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Banges Warten auf Nachricht

In der Nähe einer Gewitterfront ist gestern in Südostasien ein Passagierflugzeug vom Radar verschwunden. 162 Personen werden vermisst.

Südostschweiz
29.12.14 - 01:00 Uhr
Zeitung

Von Willi Germund

Jakarta. – Die letzten Funksprüche klangen trotz des schlechten Wetters wie reine Routine. Der Flugkapitän, ein Veteran der indonesischen Luftwaffe, und sein Kopilot hatten wegen Gewitterwolken in 15 000 bis 20 000 Höhe die Bodenstation um eine Kursänderung gebeten. Als sie die Reisehöhe von knapp 12 000 Metern verliessen und den Airbus der malaysischen Billigfluglinie Air Asia in einen Steigflug lenkten, brach der Funkkontakt ab. Das Flugzeug verschwand mit 155 Passagieren und sieben Besatzungsmitgliedern an Bord am frühen Morgen über der Java Sea zwischen Java und Borneo vom Radarschirm. An Bord befanden sich überwiegend Indonesier, ein Brite, ein Franzose und eine südkoreanische Familie.

Ergebnislose Suchaktion

Zwölf Stunden später fehlte mit Einbruch der Dunkelheit immer noch jede Spur von Flug QZ 8105 vom indonesischen Surabaya nach Singapur. Malaysia, Indonesien und Singapur, die etwa vier Stunden nach dem Verschwinden eine intensive Suchaktion starteten, dementierten am Abend energisch Gerüchte, Trümmer der Maschine seien nahe der Insel Betilung im Meer entdeckt worden. Angehörige, die am Changi Flughafen in Singapur warteten, mussten sich deshalb weiterhin mit einer dürren Anzeige begnügen: «Wenden Sie sich bitte an den Informationsschalter.» Tony Fernandez, der Air Asia im Jahr 2001 gekauft und mit dem Slogan «Jetzt kann jeder fliegen» die Ära der Billigflieger in Südostasien eröffnet hatte, machte sich auf den Weg nach Surabaya, von wo die meisten der Passagiere stammten. Ihn erwarteten weinende Angehörige, die seit Stunden vergeblich auf Nachrichten warteten.

Je länger die intensive Suche ergebnislos blieb, umso stärker wurden Erinnerungen an das mysteriöse Verschwinden einer Boeing 777 von Malaysian Airlines’ Flug MH 370 im März diesen Jahres wach. Von dem Flugzeug fehlt immer noch jede Spur. Das Wrack der Maschine wird gegenwärtig in bis zu 6000 Metern Tiefe auf dem zerklüfteten Boden des Indischen Ozeans westlich der australischen Stadt Perth vermutet.

Kein Notruf abgesetzt

Die Suche nach Flug QZ 8105 konzentriert sich laut Angaben des indonesischen Fernsehsenders Metro TV auf das Meer südlich von Borneo. Die Piloten hatten offenbar nicht einmal Zeit, einen Notruf abzusetzen. Bislang konnte auch noch kein Signal der Blackbox entdeckt werden, die nach einem Absturz bis zu vier Wochen lang Ortungssignale sendet.

Kaum noch Hoffnung

Offiziell halten sich Air Asia und die Behörden weiter an die Sprachregelung, dass Flug QZ 8105 vermisst wird. Aber auch den meisten Angehörigen dürfte mittlerweile klar sein, dass kaum noch Hoffnung auf Überlebende besteht. Es hat während der letzten Jahre zahlreiche Flugunglücke in Indonesien gegeben. Selbst bei Abstürzen über der Java Sea dauerte es meist nur wenige Stunden, bis Wrackteile entdeckt wurden.

Das Jahr 2014 scheint für Malaysias Fluggesellschaften mit einem Fluch belegt. Der vermutliche Absturz von QZ 8105 ist bereits die dritte Katastrophe, die das Land traf. Denn nur drei Monate nach dem spurlosen Verschwinden von MH 370 wurde vermutlich von Separatisten der Ukraine MH 17 auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur abgeschossen. 298 Insassen starben dabei.

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