbergen von dieser Entwicklung betroffen sein dürften. Es gebe darunter einige «russenrelevante Häuser», die wegen des Rubel-Problems wohl früher oder später Umsatzeinbussen in Kauf nehmen müssten. Branchenkenner rechnen in diesem Zusammenhang mit möglichen Einnahmeausfällen von bis zu 30 Prozent.
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