Aus dem Talent ist ein Weltklasse-Reiter geworden
Die Zeiten, da Martin Fuchs locker ins Hallenstadion einreiten durfte, sind vorbei. Der Mercedes-CSI in Oerlikon ist sein Heimturnier. Fuchs setzt sich selbst unter Druck.
Die Zeiten, da Martin Fuchs locker ins Hallenstadion einreiten durfte, sind vorbei. Der Mercedes-CSI in Oerlikon ist sein Heimturnier. Fuchs setzt sich selbst unter Druck.
«In Zürich bin ich ziemlich nervös», gibt er zu. Nervös war er auch in den vergangenen Jahren, doch da lief er noch unter dem Titel «Talent». Das war einmal. Mit seinen 22 Jahren ist Fuchs inzwischen mitten in der Weltklasse angekommen. Vor drei Jahren wurde er in Zürich noch als «Rookie of the year» der Schweizer Springreiter ausgezeichnet.
In der Weltrangliste belegt er als aktuelle Nummer 5 der Schweiz Platz 57. Im September startete er zu seinen Erfolgswochen, wurde Schweizer Meister in Sion. Ende Oktober gewann er beim Fünfstern-Turnier von Helsinki den Grand Prix und wurde Zweiter im Weltcup-Springen. Anfang Dezember glänzte er in Paris, gewann seinen erst dritten Sieg bei einem Fünf-Stern-Grand-Prix. Sein bisher wertvollster Sieg brachte Fuchs 115 500 Euro Preisgeld, damals noch fast 140 000 Franken. Seit 2014 ist Fuchs endgültig kein Nachwuchsreiter mehr, bewegt sich nur noch auf der Profitour: «Ich habe schon gehofft, dass es mir gut läuft. Aber so viel Erfolg habe ich nicht unbedingt erwartet.» Und er betont: «Zwei solche Siege sind schon ein bisschen viel.» Helsinki und Paris verliess er jeweils als erfolgreichster Reiter des Turniers.
Das Weltcup-Springen vom Sonntag ist Fuchs’ grosses Ziel. Noch hat er das Weltcup-Finale Mitte April in Las Vegas nicht abgeschrieben, doch er müsste bei seinen zwei letzten Möglichkeiten punkten: Zürich und Göteborg. «Die Ansprüche an mich selbst sind gestiegen», gibt er zu. So sei er über seinen sechsten Platz beim Weltcup-Springen in Verona ziemlich enttäuscht gewesen. «Dabei wäre das drei Wochen vorher noch mein absolut bestes Resultat gewesen.»
Fuchs setzt nicht nur auf die tägliche Arbeit mit dem Pferd und seinem Vater. Thomas Fuchs ist nach wie vor sein Trainer. «Das passt», betont der Junior, der noch einmal in der Woche mit Olympiasieger Steve Guerdat ein Fitnesstraining absolviert. «Mit Aidan O’Neill haben wir jetzt einen neuen Konditionstrainer», erzählt er. Der sei zwar streng, wisse aber genau, was möglich sei und deshalb mache es Spass. «Er will sich auf Reiter spezialisieren», sagt Fuchs. Noch seien erst wenige Reiter dazu bereit, doch die Zahl steige. «Hauptsächlich Kraft- und Stabilisierungsübungen machen wir», sagt Fuchs.
Fuchs ist überzeugt, dass die Athletik auch in seinem Sport immer wichtiger wird. Zumal sein Programm durchaus anspruchsvoll ist. Nach Zürich startet er in Österreich in Villach, dann fliegt er nach Hongkong – in der «Holzklasse» – und in vier Wochen steht Göteborg auf dem Programm. Nur eine Woche später startet er schon in die Freiluftsaison, in Doha.
Doch in den nächsten Tagen gilt seine Konzentration Zürich. Vor zwei Wochen kostete ihn ein Flüchtigkeitsfehler im Grand Prix in Basel den Spitzenplatz. Das soll ihm beim Heimturnier nicht passieren. Zumal er diesmal den Sieg richtig geniessen könnte. Denn schliesslich dauert die Heimfahrt nach Bietenholz nur 15 Minuten. Und Freundin Anna-Julia Kontio ist dann auch nicht weit. Die Finnin, mit der er schon länger zusammenwohnt, startet auch im Hallenstadion.
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Bereits Abonnent? Dann schnell einloggen.