Bauernbetrieb
Schwyz In der Lücken in Schwyz, wo sich Land und Dorf die Hände reichen, bauert die Familie Xaver und Regula Appert-Jauch. Mit 750 Niederstamm- und 60 Hochstammobstbäumen herrschen dort paradiesische Zustände.
Schwyz In der Lücken in Schwyz, wo sich Land und Dorf die Hände reichen, bauert die Familie Xaver und Regula Appert-Jauch. Mit 750 Niederstamm- und 60 Hochstammobstbäumen herrschen dort paradiesische Zustände.
Bauernfamilie: Fam. Xaver und Regula Appert-Jauch
Liegenschaftsname: Lückenstrasse 21, Schwyz
Grösse der Liegenschaft: 15 ha landwirtschaftliche Nutzfläche
Pachtland: davon 4 ha Pachtland
Liegenschafts-Bewirtschafter: Seit 1995
Betrieb: In 3. Generation
Betriebszweige: Mutterkuhhaltung, Tafelobst in Direktvermarktung, Pensionspferde
Zusatzerwerbe: Pistenrettungsdienst auf dem Stoos im Winter
Wer arbeitet sonst auf dem Betrieb mit: Vater und Mutter, je nachdem freiwillige Helfer
Nachfolgeregelung des Betriebes: Unsere Kinder haben Freude am Betrieb.
Mailadresse: appert-jauch@bluewin.ch
Ernst Immoos
Die Familie Appert-Jauch gehört zu einer der wenigen Familien, welche noch fast mitten im bewohnten Gebiet des Dorfes Schwyz einen Landwirtschaftsbetrieb führen. Dort leuchtet jetzt mit dem Apfel die beliebteste Frucht der Schweiz in den Baumkronen. Apperts besitzen nämlich in der Lücken 750 Niederstamm- und 60 Hochstammobstbäume. Die älteste kultivierte Frucht ist am Ausreifen, und so darf man ganz besonders in diesem Herbst von paradiesischen Zuständen sprechen. Um den Apfel ranken sich bekanntlich viele Mythen und Legenden wie bei keiner anderen Frucht – Eva verführte Adam mit einem Apfel, die böse Königin vergiftete mit ihm Schneewittchen, und Wilhelm Tell schoss ihn seinem Sohn vom Kopf. Für die Familie Appert aber sind die Obstkulturen ein Bestandteil ihres bäuerlichen Einkommens. Seit Juni ist man in der Lücken am Ernten. Xaver Appert spricht von einer guten Tafel-Kirschenernte. Jetzt sind bereits die Zwetschgen an der Reihe. Der regnerische Sommer hat zu Qualitätseinbussen geführt: «Die ersten Zwetschgen waren eher fad im Aroma, und ein grosser Teil verfaulte. Wir hoffen jetzt auf einen goldenen Herbst.» Schönes trockenes Wetter ist nun von Wichtigkeit, denn Apperts freuen sich an einem guten Behang an Zwetschgen, Mirabellen, Birnen und Äpfeln.
Vom Hofladen bis Wuchämärcht
Obst und Früchte gehen hauptsächlich in die Direktvermarktung und an regionale Abnehmer. Die zahlreichen selbsthergestellten Produkte wie Süssmost, Konfitüren, Sirup, Eingemachtes, Wurstwaren und gebrannte Wasser stehen im eigenen Hofladen und werden jeden Samstagmorgen am Wuchämärcht in Schwyz angeboten. Regula Appert stellt zudem Geschenke nach Wünschen her: «Regionale und individuell zusammengestellte Geschenke sind sehr im Trend», freut sich die Bäuerin.
Kühe, die man nie melkt ...
... solche Tiere stehen im Stall der Familie Appert. Es handelt sich um sogenannte Mutterkuhhaltung. Die 15 Kühe leben mit ihren Kälbern und dem Stier Omero im Familienverbund zusammen auf der Weide und im Stall. Das Kalb trinkt Muttermilch, die Kuh wird also nie gemolken. Dazu ernähren sich die Kälber wie die Mutter und der Rest der Herde vorwiegend von Gras und Heu. Mit zehn Monaten kommt das Kalb zum Schlachthof und wird unter dem Label Natura-Beef vermarktet: «Wir produzieren so naturnahes und tierfreundliches Fleisch und keine Milch», erklärt Bauer Appert. Die Familie hält noch weitere Zwei- und Vierbeiner, so 100 Hühner (Eierproduktion), Hasen und Pensionspferde. Obst ernten, Tiere füttern/betreuen und Futter einbringen, das hält Apperts auf Trab. Da braucht es je nach Arbeitsanfall viele Hände. Xaver und Regula Appert können nebst ihren Eltern auch auf ihre Kinder Silvia, Thomas, Petra und Felix und weitere freiwillige Helfer zählen. Bei so vielen Standbeinen ist eine Arbeitsaufteilung wichtig. Während Xaver für Vieh und Obst zuständig ist, stellt Regula Produkte her und ist für den Hofladen und den Wuchämärcht-Verkauf verantwortlich. Die Eltern der Bauersfamilie betreuen die Tiere auf der Sommerweide (im Winter Schnapsbrennen) und führen Arbeiten aus, die sonst eher liegen bleiben würden.
«Abschalten» ist auch ein Thema
Auch wenn das ganze Jahr Arbeiten anstehen, nimmt sich die Familie Appert hin und wieder eine Auszeit: «Wir nehmen uns gemeinsame Freizeit. Ferien mit allen zusammen wird schwieriger, wenn, dann ein paar Tage Skifahren.» Ob auch die nächste Generation auf dieser Spur weiter bauert? Thomas steht im ersten Lehrjahr als Landwirt. Springt er dann in die Bresche? «Das wäre ein Glück für uns», heisst es.
Was bringt die Zukunft?
Gedanken und Hoffnungen über die Zukunft macht sich Xaver Appert schon: «Das Bauern ist meine Leidenschaft. Die Landwirtschaftsprodukte sollten den Wert, die Wertschätzung in der Zukunft behalten oder wieder zurückbekommen. Denn unsere Landwirtschaft darf nicht nur von Vorschriften bestimmt werden und nur noch von den Direktzahlungen abhängig sein. Diese Entwicklung wäre für unsere Jungen kein Ansporn mehr, weiter unsere Landschaft zu pflegen und gute Lebensmittel zu produzieren.» Wie bekommt Regula Appert als Mutter, Hausfrau und Bäuerin all die vielen Aufgaben unter einen Hut? «Ich habe viele Hüte (Helferinnen und Helfer) sonst ginge das gar nicht.» Das Bauernleben hat für sie einen hohen Stellenwert: «Ich schätze es, mit der ganzen Familie zusammenzuarbeiten. Da zu sein, wenn die Kinder nach Hause kommen. Als Mutter ist es sehr wertvoll, dass die Kinder auf einem Bauernhof aufwachsen können. Sie werden selbstständig, lernen, schon früh Verantwortung zu übernehmen, können ihre Ideen umsetzen, und lernen aber auch, Arbeiten zu erledigen, die nicht immer nur Spass machen.»
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