Beherztes Eingreifen verhindert eine Tragödie
Ein deutscher Gast hat in der Nacht von Samstag auf Sonntag massgeblich dazu beigetragen, dass beim Brand im Hotel «Bellavista» in Ftan keine Personen zu Schaden gekommen sind. Der Retter möchte aber nicht als Held gefeiert werden.
Ein deutscher Gast hat in der Nacht von Samstag auf Sonntag massgeblich dazu beigetragen, dass beim Brand im Hotel «Bellavista» in Ftan keine Personen zu Schaden gekommen sind. Der Retter möchte aber nicht als Held gefeiert werden.
Von Fadrina Hofmann
Ftan. – Der deutsche Tourist Martin Hemminger sitzt unter einem knallblauen Winterhimmel, umgeben von einer herrlichen Bergwelt mitten im Skigebiet Motta Naluns, und erzählt vom Mobiltelefon aus einmal mehr seine Geschichte. Es ist die Geschichte einer aussergewöhnlichen Nacht – der Brandnacht im Hotel «Bellavista» in Ftan (Ausgabe von gestern). Es ist auch eine Geschichte über Courage und Glück im Unglück.
Das Treppenhaus war voller Rauch
Rückblende: In der Nacht von Samstag auf Sonntag wachte Hemminger gegen zwei Uhr nachts plötzlich mit Brandgeruch in der Nase auf. «Ich dachte, im Zimmer brennt etwas, doch ich habe nichts entdeckt», erzählt er einen Tag nach dem Ereignis. Auch ein Blick aus dem Fenster des Zimmers im alten Trakt des Hotels habe keine Erklärung für den Brandgeruch gebracht. So trat Hemminger in den Flur hinaus: keine Spur eines Feuers. «Doch dann kam ich zum Treppenhaus und der war schon völlig verraucht», sagt das Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Esslingen am Nekar. Ohne lange zu überlegen, lief der 50-Jährige daraufhin von Zimmer zu Zimmer, um die anderen Gäste zu wecken und sie über den Notausgang ins Freie zu lotsen. Unterstützung erhielt er von seinem Cousin Thomas Heubach, ebenfalls ein Feuerwehrmann. Schnell war die Nummer 118 gewählt, ebenso schnell war die Gemeinschaftsfeuerwehr Pisoc vor Ort. So wurden innerhalb kürzester Zeit rund 40 verschlafene Gäste evakuiert, darunter auch das Hotelierpaar Balser Derungs und Cilgia Gianom.
Als «nichts Besonderes», als «selbstverständlich» wertet Hemminger sein Verhalten in der Brandnacht. Der bescheiden auftretende Geschäftsführer eines Tiefbauunternehmens in der Nähe von Stuttgart lobt die Professionalität der örtlichen Feuerwehr und der Rettungsärzte. «Meine Frau wurde mit Verdacht auf eine Rauchvergiftung noch an Ort und Stelle untersucht», erzählt Hemminger. Schlussendlich musste jedoch niemand ins Spital eingewiesen werden. «Die Betreuung war hervorragend», meint der Deutsche rückblickend. Umgehend seien die Gäste in andere Unterkünfte einquartiert worden. Er residiere jetzt beispielsweise in einer Pension. Seine Familienmitglieder, Freunde und Bekannte – insgesamt ist Hemminger mit einer 25-köpfigen Gruppe ins Unterengadin gereist – wurden in anderen Unterkünften in Ftan aufgenommen.
Die Zimmer sind nicht beschädigt
Mittlerweile ist die mutmassliche Brandursache bekannt. Gemäss Informationen von Hotelier Derungs hat ein defekter Trafo eines LED-Lämpchens ausgereicht, um die Pizzeria im Haus komplett auszubrennen. «Die Zimmer sind glücklicherweise nicht beschädigt, aber sie stinken nach Rauch», schildert Derungs. Dank einer spezialisierten Reinigungsfirma soll das Hotel aber spätestens ab dem 15. Januar wieder wenigstens mit Halbpension geöffnet werden. Dann wird das Hotel voll belegt sein.
Hemminger wird zu diesem Zeitpunkt nicht mehr im Unterengadin weilen. Zurückkehren wird er aber bestimmt wieder. Seit 36 Jahren bereits verbringt der Deutsche seine Ferien in Ftan. «Bisher waren wir aber immer in einer Ferienwohnung untergebracht», sagt er.
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