Beat Hefti mit erfolgreicher Gratis-Gästefahrt im Vierer
Bob Der lettische Bobpilot Oskars Melbardis hat beim Weltcup in St. Moritz nach dem Zweier- auch das Vierer-Rennen gewonnen. Beat Hefti wurde Zweiter im Zweier und Letzter im Vierer.
Bob Der lettische Bobpilot Oskars Melbardis hat beim Weltcup in St. Moritz nach dem Zweier- auch das Vierer-Rennen gewonnen. Beat Hefti wurde Zweiter im Zweier und Letzter im Vierer.
si. So enthusiastisch haben noch selten Sportler über einen letzten Platz gejubelt. Beat Hefti und Alex Baumann haben es geschafft, mit prominenter Frauen-Unterstützung durch Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig und Siebenkämpferin Linda Züblin das von ihnen geforderte Vierer-Resultat abzuliefern.
Da das Quartett auf Rang 28 im Klassement von St. Moritz erscheint, erhält Hefti die Bestätigung, dass er für die Schweiz weiterhin Punkte für das sogenannte Quotenplatz-Ranking sammeln kann. Swiss Sliding muss nicht mehr befürchten, in der nächsten Weltcup-Saison nur noch einen Steuermann stellen zu können.
Spirig happy über Publicity
Die Bilder hatten etwas Komisches. Angetreten war Heftis Crew in Trainings-Overalls. Am Start liessen es die Athleten vorsichtig angehen. In der Anlaufspur büssten sie neun Zehntel ein. Es bestand aber keine Gefahr, dass eine der beiden Frauen beim Einsteigen nicht in den Schlitten kommt und dass das Team am Ende disqualifiziert wird. Deshalb konnte Hefti im Ziel zu seiner ungewöhnlichen PR-Aktion sagen, es habe ihm Spass gemacht.
Mit dem Speed zeigte er sich sogar äusserst zufrieden. Im unteren Streckenteil waren sie auf rund 143 km/h gekommen. Mehr Tempo war mit dem verhaltenen Start und der leichten Besatzung – das Quartett blieb 87 kg unter dem Maximal-Gewicht von 630 kg – fast nicht möglich. Darum war im von vornherein klar gewesen, dass Hefti den Final-Durchgang der Top 20 verpasst. Im ersten Lauf hatte er auf den Halbzeit-Leader und späteren Gewinner Melbardis knapp zweieinhalb Sekunden eingebüsst.
Unter dem Strich waren alle aus Heftis zusammengewürfelter Equipe happy. Spirig und Züblin gelangten auf diese Art so quasi zu einer Gratis-Gästefahrt, für die andere am «Olympia Bobrun» 250 Franken hinblättern. Und für die beiden hatte die Aktion den angenehmen Nebeneffekt, dass ihnen ausserhalb ihrer Hauptsaison Publicity gewiss war. Spirig meinte: «Das hat mir mehr Medienaufmerksamkeit gebracht als manch eine gute Leistung an einer WM oder EM.»
Wenig Gegenliebe
Auf Gegenliebe ist Heftis Aktion jedoch nicht überall gestossen. Kritiker monierten, der Appenzeller habe den Bobsport der Lächerlichkeit preisgegeben. Das hat Hefti kaltgelassen. Ihm ging es auch darum, aufzuzeigen, dass er nicht damit einverstanden ist, wie der Weltverband FIBT teilweise sein Reglement auslegt. Hefti will in diesem Zusammenhang in den letzten Jahren eine gewisse Willkür festgestellt haben. Als ihm die FIBT vor etwa zwei Wochen mitgeteilt hatte, er sei in dieser Weltcup-Saison auf einen Vierer-Einsatz angewiesen, hatte ihn dies geärgert. Er geriet in Zeitnot, musste auf die Schnelle zwei Hinterleute suchen. Denn Hefti wollte die Vierer-Fahrt unbedingt beim Heim-Weltcup hinter sich bringen, um den Zusatzaufwand klein zu halten.
Bei der FIBT reagierte man auf offizieller Ebene zurückhaltend auf Heftis PR-Gag. Generalsekretärin Heike Grösswang liess sich von der Nachrichtenagentur dpa zitieren, sie wisse nicht, ob sich Hefti damit einen Gefallen tue. Die FIBT verteidigte in dieser Causa halbherzig einen Passus, der seit 2007 im Reglement existiere. Dieser besage, dass sich ein Pilot auf der Jagd nach Punkten für das Quotenplatz-Ranking nicht nur auf eine Disziplin beschränken könne.
Peter: «Eine katastrophale Woche!»
Rico Peters Fazit zum Heim-Weltcup fiel weitaus weniger positiv aus als jenes von Hefti, der am Samstag mit dem Zweier Zweiter geworden war. Dem Aargauer lief es mit dem grossen Schlitten (11.) noch schlechter als mit dem kleinen (7.). Obwohl Peter mit dem Vierer im Final-Durchgang noch sechs Plätze gutmachen konnte, meinte er frustriert: «Das war eine katastrophale Woche! Unsere Leistungen waren inakzeptabel.»
Der 31-Jährige aus Kölliken hatte mit Problemen verschiedenster Art zu kämpfen. Er wurde krank und kam zu Hause mit dem Druck nicht zurecht. Im Vierer konnte er wegen eines regeltechnischen Fehlers nicht mit seiner Wunschformation antreten. Weil er Simon Friedli während den Trainings mit dem Spurbob von Billi Meyerhans hatte fahren lassen, war der Solothurner Anschieber für die beiden Rennen gesperrt. Peter hätte dann vom gleichen Billi Meyerhans gerne den (schwarzen) Vierer-Schlitten ausgeliehen fürs gestrige Rennen, diese Idee scheiterte aber am Veto des Verbands. Swiss Sliding schrieb ihm vor, er müsse ein Gefährt benützen, das in den Farben der wichtigsten Verbands-Sponsoren gehalten sei. Peter konnte für diese Auflage kein Verständnis aufbringen.
Er setzt nun seine Hoffnungen auf die Europameisterschaften vom nächsten Wochenende in La Plagne (Fr). In der letzten Saison hatten die EM-Rennen den Schweizern Erfolg gebracht; am bayrischen Königssee waren alle drei Titel an Swiss Sliding gegangen. Hefti hatte in beiden Disziplinen triumphiert, die inzwischen zurückgetretene Fabienne Meyer gewann Gold bei den Frauen, und Rico Peter sicherte sich Silber mit dem Zweier.
Resultate
Zweier (Samstag): 1. Oskars Melbardis/Daumants Dreiskens (Lett) 2:12,23. 2. Beat Hefti/Alex Baumann (Sz) und Ugis Zalims/Intars Dambis (Lett) je 0,17 zurück. 4. Francesco Friedrich/Thorsten Margis (De) 0,44. 5. Johannes Lochner/Joshua Bluhm (De) 0,62. 6. Steven Holcomb/Carlo Valdes (USA) 0,87. 7. Rico Peter/Janne Bror van der Zijde (Sz) 0,92. – Weltcup-Stand Zweier (5/8): 1. Melbardis 1054. 2. Hefti 1052. 3. Friedrich 979. – Ferner: 5. Peter 872.
Vierer (Sonntag): 1. Oskars Melbardis/Daumants Dreiskens/Arvis Vilkaste/Janis Strenga (Lett) 2:09,73. 2. Francesco Friedrich/Gregor Bermbach/Martin Grothkopp/Thorsten Margis (De) 0,18. 3. Maximilian Arndt/Jan Speer/Alexander Rödiger/Martin Putze (De) 0,38. 4. Nico Walther/Andreas Bredau/Marko Hübenbecker/Christian Poser (De) 0,73. 5. Simone Bertazzo/Simone Fontana/Costantino Ughi/Francesco Costa (It) 0,90. 6. Nikita Sacharow/Alexej Negodaylo/Petr Moisejew/Kirill Antjuch (Russ) 1,05. – Ferner: 11. Rico Peter/Janne Bror van der Zijde/Thomas Amrhein/Fabio Badraun (Sz) 1,61. 14. Steven Holcomb/Justin Olsen/Carlo Valdes/Samuel Michener (USA) 1,70. 19. Kaillie Humphries/Douglas McClelland/Dan Dale/Efrem Violato (Ka) 2,62. – Nicht im Final-Durchgang der Top 20: 28. Beat Hefti/Linda Züblin/Nicola Ursula Spirig Hug/Alex Baumann (Sz). – Weltcup-Stand Vierer (5/8): 1. Melbardis 1060. 2. Friedrich 900. 3. Alexander Kasjanow (Russ) 882. – Ferner: 5. Peter 824. 31. Hefti 28.
Frauen (Samstag): 1. Anja Schneiderheinze/Annika Drazek (De) 2:15,29. 2. Cathleen Martini/Franziska Bertels (De) 0,31. 3. Jamie Greubel Poser/Cherrelle Garrett (USA) 0,57. 4. Elana Meyers Taylor/Lauryn Williams (USA) 0,63. 5. Elfje Willemsen/Annelies Holthof (Be) 0,77. 6. Edith Burkard/Tanja Mayer (Sz) 0,85. 7. Kaillie Humphries/Melissa Lotholz (Ka) 0,98. – Ferner: 17. Martina Fontanive/Viviane Sigg (Sz) 3,57. – Weltcup-Stand (5/8): 1. Meyers Taylor 1043. 2. Schneiderheinze 995. 3. Willemsen 956. – Ferner: 16. Burkard 176. 20. Fontanive 88.
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