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Bangen um die Gesundheit König Abdullahs

Der an einer Lungenent- zündung erkrankte saudische Monarch Abdullah Ibn Abd el Aziz muss künstlich beatmet werden. Sein Gesundheitszustand und die Nachfolgeregelung beschäftigen auch den Ölmarkt.

Südostschweiz
05.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Von Michael Wrase

Riad. – Der 90 Jahre alte saudische König Abdullah Ibn Abd el Aziz ist an einer Lungenentzündung erkrankt. Seit Freitagabend muss er künstlich beatmet werden. Die Ärzte des greisen Monarchen beschreiben seinen Zustand als stabil. Zur Beruhigung hat das wenig detaillierte Gesundheitsbulletin aber nicht beigetragen. Die saudische Börse fiel um fast fünf Prozent, nachdem die Staatsmedien am Mittwoch die Einlieferung von König Abdullah in die «König Abdel Aziz Medical City» am Stadtrand von Riad gemeldet hatten.

Dort wurde der Monarch im letzten Jahr schon mehrfach behandelt. Beim Besuch von US-Präsident Barack Obama im März 2014 trug Abdullah eine Atemmaske. Die letzten offiziellen Fotografien zeigen ihn in einem Rollstuhl. Die meisten von Abdullahs Amtsgeschäften soll inzwischen Kronprinz Salman übernommen haben, der als aussichtsreicher Nachfolger auf den Thron gilt. Er soll nach dem Tod seines Halbbruders Stabilität und Kontinuität garantieren – was keineswegs sicher ist.

Warten auf die Enkelgeneration

Salman wird in diesem Jahr 80. Er war von Abdullah ernannt worden, nachdem mit Prinz Nayef und Prinz Sultan zwei für die Tronfolge vorgesehene Kandidaten gestorben waren, bevor sie die Nachfolge hätten antreten können. Viele Saudis hätten sich einen Machtransfer in die Enkelgeneration gewünscht. Dieser wird aber von den noch lebenden Söhnen von Staatsgründer Abd el Aziz, der bis zu 45 Söhne von bis zu 17 Frauen hinterliess, blockiert. Auch die von König Abdullah unlängst verfügte Ernennung von Prinz Mukrin zum «Vizekronprinzen», also zum Nachfolger von Prinz Salam, ist keine Garantie für eine deutliche Verjüngung der politischen Elite.

Der Islamwissenschaftler Guido Steinbach stellt daher die Frage, ob angesichts der immer wieder vertagten Personalentscheidungen die saudische Führung den innen- und aussenpolitischen Aufgaben der nächsten Jahre gewachsen sein wird. «Gelingt nicht bald eine Reform der Thronfolgeregelung, dann drohen dem Königreich mittelfristig Unruhen wie in den anderen arabischen Ländern», befürchtet Steinbach. Ein revolutionärer Ansatz wäre eine demokratische Wahl eines Thronfolgers innerhalb der royalen Machtelite, betont der Saudi-Arabien-Experte Norman Philipp. Der Wirtschaftswissenschaftler bezweifelt jedoch, ob die saudische Führung zu einem solchen transparenten Schritt bereit sein werden. Philipp geht davon aus, dass Kronprinz Salam nach einem Ableben von König Abdullah «einen deutlich strengeren und erzkonservativen Pfad einschlagen wird». Überfällige Reformschritte, die Abdullah einzuleiten versuchte, werden vermutlich weiter verschoben werden. Auch eine Annäherung zum schiitischen Iran, welche die Bürgerkriege in Syrien und dem Irak entschärfen könnte, ist von Salman nicht zu erwarten.

Wieder steigende Ölpreise?

Analysten in Dubai halten es indes für möglich, dass ein Machtwechsel in Riad die Politik des billigen Öls beenden könnte. Das Königshaus, heisst es, sei in einer solchen Phase an Stabilität interessiert. Und Stabilität versucht man in Saudi-Arabien traditionell mit Geldgeschenken zu garantieren. Da der sinkende Ölpreis schon jetzt im saudischen Staatshaushalt für ein Defizit von 38,6 Milliarden Dollar sorgt, könnte Salman mit einer Senkung der Förderquote ein Wiederansteigen des Ölpreises einleiten.

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