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Bachs Ehefrau

Die Sopranistin Nuri Rial schlüpft für diese CD in die Rolle von Bachs zweiter Ehefrau Anna Magdalena. Sie war eine virtuose und gefragte Sopranistin und trat verschiedentlich mit ihrem Mann auf.

Südostschweiz
Samstag, 14. Juni 2014, 02:00 Uhr KLassikempfehlungen

Von Reinmar Wagner

Allerdings nicht in der Kirche, da hatten Frauen zu schweigen, aber im höfischen Umfeld, zu dem Bach auch nach seinem Amtsantritt in Leipzig rege Kontakte pflegte, durfte sie an seiner Seite musizieren. Zum Beispiel bei der Trauerfeier für den Fürsten Leopold von Köthen, in der Bach einige der schönsten Arien der Matthäus-Passion mit neuem Text versehen liess. Andere Gelegenheiten gemeinsamer Auftritte sind nicht wirklich dokumentiert, vieles was Nuria Rial hier mit ihrer schwerelosen, aber ausdrucksvollen Stimme singt, könnte, muss aber Anna Magdalena nicht gesungen haben. Das tut dem Vergnügen an diesen wunderschönen, teils völlig unbekannten Arien von Bach, aber auch Komponisten aus seinem Umfeld nicht den geringsten Abbruch.

Nuria Rial: Arien von J. S. Bach u.a. Kammerorchester Basel, Julia Schröder. DHM.

Von Mario Gerteis

Sollte jemand dem unseligen Klischees von Mendelssohns blässlicher Tonsprache nachhängen – er wird durch den spanischen Jung-Maestro Pablo Heras-Casado hier in der sogenannten «Lobgesang»-Sinfonie eines bessern belehrt: Sein interpretatorischer Ansatz ist unverkennbar: starke, aber nicht übertriebene Akzente, ein belebtes, aber nicht manieriertes Klangbild mit grossem Atem. Die Musik kann sich heftig geben und bleibt doch immer in sich schlüssig. Diese Sinfonie ist ein besonderer Fall: Sie figuriert als Nummer 2, dabei ist sie nach der 4. und 5. Sinfonie entstanden. Zudem erweist sie sich als eine Art von Sinfonie-Kantate: mit ausgedehntem Finale für drei Gesangssolisten und einen stark geforderten Chor: Drei Orchestersätze präludieren den weitausladenden vokalen Teil, der nach einem dunklen Intermezzo in überwältigendes Licht mündet.

Mendelssohn: 2. Sinfonie «Lobgesang». Chor und Orchester des Bayerischen Rundfunks, Pablo Heras-Casado.

Von Attila Csampai

Strawinskys schmales Oeuvre für Solo-Klavier stand immer im Schatten seiner Orchestermusik, was auch daran liegen mag, dass kaum ein Werk den zeitlichen Rahmen einer Miniatur überschreitet, also für die meisten Pianisten in der Schublade «Zugabe» abgelegt ist. Die in Taiwan geborene, in Wien ausgebildete und seit 20 Jahren in New York lebende Pianistin Jenny Lin hat jetzt ein komplettes Album mit Klavierwerken Strawinskys bespielt. Man spürt in jedem Stück dieses wirklich kurzweiligen, und noch immer absolut zeitgemäss wirkenden Reigens, dass es stets Musik über Musik ist, die Strawinsky uns hier lustvoll um die Ohren knallt, wobei er, wie kein anderer Komponist, seinen eigenen schöpferischen Prozess kenntlich macht: Er ist ein Zauberer, der stets mit offenen Karten spielt. Und Jenny Lin erweist sich auf ihrem phantastisch klingenden Steinway als kluge Choreographin seiner vertrackten Tastenspiele.

Strawinsky: Werke für Klavier solo. Jenny Lin ( Klavier). Steinway & Sons.

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