Bei Medvescak Zagreb redet ein Schweizer mit
Bei Medvescak Zagreb, das heute am Spengler Cup debütiert, zieht mit Daniel Zimmermann ein Schweizer die Fäden im Marketingbereich. Der 49-Jährige hat entscheidend mitgeholfen, die Eishockey-Begeisterung in Kroatien zu schüren.
Bei Medvescak Zagreb, das heute am Spengler Cup debütiert, zieht mit Daniel Zimmermann ein Schweizer die Fäden im Marketingbereich. Der 49-Jährige hat entscheidend mitgeholfen, die Eishockey-Begeisterung in Kroatien zu schüren.
Von Hansruedi Camenisch
Eishockey. – Daniel Zimmermann arbeitete für den Sportvermarkter IMG, ehe er sich 1994 selbständig machte und seine Fühler nach Kroatien ausstreckte. Seine ersten Beziehungen zur Region knüpfte er um die alpinen Ski-Weltcuprennen in Maribor und Kranjska Gora. Der Zentralschweizer kümmerte sich auch um Skirennfahrer wie den Slalom- und Riesenslalom-Spezialisten Jure Kosir. Später kam er zum Eishockey beziehungsweise zu Medvescak Zagreb, das zurzeit seine zweite Saison in der russisch geprägten Kontinental Hockey League (KHL) bestreitet.
Das kleinste Budget in der KHL
Medvescak Zagreb verfügt mit sieben Millionen Euro über den kleinsten Etat in der KHL. Dieses Budget ausgeglichen zu gestalten sei nicht einfach, bemerkt Zimmermann. Hauptsponsor ist der russische Energiekonzern Gazprom, das weltweit grösste Erdgasförderunternehmen. Der Klub und sein Marketingchef unternahmen spektakuläre Aktionen, um Medvescak in Kroatien und über die Landesgrenzen hinaus bekannt zu machen. Für Schlagzeilen sorgten etwa Freiluftspiele im historischen Teil im Zentrum der Hauptstadt neben der Kathedrale oder auch in Pula an der adriatischen Küste um Mitternacht im 2000 Jahre alten Amphitheater.
Dank Medvescak ist das Interesse fürs Eishockey vor allem in Zagreb gewaltig gestiegen. Zwischen 200 000 und 250 000 Zuschauer besuchen jährlich die etwa 30 Heimspiele. Die kroatische Hauptstadt unterstützt das Eishockey, indem sie Medvescak die Eishalle gratis und eine gewisse Infrastruktur fürs Training zu günstigen Konditionen zur Verfügung stellt.
Nischensituation genutzt
In ganz Kroatien gebe es nur knapp 300 lizenzierte Spieler, sagt Zimmermann. In seiner Equipe spielt keiner, der das Eishockey-ABC in Kroatien gelernt hat. Das Team wird von Doppelbürgern und nordamerikanischen Spielern geprägt. Zimmermann sieht Medvescak in einer Nischensituation, in welcher es möglich ist, «dank der Teilnahme in der KHL für relativ wenig Geld gute Qualität einzukaufen.» Medvescak biete nordamerikanischen Eishockeyanern die Möglichkeit, «den Eintrittsschritt in die KHL schmackhaft zu machen.» Als Marketingchef ist Zimmermann um gute Gründe nicht verlegen: «Zagreb ist attraktiv, gehört zu Westeuropa und zur EU. Die Stadt hat kulturell und unterhaltungsmässig einiges zu bieten. Da fühlen sich die Spielerfamilien wohl.»
Der Klub ist 18-facher kroatischer Meister. Von 2006 bis 2009 gehörte er der slowenischen Eishockeyliga an, danach von 2009 bis 2013 der multinationalen, österreichisch geprägten Ebel. Nach dem Wechsel in die KHL schaffte Medvescak letzte Saison sensationell auf Anhieb die Playoff-Qualifikation. Als Stärken der Truppe nennt Zimmermann «das Kollektiv und den Willen» – Qualitäten, die nötig seien, um in der KHL bestehen zu können. Als Schwäche ortet der Marketing-Chef das Fehlen von grossen Stars, die ein Spiel allein reissen können, wie es letzte Saison der frühere NHL-Goalgetter Jonathan Cheechoo getan habe. Solche Cracks zu halten sei mit dem bescheidenen Budget nicht möglich.
Stolz auf die Einladung
«Unsere Vorfreude auf den Spengler Cup ist gross», sagt Daniel Zimmermann. Medvescak Zagreb werde mit einem gewissen Stolz in Davos antreten, denn die Einladung an dieses Traditionsturnier sei keine Selbstverständlichkeit, kenne man weder den Klub noch das kroatische Hockey in der Eishockeywelt. Das Team reiste gestern mit klaren Vorstellungen an. «Wir sind sehr motiviert, wollen gut spielen, in den Final und zeigen, dass wir mit unserem attraktiven Eishockey Erfolg haben können», so Zimmermann.
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